Wo bleibt die Olym­pia­S­tim­mung?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 - VON SE­BAS­TI­AN KAPP sport@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de VON PE­TER DEININGER

Als die Er­öff­nungs­fei­er fast vor­bei war und das olym­pi­sche Feu­er be­reits brann­te, pack­te es ARD-Kom­men­ta­tor Tom Bar­tels dann doch noch ein­mal kurz: „Die Spie­le sol­len nicht per­fekt wer­den, son­dern bra­si­lia­nisch“, sagt er plötz­lich und fiel da­bei sei­nem Kol­le­gen Ralf Scholt fast ins Wort. Es klang fast wie ein Ap­pell von Bar­tels, der schon das WM-Fi­na­le 2014 („Mach ihn, mach ihn, er macht ihn“) kom­men­tier­te, sich end­lich auf Olym­pia ein­zu­las­sen.

Denn was wir bis da­hin zu se­hen und vor al­lem zu hö­ren be­ka­men, war eher de­pri­mie­rend denn eu­pho­risch. Do­ping, Kor­rup­ti­on, Um­welt­sün­den – die Skan­da­le über­schat­ten das Tref­fen der Ju­gend der Welt. Die ARD hat­te mit ih­rem Be­richt über das Staats­do­ping in Russ­land ei­nen wich­ti­gen, wenn­gleich not­wen­di­gen Bei­trag ge­leis­tet. Nur stellt das die Mo­de­ra­to­ren auch vor Her­aus­for­de­run­gen. Da steht dann Alex­an­der Bom­mes et­was hilf­los vor der Ka­me­ra und fragt: „Wie sol­len wir das hier an­ge­hen“? Und Schwimm-Ex­per­tin Franziska van Alm­sick ver­kün­det, ih­ren Kin­dern von ei­ner Kar­rie­re als Spit­zen­sport­ler in die­sen Zei­ten des Do­pings nur ab­ra­ten zu kön­nen. Die Wor­te stam­men von ei­ner Frau, die über­haupt erst durch die Olym­pi­schen Spie­le 1992 in Deutsch­land be­kannt wur­de.

Über li­ni­en­treue Be­richt­er­stat­tung darf sich nie­mand be­schwe­ren. Bei­spiel: Der Vor­be­richt zur Olym­pia-Er­öff­nungs­fei­er. Da folg­te auf den Bei­trag über das Do­ping in Russ­land das Por­trät über die neu­en Sport­ar­ten – nicht oh­ne das Feh­len zahl­rei­cher Top-Gol­fer zu the­ma­ti­sie­ren. Dann folg­te ein Schwenk zu den Au­ßen­ein­drü­cken am Ma­ra­ca­na-Sta­di­on, wo De­mons­tran­ten und Po­li­zei auf­mar­schier­ten. Bil­der, die das IOC si­cher­lich nicht ger­ne sieht.

Und die Hor­ror­mel­dun­gen rei­ßen nicht ab. ARD und ZDF ha­ben ei­ne ei­ge­ne „Do­ping-Re­dak­ti­on“ein­ge­rich­tet – und die hat der­art viel zu tun, dass die Olym­pi­schen Spie­le selbst in­fra­ge ge­stellt wer­den. Ke­nia­ni­sche Funk­tio­nä­re wur­den beim Be­ste­chen über­führt und auch das Gast­ge­ber­land Bra­si­li­en nimmt es mit den Do­ping-Kon­trol­len nicht ganz ge­nau.

Blei­ben in die­sen har­ten Zei­ten die Sport­ler auf der Stre­cke? Zu­min­dest be­mü­hen sich ARD und ZDF um Aus­gleich. Gol­fer Mar­tin Kay­mer darf vom olym­pi­schen Ge­dan­ken träu­men – ob­wohl oder ge­ra­de weil so vie­le Top-Gol­fer dem Tur­nier fern­blei­ben. Und es gibt die Bil­der des Flücht­lings­teams um die Sy­re­rin und Neu-Ber­li­ne­rin Yus­ra Mar­di­ni, die dem Olym­pia­Fan den Glau­ben dar­an zu­rück­ge­ben, dass der olym­pi­sche Ge­dan­ke des „Da­bei sein ist al­les“noch lebt. Da mag man auch den ein oder an­de­ren me­dia­len Faux­pas ver­zei­hen, et­wa wenn die Fast-Bron­ze­schüt­zin Bar­ba­ra En­g­le­der mal schnell zu Bar­ba­ra En­g­län­der wird. We­nigs­tens geht es dann um die Sport­ler. Frei nach dem Bar­tel­sMot­to „nicht per­fekt, son­dern bra­si­lia­nisch“. Rio de Janei­ro Die Ja­pa­ne­rin­nen ge­ben ihr Bes­tes. Ver­zwei­felt ver­su­chen sie, Schritt zu hal­ten mit der Num­mer sie­ben im Team von Groß­bri­tan­ni­en. Aber Hea­ther Fis­her ist nicht nur ei­nen Kopf grö­ßer, son­dern auch aus ei­ner an­de­ren mus­ku­lä­ren Ge­wichts­klas­se. Wie ein hei­ßes Mes­ser durch ein Stück But­ter glei­tet sie durch die Nip­ponAb­wehr und legt den ei­för­mi­gen Ball hin­ter der Li­nie ab. Fünf wei­te­re Punk­te für Groß­bri­tan­ni­en. Am En­de steht es 40:0 – die Rug­by­welt bei den Olym­pi­schen Spie­len ist zwei­ge­teilt.

Da sind Mann­schaf­ten wie Groß­bri­tan­ni­en, Aus­tra­li­en, USA oder Ka­na­da, bei de­nen der Ball wie bei ei­nem Staf­fel­lauf ziel­si­cher von Hand zu Hand wan­dert, und da gibt es Teams, die dem au­ßer gu­ten Wil­len nichts ent­ge­gen­zu­set­zen ha­ben. Gast­ge­ber Bra­si­li­en, Ja­pan, Ko­lum­bi­en oder Ke­nia sind nur Spar­rings­part­ner in der Welt des weib­li­chen

Fo­to: dpa

Chan­cen­los wa­ren die Ke­nia­ne­rin­nen, die hier die Fran­zö­sin Ca­ro­li­ne La­da­gnous zu stop­pen ver­su­chen. Frank­reich be­sieg­te Ke­nia mit 40:7.

Fo­to: Va­le­ria Wit­ters

Ralf Scholt (links) und Tom Bar­tels vor der Er­öff­nungs­fei­er.

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