Ai­g­ner pad­delt an Me­dail­le vor­bei

Nächs­ter Rück­schlag für die Ka­nu­ten: Ka­jak­fah­rer aus Augs­burg wird Vier­ter. Drei Hun­derts­tel­se­kun­den feh­len zu Bron­ze. Nun wird es schwer, die Vor­ga­be zu schaf­fen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEININGER

Rio Die Olym­pia­stadt zeigt sich am Mitt­woch von ih­rer küh­len Sei­te, im Wild­was­ser Sta­di­on von Deo­do­ro geht es aber heiß zur Sa­che. Ka­jakEi­ner ist die For­mel 1 im Ka­nu­sla­lom – mit den schnells­ten Fahr­zei­ten und meist sehr ge­rin­gen Ab­stän­den. Han­nes Ai­g­ner vom Augs­bur­ger Ka­jak­ver­ein kennt das olym­pi­sche Ner­ven­spiel. 2012 ist der BWL-Stu­dent auf Rang drei ge­rauscht. Den Start­platz für Rio konn­te ihm auch Peking-Olym­pia­sie­ger Alex­an­der Grimm (Schwa­ben Augs­burg) nicht strei­tig ma­chen.

Jetzt sitzt Ai­g­ner in sei­nem Boot und fährt lang­sam auf den ers­ten Ab­fall zu. Zehn Fah­rer, 24 To­re, knapp 90 Se­kun­den bis zu Tri­umph oder Ent­täu­schung. Für ei­nen, der sich auf schwers­tem Wild­was­ser zu­recht­fin­det, sind die Wal­zen in Deo­do­ro kein Pro­blem. Doch wer ge­win­nen will, muss ei­ne ra­di­ka­le Li­nie wäh­len – im­mer in dem Be- dass nur ein klei­ner Pat­zer ei­nen Spit­zen­platz ver­hin­dern kann. Ai­g­ner greift an, dreht sich teil­wei­se ar­tis­tisch um die Tor­stä­be und stellt ei­ne Best­zeit auf: 89.02 Se­kun­den. Stolz zeigt er im Ziel sei­ne im­po­san­ten Ober­arm­mus­keln.

Aber sein Na­me wird nicht lan­ge auf Po­si­ti­on eins ge­führt. Der Bri­te Jo­seph Clark (88,53), der Slo­we­ne Pe­ter Kau­zer (88,70) und der Tsche­che Ji­ri Prs­ka­vec (88,99) le­gen noch schnel­le­re Zei­ten vor. Am En­de ist der Augs­bur­ger ge­nau drei Hun­derts­tel­se­kun­den von ei­ner wei­te­ren Bron­ze­me­dail­le ent­fernt.

„Ich kann mir nichts vor­wer­fen. Es war kein to­ta­ler Pat­zer da­bei. Ich ha­be nichts ver­saut, die an­de­ren wa­ren ein­fach ei­nen Tick schnel­ler. Als ich im Ziel war, ha­be ich schon ge­dacht, dass es für ei­ne Me­dail­le rei­chen könn­te. Dass es dann mit die­sem knap­pen Ab­stand nur zum vier­ten Platz reicht, ist na­tür­lich är­ger­lich. Aber ich ha­be mein Bes­tes ge­ge­ben“, spricht er in der Mi­xed- Zo­ne in die Mi­kro­fo­ne. Ka­jak-Bun­des­trai­ner Tho­mas Apel steht ei­ni­ge Me­ter da­ne­ben und ist emo­tio­nal sicht­lich mit­ge­nom­men. „Mein Plan war 88,70 Se­kun­den. Da sind wir um drei Zehn­tel vor­bei­ge­fah­ren.“

Ai­g­ner hat­te sich als Sechs­ter im Halb­fi­na­le für den End­lauf qua­li­fi­ziert. „So wie sich das Ren­nen am An­fang ent­wi­ckelt hat, ent­schie­den wir uns für die si­che­re Va­ri­an­te“, er­klär­te Apel. Da sich ei­ni­ge Teil­neh­mer gro­be Feh­ler leis­te­ten, konn­te der Augs­bur­ger das Ri­si­ko do­sie­ren. Der Slo­wa­ke Ja­kub Gri­gar war über drei Se­kun­den schnel­ler. Er wä­re so­gar Olym­pia­sie­ger ge­we­sen, wenn sich die Wet­ter­ver­hält­nis­se wei­ter ver­schlech­tert hät­ten. Bei ei­nem Ab­bruch hät­te das Halb­fi­na­le als En­d­er­geb­nis ge­zählt.

Doch der Wind lässt nach, es reg­net nur leicht, die Be­din­gun­gen sind re­gu­lär. Freun­din St­ef­fi und sei­ne El­tern se­hen als Zu­schau­er auf der Tri­bü­ne ei­nen wei­te­ren Auf­tritt des AKV-Padd­lers. „Ich hat­te wäh­wusst­sein, rend der Fahrt ein gu­tes Ge­fühl, nur im Ziel wa­ren die Ar­me doch ein we­nig blau. Da hät­te ich im Nach­hin­ein viel­leicht noch was bes­ser ma­chen kön­nen.“Die von Ca­na­di­er­fah­rer Si­de­ris Ta­sia­dis (Rang fünf) an­ge­sto­ße­ne Dis­kus­si­on, wo­nach die Vor­ga­ben des Deut­schen Ka­nu Ver­ban­des (Zwei Me­dail­len) den Druck auf die Sport­ler zu­sätz­lich er­höht hät­ten, in­ter­es­siert Ai­g­ner nicht. „Es ist mir egal, was an­de­re sa­gen. Ich ha­be trai­niert und muss für mich selbst die Leis­tung ab­ru­fen. Wenn ei­ner an­de­rer sagt, ich muss das ma­chen, dann soll­te er es viel­leicht selbst ver­su­chen.“

Zum Ab­schluss der olym­pi­schen Ka­nu­sla­lom­wett­be­wer­be gibt es am heu­ti­gen Don­ners­tag Ent­schei­dun­gen in zwei Dis­zi­pli­nen. Im Ca­na­di­er-Zwei­er schickt Deutsch­land die Leip­zi­ger Welt­meis­ter Franz An­ton und Jan Ben­zi­en ins Ren­nen, im Ka­jak hat sich die Augs­bur­ger Eu­ro­pa­meis­te­rin Me­la­nie Pfei­fer für das Halb­fi­na­le qua­li­fi­ziert.

Fo­to: Wit­ters

Vol­ler Ein­satz im wil­den Was­ser: Ka­jak­fah­rer Han­nes Ai­g­ner leg­te ei­nen gu­ten Fi­nal­lauf hin, doch es reich­te für den Augs­bur­ger die­ses Mal nicht für ei­ne Me­dail­le.

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