Ein neu­er Tief­punkt

Die Schwim­mer ge­hen leer aus – war­um?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Rio soll­te für die deut­schen Schwim­mer das ers­te Zwi­schen­zeug­nis auf dem Weg zur Rei­fe­prü­fung bei Olym­pia 2020 sein – und das fiel auch für Chef­bun­des­trai­ner Hen­ning Lam­bertz „er­nüch­ternd“aus. Bei der Ab­schieds-Show von Michael Phelps wa­ren deut­sche Ath­le­ten nur Kom­par­sen.

London 2012 war mit null Me­dail­len der Tief­punkt – und Rio?

Es ging so­gar wei­ter berg­ab. Acht Fi­nal­teil­nah­men und drei vier­ten Plät­zen vor vier Jah­ren stan­den sie­ben End­läu­fe und ma­xi­mal sechs­te Rän­ge ge­gen­über. Auch die Zahl der Jah­res­best­zei­ten beim Sai­son­hö­he­punkt stimm­te be­denk­lich: Wa­ren es 2014 bei der EM noch 40 Pro­zent und bei der WM im ver­gan­ge­nen Jahr knapp 60 Pro­zent, die ih­re bes­te Leis­tung im rich­ti­gen Mo­ment brach­ten, so schaff­ten dies in Rio noch nicht ein­mal 40 Pro­zent. Zu we­nig ge­lan­gen star­ke Vor- und Halb­fi­nal­läu­fe an ei­nem Tag.

War­um klapp­te es nicht mit den we­ni­gen DSV-Me­dail­len­chan­cen?

Die Hoff­nungs­trä­ger hät­ten durch­aus Edel­me­tall ge­win­nen kön­nen – sie hät­ten aber ihr Leis­tungs­ver­mö­gen ab­ru­fen müs­sen. Das ge­lang Welt­meis­ter Mar­co Koch, Welt­re­kord­ler Paul Bie­der­mann und Eu­ro­pa­meis­te­rin Fran­zis­ka Hent­ke nicht. Ob es an falsch do­sier­tem Trai­ning lag oder an­de­ren Fak­to­ren, muss die Aus­wer­tung zei­gen. Die Zei­ten der Me­dail­len­ge­win­ner wa­ren teils mehr als mach­bar.

Sind Me­dail­len künf­tig wie­der drin oder wird ein sol­ches Ab­schnei­den zur Re­gel?

Mit den do­mi­nie­ren­den Ame­ri­ka­nern et­wa kann sich der Deut­sche Schwimm-Ver­band eh nicht ver­glei­chen, zu un­ter­schied­lich sind die Vor­aus­set­zun­gen et­wa im Schu­lund Uni­ver­si­täts­sys­tem. Dort ge­hört Schwimmen zum Pres­ti­ge. Trotz­dem steht ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung be­vor, nicht nur im Schwimmen, son­dern im ge­sam­ten deut­schen Sport: Struk­tu­ren än­dern für mehr Er­folg oder „Fi­nal­plat­zie­run­gen fei­ern wie Me­dail­len“(Lam­bertz).

Gab es auch Hoff­nungs­schim­mer?

Die größ­te Hoff­nung war der größ­te Pechvogel ei­nes DSV-Teams, in dem vie­le Trä­nen der Ent­täu­schung flos­sen. Ja­cob Heidtmann schien über 400 Me­ter La­gen mit deut­schem Re­kord beim Olym­pia-De­büt das Fi­na­le er­reicht zu ha­ben. Dann aber wur­de der 21-Jäh­ri­ge we­gen ei­ner fal­schen Wen­de dis­qua­li­fi­ziert. Der WM-Fünf­te ist das Pa­ra­de­bei­spiel ei­ner über­schau­ba­ren An­zahl von Ta­len­ten, die Hoff­nung ma­chen.

Wel­che Kon­se­quen­zen hat die zwei­te Olym­pia-Plei­te in Serie?

Lam­bertz soll his 2020 blei­ben. So lan­ge wer­de die Rück­kehr in die Welt­klas­se dau­ern, hat­te er zum Amts­an­tritt 2013 be­tont. Här­te­re Nor­men und klei­ne­re Teams könn­ten ei­ne Fol­ge sein, wenn es nicht mehr Geld zur För­de­rung und Auf­sto­ckung des (Trai­ner-)Per­so­nals ge­be. Zu­dem wird es das Eli­te-Team mit weit­ge­hen­den Frei­hei­ten für Koch, den nun zu­rück­ge­tre­te­nen Bie­der­mann oder Hent­ke, so nicht mehr ge­ben. Leis­tungs­sport­di­rek­tor Lutz Busch­kow hat­te be­reits vor den Spie­len sei­nen Rück­zug an­ge­kün­digt. DSV-Prä­si­den­tin Chris­ta Thiel be­kommt es im No­vem­ber erst­mals mit Ge­gen­kan­di­da­ten zu tun. Ei­ne von ih­nen ist die Fachs­par­ten­vor­sit­zen­de Gaby Dör­ries: Sie tritt im Team mit Ex-Sport­lern wie Brit­ta Stef­fen, Tho­mas Lurz oder An­ke Pie­per an. (dpa)

Hen­ning Lam­bertz

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