Ei­ne ziem­lich ir­re Fahrt

Be­trun­ke­ner Mann rast durch In­gol­stadt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern - VON STE­FAN KÜP­PER

In­gol­stadt Es ist noch kei­ne zehn Uhr an die­sem Mor­gen des 30. April 2015, aber pas­siert ist schon so ei­ni­ges: Ein 51-jäh­ri­ger Nie­der­bay­er hat sich ge­ra­de ei­ne ziem­lich ir­re Ver­fol­gungs­jagd durch ein In­gol­stadt im Be­rufs­ver­kehr ge­lie­fert. Er hat zwei Po­li­zei­au­tos ge­rammt, ei­ne Sper­re um­fah­ren. Er war da­bei mit teil­wei­se 100 Sa­chen un­ter­wegs. Er hat sich bei der Fest­nah­me ge­wehrt und ei­nen Be­am­ten ver­letzt. Er hat­te, das er­gab der Test, in der Nacht zu­vor 1,65 Pro­mil­le ge­tankt. Und zwar in ei­nem, nun ja, ein­schlä­gi­gen Eta­blis­se­ment. Die Kre­dit­kar­ten­rech­nung ha­be 600 Eu­ro be­tra­gen. So sag­te es der An­ge­klag­te ges­tern Rich­ter Tho­mas Denz. Die ers­te Er­in­ne­rung, die er an je­nen Mor­gen ha­be, sei­en die Schu­he der Po­li­zis­ten, die er sah, als sie ihn schließ­lich am Bo­den fi­xiert hat­ten.

Der Mann wur­de ges­tern am Land­ge­richt In­gol­stadt frei­ge­spro­chen. Ob­wohl er wie ei­ne „ge­seng­te Sau“ge­fah­ren sei, wie es der Rich­ter auf gut baye­risch sag­te. Denn der sehr reu­mü­tig, recht ver­drieß­lich, aber voll­kom­men freund­lich und zi­vi­li­siert auf der An­kla­ge­bank sit­zen­de Mann lei­det un­ter ei­ner „bi­po­la­ren, af­fek­ti­ven Stö­rung“. Er ist krank und hat­te zum Tat­zeit­punkt ei­nen ma­ni­schen Schub. Nicht schuld­fä­hig al­so.

Denz ließ ihn aber in ein psych­ia­tri­sches Kran­ken­haus ein­wei­sen. Al­ler­dings wur­de die Ein­wei­sung zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt. Denn der Mann ist in­zwi­schen re­gel­mä­ßig in Be­hand­lung und führt nach­weis­lich ein ge­re­gel­tes Le­ben.

Soll­te der Be­wäh­rungs­hel­fer be­mer­ken, dass er sei­ne Me­di­ka­men­te nicht nimmt, droht die dau­er­haf­te Ein­wei­sung in die Psych­ia­trie. Füh­rungs­auf­sicht: fünf Jah­re. Ver­tei­di­ger Her­mann Ham­mer­mai­er sag­te, sein Man­dant brau­che die­sen Druck. Er kennt ihn schon län­ger – ge­nau­so wie des­sen aus­führ­li­chen Ein­trag im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter (Straf­ta­ten im­mer wäh­rend der Krank­heits­schü­be). Er hat­te, ge­nau wie zu­vor schon Staats­an­walt Ger­hard Rei­cherl, auf Frei­spruch plä­diert. Das Ur­teil ist rechts­kräf­tig.

„Ge­fah­ren wie ei­ne ge­seng­te Sau“

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