Er hofft – ge­gen al­le Ver­nunft

In der Pa­ra­de-Rol­le als Phan­tom „Bourne“kämpft er wie­der ge­gen die ak­tu­el­len Pro­ble­me der Welt. Schaf­fen wir das wirk­lich? Das denkt Matt Da­mon

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wochenend Journal - In­ter­view: Patrick Heid­mann

In Ih­rem neu­en „Bourne“-Aben­teu­er steckt wie­der ei­ni­ges an Po­li­tik… Matt Da­mon: Die­ser Aspekt war in der Tat im­mer wich­tig, und si­cher­lich hat es auch des­we­gen ei­ne gan­ze Wei­le ge­dau­ert, bis wir wie­der ei­ne pas­sen­de Ge­schich­te hat­ten. Die ers­ten drei Fil­me spiel­ten ja letzt­lich noch in ei­ner voll­kom­men an­de­ren Zeit: Das war die Welt di­rekt nach dem 11. Sep­tem­ber, es ging um das Ame­ri­ka von Ge­or­ge W. Bush und den Krieg ge­gen den Ter­ror. Auch nun geht es uns wie­der dar­um, die Rea­li­tät ab­zu­bil­den, auch wenn wir na­tür­lich ei­ne fik­ti­ve, leicht über­höh­te Ver­si­on da­von zei­gen. Des­we­gen be­ginnt „Ja­son Bourne“an der grie­chisch-ma­ze­do­ni­schen Gren­ze, die von so vie­len Flüch­ten­den über­quert wird. Und des­we­gen zei­gen wir Pro­tes­te in At­hen. Über al­lem schwebt da­bei die Fra­ge von Pri­vat­sphä­re und Da­ten­schutz auf der ei­nen und glo­ba­ler Si­cher­heit auf der an­de­ren Sei­te. Das ist schließ­lich die ganz gro­ße De­bat­te un­se­rer Zeit.

Nut­zen Sie denn noch ein ganz nor­ma­les Mail-Pro­gramm oder ha­ben Sie auch Angst, ge­hackt zu wer­den? Da­mon: Nein, ich schrei­be na­tür­lich auch nach den Ent­hül­lun­gen von Snow­den und Co. wei­ter­hin Mails. Aber ich fürch­te, dass da nur ziem­lich lang­wei­li­ges Zeug drin­steht. Soll­te al­so je­mand mit­le­sen, dürf­te der re­la­tiv ent­täuscht sein. Mein Smart­pho­ne hat mich ge­nau­so im Griff wie schein­bar al­le an­de­ren Men­schen. Ich ha­be es stän­dig bei mir, mein gan­zes Le­ben hängt mehr oder we­ni­ger dran. Ich brau­che es für mei­nen Ar­beits­all­tag ge­nau­so wie um mit mei­nen Kin­dern in Kon­takt zu blei­ben, wenn ich nicht zu­hau­se bin. Fern­hal­ten tue ich mich nur von So­ci­al Me­dia. Auf Twit­ter oder Face­book sucht man mich des­we­gen bis heu­te ver­geb­lich.

Sie sind kein Schwarz­ma­ler... Da­mon: Ei­gent­lich wür­de ich mich als Op­ti­mis­ten be­zeich­nen. Ge­ra­de wenn es dar­um geht, was uns als Mensch­heit er­war­tet. In den letz­ten paar hun­dert Jah­ren hat sich die Le­bens­qua­li­tät der Men­schen ja im­mer wei­ter ge­stei­gert, und ich set­ze dar­auf, dass neue Tech­no­lo­gi­en die­sen Trend noch wei­ter fort­set­zen. Aber na­tür­lich ha­be ich kei­ne Ah­nung. Ge­nau­so gut kann es auch sein, dass un­se­re Zu­kunft die reins­te Höl­le wird. Na­tür­lich bleibt mir nicht ver­bor­gen, dass es mehr als ge­nug gu­te Grün­de gibt, pes­si­mis­tisch in die Zu­kunft zu bli­cken. Im­mer klei­ne­re Grup­pen von Men­schen kön­nen im- mer grö­ße­ren Scha­den an­rich­ten. Dank der mo­der­nen Tech­nik braucht man kein rie­si­ges Heer mehr, um Krie­ge zu ge­win­nen. Aber ich bin ein­fach von Na­tur aus ein hoff­nungs­vol­ler Mensch, dar­an kön­nen auch die Ver­nunft und schlech­te Er­fah­run­gen nichts än­dern.

Als Va­ter von vier Töch­tern kann man sich ver­mut­lich gar nicht er­lau­ben, Tr­üb­sal zu bla­sen, oder? Da­mon: Be­vor mei­ne Frau und ich un­se­re Fa­mi­lie ge­grün­det ha­ben, ha­be ich wirk­lich viel dar­über nach­ge­dacht, ob ich Kin­der in die­se Welt set­zen will. Letzt­lich ha­be ich mich da­für ent­schie­den, wie je­der weiß. Denn ich bin über­zeugt da­von, dass es uns ge­lin­gen wird, ih­nen ei­ne po­si­ti­ve Zu­kunft zu bie­ten. Und es gibt auch ge­nug Er­he­bun­gen dar­über, dass sich un­se­re Ge­sell­schaft in vie­len Aspek­ten in die rich­ti­ge Rich­tung ent­wi­ckelt.

Bli­cken Sie so po­si­tiv auch auf das Al­ter? Die kör­per­li­chen An­for­de­run­gen in „Ja­son Bourne“fie­len Ih­nen si­cher­lich nicht mehr so leicht wie beim ers­ten Teil vor rund 15 Jah­ren… Da­mon: Was für ei­ne Fra­ge! Na­tür­lich, schließ­lich war ich da­mals noch kei­ne 30! Heu­te bin ich 45 Jah­re alt, und selbst­ver­ständ­lich hat mein Kör­per mit dem Al­ter zu kämp­fen. Wä­re ja selt­sam wenn nicht…

Aber war­um Sie sich sol­che Stra­pa­zen über­haupt noch an? Da­mon: Die Mo­ti­va­ti­on kann ich – vor al­lem in die­sem Fall – ganz leicht er­klä­ren. Bei Ja­son Bourne war ein­fach klar, dass die­ser Mann nach zehn Jah­ren im Un­ter­grund und auf der Flucht na­tür­lich nicht aus­se­hen kann, als hät­te er es sich gut ge­hen las­sen. Au­then­ti­zi­tät wur­de bei den „Bourne“-Fil­men schließ­lich im­mer groß ge­schrie­ben. Al­so hieß es für mich: run­ter mit den Pfun­den – und ab ins Gym.

Wür­den Sie nicht manch­mal lie­ber nur zu­hau­se bei der Fa­mi­lie sein und die Schau­spie­le­rei auf­ge­ben? Da­mon: Hm, ich lie­be es Fil­me zu ma­chen, das steht au­ßer Fra­ge. Und ich wür­de wirk­lich sehr ger­ne bald ein­mal selbst Re­gie füh­ren. Nicht zu­letzt des­we­gen kann ich mir durch­aus vor­stel­len, dass ir­gend­wann die Zeit kommt, in der ich nicht mehr die gan­ze Zeit vor der Ka­me­ra ste­hen will. Mir fällt da im­mer Cl­int East­wood ein, der mal zu mir sag­te: Ich hat­te ir­gend­wann ein­fach die Schnau­ze voll, stän­dig mei­ne ei­ge­ne Vi­sa­ge zu se­hen.

Cl­int East­wood ist al­so Ihr Vor­bild? Da­mon: Könn­te man viel­leicht so sa­gen. Er spielt ja bis heu­te noch hin und wie­der in Fil­men mit, doch vor al­lem in­sze­niert und pro­du­ziert er. Das ge­fällt mir. Ich bren­ne für die Ar­beit hin­ter der Ka­me­ra, auf die könn­te ich nie ver­zich­ten. Aber was das Spie­len an­geht, könn­te ich mir durch­aus vor­stel­len kürz­er­zu­tre­ten.

Für „Ja­son Bourne“wa­ren Sie wie­der mal in Ber­lin. Sie ha­ben ei­nen be­son­de­ren Be­zug zu der Stadt, nicht wahr? Da­mon: Ab­so­lut. Für „Die Bourne Ver­schwö­rung“, un­se­ren zwei­ten Film, ha­be ich da­mals ja ei­ne gan­ze Wei­le in Ber­lin ge­lebt, fast fünf Mo­na­te lang. Auch beim drit­ten Teil ha­ben wir wie­der hier ge­dreht, Cloo­neys „Mo­nu­ments Men“spä­ter auch, und zur Ber­li­na­le war ich auch öf­ter vor Ort. Ich lie­be die Stadt und füh­le mich hier wirk­lich pu­del­wohl. Noch in 50 Jah­ren wer­den die Leu­te dar­über spre­chen, wie auf­re­gend es in Ber­lin zu Be­ginn des neu­en Jahr­tau­sends war. Da bin ich mir si­cher. Denn nir­gends pas­siert mehr, nir­gends ist es le­ben­di­ger als hier!

Wer­den wir Bourne ein wei­te­res Mal wie­der­se­hen? Da­mon: Mal se­hen. Erst mal gu­cken, wie die­ser Film an­kommt, dann se­hen wir wei­ter. Ich bin mir si­cher, dass Paul Gre­en­grass jetzt erst ein­mal wie­der ein oder zwei ganz an­de­re Ge­schich­ten er­zäh­len will. Aber wer weiß, ob Ja­son Bourne da­nach nicht doch wie­der ge­braucht wird, um die Welt vor ei­nem Prä­si­den­ten Trump zu ret­ten. Glau­ben Sie, der könn­te wirk­lich Prä­si­dent wer­den? Da­mon: Die Sor­ge ha­be ich durch­aus. Nach­dem die Bri­ten nun für den Br­ex­it ge­stimmt ha­ben, hal­te ich end­gül­tig al­les für mög­lich. Das war näm­lich ein rich­ti­ger Schock, da­mit hat­te ich trotz der knap­pen Um­fra­gen im Vor­feld nicht wirk­lich ge­rech­net. Doch da­durch wird Trumps po­li­ti­scher Auf­stieg jetzt um­so greif­ba­rer. Denn die Wut und die Angst, die Wäh­ler schein­bar um­trei­ben, sind über­all auf der Welt gleich. Vor ei­nem Jahr hät­te das noch nie­mand ge­sagt, doch mitt­ler­wei­le hal­te ich ei­nen Prä­si­den­ten Trump für ein voll­kom­men rea­lis­ti­sches Sze­na­rio.

Sei­ne Kar­rie­re 45 ist er jetzt, Va­ter von vier Töch­tern – und seit „Good Will Hun­ting“(Fo­to) vor 20 Jah­ren ein Star. Für den Film hat­te Matt Da­mon, Sohn ei­nes Bör­sen­mak­lers und ei­ner Pro­fes­so­rin, da­mals ei­nen Os­car be­kom­men, als Dreh­buch­au­tor, mit Kum­pel Ben Af­f­leck. Ne­ben sei­nen vie­len Rol­len (von „Der ta­len­tier­te Mr. Ri­pley, der „Oce­an’s“und „Bourne“-Se­rie bis zu „Der Mar­sia­ner“) macht Da­mon al­les in Sa­chen Film – wie bei „Pro­mi­sed Land“2012. Er ist seit zehn Jah­ren mit Lu­cia­na Bar­ro­so ver­hei­ra­tet, die er beim Dreh zu „Un­zer­trenn­lich“ken­nen­lern­te.

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