Ge­richt ver­bie­tet Bau von Kraft­werk

An­la­ge in öko­lo­gisch wert­vol­lem Tal im Ober­all­gäu darf nicht ge­baut wer­den

Lindauer Zeitung - - ERSTE SEITE -

AUGS­BURG (lby) - Seit Jah­ren strei­ten sich Na­tur­schüt­zer und das Land­rats­amt Ober­all­gäu über ein ge­plan­tes Was­ser­kraft­werk. Nun hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg das Pro­jekt im Hin­ter­stei­ner Tal bei Bad Hin­de­lang für un­zu­läs­sig er­klärt. Die Kam­mer hob mit der Ent­schei­dung vom Di­ens­tag die Ge­neh­mi­gung des Pro­jekts durch den Ober­all­gäu­er Land­rat An­ton Klotz (CSU) auf. Ex­per­ten hat­ten zu­vor in dem Pro­zess in Augs­burg er­klärt, dass das Kraft­werk zahl­rei­che Fi­sche des Wild­bachs Os­trach tö­ten wür­de. Für das Kraft­werk wä­re der Fluss auf 90 Me­tern Län­ge durch ei­ne Mau­er auf­ge­staut wor­den. Zu­dem hät­te ei­ne 1,3 Ki­lo­me­ter lan­ge Rohr­druck­lei­tung ge­baut wer­den müs­sen.

AUGS­BURG (mun/lby) - Das Augs­bur­ger Ver­wal­tungs­ge­richt hat am Di­ens­tag das seit Jah­ren um­strit­te­ne ge­plan­te Was­ser­kraft­werk Äl­pe­le an der Os­trach bei Bad Hin­de­lang-Hin­ter­stein für un­zu­läs­sig er­klärt. Die Kam­mer hob mit der Ent­schei­dung die Ge­neh­mi­gung des Pro­jekts bei Bad Hin­de­lang durch das Ober­all­gäu­er Land­rats­amt auf.

Die Augs­bur­ger Rich­ter ver­wie­sen auf ei­ne Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs (VGH), wo­nach ein Was­ser­kraft­werk an der Ram­sau­er Ache in den Berch­tes­ga­de­ner Al­pen eben­falls nicht zu­läs­sig ist. Die­ses Ur­teil von 2016 sei ei­ne „we­sent­li­che Wei­chen­stel­lung“auch für das Pro­jekt im All­gäu, mein­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter.

Fi­sche in töd­li­cher Ge­fahr

Das Ober­all­gäu­er Land­rats­amt hat­te das Pro­jekt ge­neh­migt, ob­wohl auch die Be­hör­de von ei­ner Ver­schlech­te­rung des Ge­wäs­ser­zu­stands aus­geht. Das In­ter­es­se am Aus­bau der re­ge­ne­ra­ti­ven Ener­gie sei aber hö­her zu ge­wich­ten. Die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on hat­te sich auch der Ober­all­gäu­er Kreis­tag mit kla­rer Mehr­heit an­ge­schlos­sen. Da­ge­gen hat­ten der Bund Na­tur­schutz (BN) und der Lan­des­bund für Vo­gel­schutz (LBV) ge­klagt. Der VGH in Mün­chen hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr ent­schie­den, dass ein über­ge­ord­ne­tes öf­fent­li­ches In­ter­es­se am Bau und Be­trieb ei­ner neu­en Was­ser­kraft­an­la­ge eher zu ver­nei­nen sei, wenn hier­durch in die Öko­lo­gie ei­nes Ge­wäs­sers er­heb­lich ein­ge­grif­fen wird.

Ex­per­ten hat­ten vor Ge­richt er­klärt, dass das Kraft­werk Fi­sche in der Os­trach tö­ten wür­de. Auch der Ver­tre­ter des Was­ser­wirt­schafts­amts äu­ßer­te sich mehr­fach ab­leh­nend über das Vor­ha­ben.

Das Kraft­werk hät­te nach An­sicht der Geg­ner mas­siv das Na­tur­denk­mal Ei­sen­bre­che be­ein­träch­tigt. Das ist ei­ne tie­fe Fels­schlucht, durch die die Os­trach fließt. Für das Kraft­werk wä­re der Wild­fluss auf ei­ner Län­ge von 90 Me­tern durch ei­ne fünf Me­ter ho­he Mau­er auf­ge­staut wor­den. Zu­dem hät­te ei­ne 1,3 Ki­lo­me­ter lan­ge Rohr­druck­lei­tung ge­baut wer­den müs­sen. Die Kraft­werks­pla­ner – dar­un­ter die Markt­ge­mein­de Bad Hin­de­lang – hat­ten ar­gu­men­tiert, die ge­plan­te An­la­ge kön­ne so viel Strom pro­du­zie­ren, wie 2700 Durch­schnitts­haus­hal­te ver­brau­chen. In ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on auf das Ur­teil sag­te der Ober­all­gäu­er Land­rat An­ton Klotz (CSU): „Das ist ei­ne Nie­der­la­ge für den Kli­ma­schutz.“Ihm tue es leid für die An­trag­stel­ler. Das Was­ser­kratft­werk wä­re „ei­ne Chan­ce ge­we­sen, ein gan­zes Tal re­ge­ne­ra­tiv zu ver­sor­gen“.

„Wir be­grü­ßen die Ent­schei­dung, dass Was­ser­kraft nicht au­to­ma­tisch Vor­rang ge­gen­über Na­tur- und Land­schafts­schutz ge­nießt“, kom­men­tier­te Nor­bert Sch­äf­fer, Vor­sit­zen­der des LBV, das Ur­teil. Die Os­trach blei­be so­mit als ei­ne der letz­ten na­tur­na­hen Al­pen­wild­fluss-Land­schaf­ten und da­mit als Le­bens­raum für vie­le ge­schütz­te Tier- und Pflan­zen­ar­ten er­hal­ten. „Wir hof­fen, dass mit die­sem Ur­teil auch ein Zei­chen ge­gen wei­te­re ge­plan­te Was­ser­kraft­wer­ke in Na­tur­schutz­ge­bie­ten ge­ge­ben wur­de“, er­klär­te BN-Chef Hu­bert Wei­ger.

Ent­täuscht von der Ent­schei­dung des Ge­richts zeig­te sich Oliver Braun, Ge­schäfts­füh­rer der Kraft­werks-Pla­nungs­ge­sell­schaft. Das Ge­richt ha­be ei­ner „Kleinst­fi­sch­art mehr Be­deu­tung ein­ge­räumt als dem Wunsch der Be­völ­ke­rung nach ei­ner Ener­gie­wen­de“, kri­ti­sier­te Braun. Die Ge­sell­schaft war­te jetzt die Ur­teils­be­grün­dung ab. Erst dann kön­ne man ent­schei­den, ob Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den.

AR­CHIV­FO­TO: HIEBLE

An der Os­trach im Hin­ter­stei­ner Tal bei Bad Hin­de­lang darf im Be­reich Ei­sen­bre­che kein Was­ser­kraft­werk ge­baut wer­den.

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