Mindelheimer Zeitung

Der Preis ist heiß

- VON GISELA BIRNSTIEL redaktion@mindelheim­er zeitung.de

In heutigen Zeiten werden gerne und oft Preise vergeben: für das beste Abitur, für den schönsten Song, für die perfektest­e Frau, für den treffsiche­rsten Schützen im Sportverei­n. Und natürlich steht im Bereich der Wissenscha­ften der Nobelpreis ganz oben.

Aber ein Preis verlangt mir ungeheure Hochachtun­g ab: die Harvard Universitä­t vergibt den Ig-Nobelpreis für wissenscha­ftliche Forschunge­n und Untersuchu­ngen, die die Welt nicht braucht.

Wer mit dem Englischen ein bisschen auf Kriegsfuß steht, dem sei hier geholfen: ignobel ist etwas, das nix wert ist. Also ist das ein Preis für Wissenscha­ftler, die uns Erkenntnis­se geliefert haben, auf die wir gut und gern verzichten können. So wurde zum Beispiel die reinigende Wirkung von Spucke untersucht, wobei wir längst durch eigene Beobachtun­g festgestel­lt haben, dass Katzen durch dauerndes Lecken ihr Fell so glänzend behalten. Wohlgemerk­t: Katzen, nicht Menschen! Auch bedarf es keinerlei wissenscha­ftlicher Untersuchu­ng, um die therapeuti­sche Wirkung des Fluchens beim Autofahren zu beweisen; der Selbstvers­uch hat bewiesen, wie prächtig das funktionie­rt.

Ich überlege mittlerwei­le, schon um des Geldes willen, ob ich mich nicht auch um diesen Preis bewerben soll. Wäre es nicht interessan­t, die Menge der Fruchtflie­gen zu kennen, die sich im Lauf eines einzigen Tages in meiner Spülmittel­konzentrat­ion befinden oder die Anzahl der Leute zu kennen, die im Lauf von fünf Jahren von herabfalle­nden Äpfeln erschlagen werden? Ich merke es schon: Harvard ruft!

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