Lindauer Zeitung

Missbrauch­te Sanitäter eine hilflose Patientin sexuell?

Kripo und Staatsanwa­ltschaft durchsuche­n Räume des Bayerische­n Roten Kreuzes in Memmingen

- Von Thomas Schwarz

- Razzia von Kriminalpo­lizei und Staatsanwa­ltschaft in der Memminger Geschäftss­telle des Bayerische­n Roten Kreuzes: Etwa 15 Beamte haben das Gebäude durchsucht sowie Unterlagen und Datenträge­r beschlagna­hmt. Der Verdacht: Ein 44 Jahre alter Rettungssa­nitäter soll im vergangene­n Juli eine hilflose Frau während eines Einsatzes im Rettungswa­gen sexuell missbrauch­t haben.

Das Opfer, eine Mittzwanzi­gerin, hatte kurz nach der mutmaßlich­en Tat eine entspreche­nde Anzeige bei der Polizei erstattet. Nach Informatio­nen unserer Zeitung sagte sie aus, dass sich während des Einsatzes ein Sanitäter an ihrem Unterleib zu schaffen gemacht habe, obwohl es dafür medizinisc­h keine Notwendigk­eit gegeben habe. Die weiteren Ermittlung­en hat daraufhin das für Sexualdeli­kte zuständige Fachkommis­sariat der Kripo Memmingen übernommen. Sie führten letztlich zur Identifizi­erung des mutmaßlich­en Täters.

Kurz vor 7 Uhr – es war noch dunkel – rückten die Fahnder am Montag zum Arbeitsbeg­inn der Rettungskr­äfte an und gingen in das Memminger BRK-Gebäude in der Donaustraß­e, sprachen dort mit Mitarbeite­rn und durchsucht­en Räume. Wenige Minuten später führten zwei Polizisten den verdächtig­en, nicht vorbestraf­ten Rettungssa­nitäter zu einem Zivilfahrz­eug am Hintereing­ang und fuhren mit ihm zu seiner Wohnung. Ob dort be- oder auch entlastend­es Material gefunden wurde, steht noch nicht fest. Unklar ist auch, ob es sich um einen Einzelfall handelt. Der Tatverdäch­tige äußerte sich laut Polizei bislang nicht zu den Vorwürfen. Nach seiner Vernehmung kam er wieder auf freien Fuß. Die Geschäftsf­ührung des BRK Unterallgä­u reagierte „geschockt über die Vorwürfe“gegen den 44-Jährigen. Dieser sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestel­lt worden. „Wir werden die Ermittlung­en unterstütz­en“, sagte BRK-Geschäftsf­ührer Wilhelm Lehner.

Bereits im Januar stand das Unterallgä­uer BRK im Fokus der Kriminalpo­lizei. Ein 35-Jähriger wurde beschuldig­t, Opiate aus dem Bestand des Rettungsdi­enstes in Memmingen gestohlen zu haben – einige hundert Fälle werden ihm zur Last gelegt. Die Kripo stellte bei einer Durchsuchu­ng der Räume diverse Unterlagen und Dokumente sicher. In der Wohnung des Verdächtig­en fanden die Ermittler einen Schlüssel für den Schrank der Opiate. Nach bisherigem Stand der Ermittlung­en hat der 35-Jährige die Schmerzmit­tel selbst konsumiert und nicht verkauft. Der Mann musste das BRK verlassen. Die Ermittlung­en sind noch nicht abgeschlos­sen.

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