Spa­ghet­ti al­la Po­li­zia

Ein al­tes Ehe­paar in Rom war ver­zwei­felt vor Ein­sam­keit. Po­li­zis­ten hel­fen mit ei­nem be­son­de­ren Re­zept

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON JENS NOLL

Augs­burg Es ist ei­ne rüh­ren­de Ge­schich­te über Men­sch­lich­keit und Wär­me, die die Po­li­zei in Rom vor ei­ni­gen Ta­gen auf Face­book er­zählt hat. Um ein ein­sa­mes, al­tes Ehe­paar zu trös­ten, ha­ben Be­am­te Spa­ghet­ti für die bei­den ge­kocht. Der Ein­satz im schwülhei­ßen Rom, in dem zur Fe­ri­en­zeit kaum Ein­hei­mi­sche an­zu­tref­fen sind, ist zwar schon ei­ne Wo­che her, ver­zückt aber noch im­mer die Nut­zer des Netz­werks.

Be­sorg­te An­woh­ner rie­fen an die­sem Tag die Po­li­zei, weil sie Wei­nen und Schreie aus der Woh­nung von Mi­che­le, 94, und Jo­le, 89, ge­hört hat­ten. War das al­te Ehe­paar, das seit 70 Jah­ren ver­hei­ra­tet sein soll, Op­fer von Die­ben oder Trick­be­trü­gern ge­wor­den? We­der noch. „Es war kein Le­ben zu ret­ten“, teil­te die Po­li­zei mit. „Es wa­ren nur zwei See­len zu be­ru­hi­gen.“

Schnell er­kann­ten die Be­am­ten nach ei­ge­nen An­ga­ben, dass es nur ein we­nig mensch­li­cher Wär­me be­durf­te, um Mi­che­le und Jo­le zu trös­ten. So leis­te­ten die Po­li­zis­ten den bei­den Ge­sell­schaft und koch­ten Spa­ghet­ti mit But­ter und Kä­se. An­drea stand dem Be­richt zu­fol­ge am Herd, Ales­san­dro, Er­nes­to und Mir­ko ha­ben das be­tag­te Paar un­ter­hal­ten und auf­ge­mun­tert. Auf Face­book sind zwei Fo­tos aus der Kü­che der Se­nio­ren zu se­hen. Bei der Po­li­zei hieß es ver­ständ­nis­voll: Wenn so­gar die Nach­barn in den Ur­laub ab­ge­reist sind, dann kann man sich schon ein­sam füh­len.

Welt­weit ha­ben Nut­zer des On­li­ne-Netz­werks den au­ßer­ge­wöhn­li­chen Ein­satz­be­richt aus der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt ge­le­sen und den „Ge­fällt mir“-But­ton an­ge­klickt. 73000 „Li­kes“be­kam der Ein­trag bis Mitt­woch, 26000 Mal wur­de er ge­teilt. Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge er­hält die Po­li­zei in Rom zahl­rei­che Zu­schrif­ten, seit sie die Ge­schich­te ver­öf­fent­licht hat. Dem­nach ha­ben sich schon vie­le Men­schen ge­mel­det, die das Paar be­su­chen und sei­ne Ein­sam­keit lin­dern wol­len.

Der viel zi­tier­te Freund und Hel­fer zu sein statt Di­enst nach Vor­schrift zu ma­chen: Das kommt nach Aus­kunft von Tho­mas Rie­ger, Spre­cher des Po­li­zei­prä­si­di­ums Schwa­ben Nord in Augs­burg, auch hier­zu­lan­de im­mer wie­der vor. „Wir sind mensch­lich, wo es eben geht“, sagt Rie­ger und er­zählt von ei­nem Be­am­ten, der ei­nem Be­dürf­ti­gen neu­lich ei­ne Brot­zeit kauf­te. Ei­ne Ge­schich­te wie die aus Rom ist Rie­ger al­ler­dings nicht be­kannt. (mit dpa)

Fo­to: AZ-Screen­shot/Face­book

Die Po­li­zei in Rom zeig­te sich ver­gan­ge­ne Wo­che wahr­lich als Freund und Hel­fer – und trös­te­te ein ein­sa­mes Ehe­paar mit Spa­ghet­ti.

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