Li­sa Un­ruh ist die Ers­te

Die Bo­gen­schüt­zin ge­winnt Sil­ber und schafft da­mit ei­ne Pre­mie­re: Noch nie gab es ei­ne Ein­zel­me­dail­le für Deutsch­land

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Schon vor dem Gol­dFi­na­le um­arm­te Bo­gen­schüt­zin Li­sa Un­ruh freu­de­strah­lend ih­ren Trai­ner. Die Ber­li­ne­rin hat­te bei Olym­pia den deut­schen Bo­gen­schüt­zen ge­ra­de ih­ren größ­ten Ein­zel-Er­folg be­schert. Denn noch nie gab es ei­ne Ein­zel­me­dail­le. Und nun kämpf­te die 28-Jäh­ri­ge im Fi­na­le um den Olym­pia­sieg ge­gen die Süd­ko­rea­ne­rin Chang Hey­jin. Auch wenn sie das Fi­na­le ih­res Le­bens mit 2:6 ver­lor, war sie über­glück­lich.

„Das hät­te ich mir nicht träu­men las­sen. Das ist der größ­te Mo­ment in mei­nem Le­ben“, sag­te sie. Spä­ter bei der Sie­ger­eh­rung schau­te die Hal­len-Welt­meis­te­rin im­mer wie­der strah­lend auf ih­re Sil­ber-Me­dail­le. Sie wun­der­te sich noch im­mer ein we­nig über ih­ren Coup: „Mein Ziel war es un­ter die Top Ten zu kom­men.“Das ge­lang ihr ganz pri­ma – nun wünscht sie sich ei­nen Schub für ih­ren Sport: „Ich hof­fe, dass jetzt vie­le Kin­der mit dem Bo­gen­schie­ßen an­fan­gen.“

Zu­vor hat­te sie es dort, wo sonst der Kar­ne­val durch Ri­os Stra­ßen zieht, im Sam­bo­dro­mo so rich­tig kra­chen – auch wenn es zum ganz gro­ßen Wurf nicht reich­te. Mit ih­rem bei­gen Schlapp­hut auf dem Kopf ver­lor sie bei star­kem Sei­ten­wind den ers­ten Satz. Der zwei­te Durch­gang ging dann mit 28:26 an Un­ruh. In ih­rem klei­nen Büch­lein mach­te sie sich im­mer wie­der No­ti­zen. Doch Chang Hey­jing, Na­tio­nal­hel­din in ih­rer Hei­mat, ließ sich nicht be­ir­ren und mach­te al­les klar.

Im Halb­fi­na­le hat­te Hal­len-Welt­meis­te­rin Un­ruh die Me­xi­ka­ne­rin Ale­jan­dra Va­len­cia mit 6:2 be­zwun­gen. Im Vier­tel­fi­na­le setz­te sich die Bun­des­po­li­zei­an­wär­te­rin ge­gen Tan Ya-Ting aus Tai­wan mit 6:5 im Ste­chen durch.

Schon das war bis da­hin der größ­te Er­folg ei­ner deut­schen Bo­gen­schüt­zin bei Olym­pia. Zu­letzt gab es im Team­wett­be­werb 2000 in Syd­ney Edel­me­tall. Da­bei ist Bo­gen­schie­ßen ei­ne ur­al­te Sport­art und sehr an­stren­gend. „Man braucht ei­ne star­ke Kör­per­span­nung und -be­herr­schung“, sagt Un­ruh. Sie sei stän­dig im Kraft­raum, trai­nie­re beim Schwim­men und Lau­fen die Aus­dau­er. „Die brau­che ich im Wett­kampf auch, um die Kon­zen­tra­ti­on hoch­zu­hal­ten“, sagt sie.

Erst in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren war Un­ruh aus dem Mit­tel­maß bis in die Welt­spit­ze auf­ge­stie­gen. Gro­ßen An­teil dar­an hat­te vor al­lem Bun­des­trai­ner Oli­ver Haidn, der seit 2011 im Amt ist. Ein Ma­the­ma­tik-Sport­leh­rer, der die Grund­li­ni­en des Hoch­leis­tungs­sports per­fekt be­herrscht – und sie auch von sei­nen Ath­le­ten rund um die Uhr ein­for­dert. Aber er will mehr: „Da­mit wir im Kon­zert der Gro­ßen auf Dau­er mit­hal­ten kön­nen, be­nö­ti­gen wir ein Zen­trum mit ei­ner 70-Me­terSchieß­hal­le so­wie ei­nem Bo­gen­schieß­platz im Frei­en di­rekt da­ne­ben.“Nur so kön­ne ganz­jäh­rig ein Trai­ning un­ter op­ti­ma­len Be­din­gun­gen statt­fin­den. (dpa)

Fo­to: S. Kah­nert, dpa

Kon­zen­tra­ti­on ist ei­ne Kern­tu­gend beim Bo­gen­schie­ßen. Li­sa Un­ruh ge­wann ges­tern olym­pi­sches Sil­ber.

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