„Es wird Zeit, dass ich ab­tre­te“

Zum Ab­schluss sei­ner Kar­rie­re schwamm Paul Bie­der­mann mit der Frei­stil-Staf­fel auf Platz sechs. Jetzt will er die Freu­den des „nor­ma­len“Le­bens ge­nie­ßen, zum Bei­spiel aus­schla­fen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Wie be­wer­ten Sie das letz­te Ren­nen ih­rer Kar­rie­re und die Trä­nen Ih­rer Staf­fel­kol­le­gen? Paul Bie­der­mann: Das ist ei­ne sehr emo­tio­na­le Sa­che. Wir ha­ben zwei Jah­re zu­sam­men ge­kämpft, wir sind gu­te Freun­de ge­wor­den. Das ist jetzt trau­rig, aber wir ha­ben ge­kämpft, wir ha­ben nicht auf­ge­ge­ben. Und das war das, was für mich wich­tig war. Ich bin stolz auf die Jungs und das ist das, was ich mit­neh­me.

Und was kön­nen Sie ih­nen um­ge­kehrt mit­ge­ben? Bie­der­mann: Ich hof­fe, ei­ni­ges: Trai­nings­fleiß, Zu­sam­men­hal­ten. Ich bin ja nicht aus der Welt, ich hö­re nur auf mit Schwim­men. (lacht) Wenn es ge­wünscht ist, wer­de ich mit Rat und Tat zur Sei­te ste­hen.

Woran denkt man bei al­ler sport­li­chen Ent­täu­schung kurz nach dem letz­ten Ren­nen? Bie­der­mann: Ich bin nicht ent­täuscht. Es war das letz­te Ren­nen, ich ha­be noch mal ei­nen Welt­re­kord mit­er­lebt, es war tol­le Stim­mung. Die­ser Ab­schluss mit der Krau­lStaf­fel über 4 x 200 Me­ter ist für mich okay. Ich bin so weit mit mir im Rei­nen, dass ich sa­ge: Das war jetzt mei­ne Schwimm­kar­rie­re, ich durf­te viel er­le­ben. Die Olym­pia­me­dail­le wird ein Traum blei­ben, aber dann ist es so.

Was geht ei­nem durch den Kopf, wenn man das letz­te Mal auf dem Start­block steht? Bie­der­mann: Nichts. Ich war fo­kus­siert, ich woll­te mei­nen Staf­fel­wech­sel rich­tig ma­chen, bloß kei­ne Dis­qua­li­fi­ka­ti­on. Ich woll­te noch mal ein schnel­les Ren­nen schwim­men, noch mal ne­ben Micha­el Phelps. Das hat al­les ge­passt. Im Nach­hin­ein ist es ein­fach schön ge­we­sen.

Wie se­hen Sie die Leis­tung von Micha­el Phelps, der auch in Rio wie­der sei­ne Ex­t­ra­klas­se de­mons­triert? Bie­der­mann: Sei­ne Leis­tung über 200 Me­ter Schmet­ter­ling und in den Kraul-Staf­feln, das war je­weils ei­ne su­per Leis­tung. Micha­el Phelps halt. Der Bes­te. Punkt.

Der Bes­te über den Schwimm­sport hin­aus, grö­ßer als Usain Bolt oder an­de­re? Bie­der­mann: Ja, doch. Durch sei­ne Come­back-Qua­li­tä­ten, wie er hier ab­ge­schnit­ten hat, wie er sich zu­rück­ge­kämpft hat. Das ist ein­ma­lig. Da feh­len mir die Wor­te, wie er das ge­macht, was er da im Trai­ning ge­leis­tet ha­ben muss. Das ist so et­was Be­son­de­res, das kann ich gar nicht grei­fen. Was wird dem Schwimm­sport feh­len oh­ne Paul Bie­der­mann? Bie­der­mann: Gar nichts. Ich fin­de, wir ha­ben tol­le Ta­len­te, wir sind auf dem rich­ti­gen Weg. Ich glau­be nicht, dass dem Schwimm­sport et­was feh­len wird. Es wird Zeit, dass ich ab­tre­te, dass die Leu­te raus­kom­men und sel­ber ins Licht tre­ten. Manch­mal ist es gar nicht so schlecht, wenn da mal ei­ner geht, dass Platz ist für die an­de­ren, die nach­kom­men.

Die Staf­fel-Jungs ha­ben ein paar Trä­nen ver­gos­sen. Wie neh­men Sie das auf? Bie­der­mann: Das be­rührt mich und es zeigt mir ein­fach, wie wich­tig das auch für die Jungs war. Ich wer­de Ih­nen nie ei­nen Vor­wurf ma­chen. Ich weiß, dass sie ihr Bes­tes ge­ge­ben ha­ben. Es war heu­te nicht mehr drin. Das ist okay für mich.

Wor­auf freu­en Sie sich am meis­ten nach dem Le­ben als Hoch­leis­tungs­sport­ler? Bie­der­mann: Ich freue mich dar­auf, nicht mehr trai­nie­ren zu müs­sen, nicht mehr so früh auf­ste­hen zu müs­sen. Und auf die Frei­hei­ten, die ich mir sel­ber weg­ge­nom­men ha­be, weil ich den Sport pro­fes­sio­nell ma­chen woll­te. (dpa)

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