Mann­schaft un­ter Schock

Nach ei­nem schwe­ren Ver­kehrs­un­fall ist der Augs­bur­ger Ka­nu­trai­ner Ste­fan Hen­ze sei­nen Ver­let­zun­gen er­le­gen. Deut­sche Fah­nen we­hen bei Olym­pia auf halb­mast

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEI­NIN­GER

Rio de Janei­ro Trau­ri­ge Nach­richt für die deut­sche Olym­pia­mann­schaft. Der Augs­bur­ger Ka­nu­sla­lom-Bun­des­trai­ner Ste­fan Hen­ze ist sei­nen schwe­ren Kopf­ver­let­zun­gen er­le­gen, die er sich am Frei­tag bei ei­nem Au­to­un­fall zu­ge­zo­gen hat­te. „Wir sind un­end­lich trau­rig an die­sem Tag“, sag­te DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann. „Wor­te kön­nen nicht an­nä­hernd be­schrei­ben, was wir im Olym­pia­team nach die­sem schreck­li­chen Ver­lust emp­fin­den.“

Der aus Hal­le/Saa­le stam­men­de Augs­bur­ger starb im Bei­sein sei­ner Fa­mi­lie. „Wir wis­sen, Ste­fans ei­ge­ne olym­pi­sche Ge­dan­ken le­ben in vie­len Men­schen wei­ter“, wur­de die Fa­mi­lie zitiert. Die deut­sche Olym­pia­mann­schaft wer­de des Trai­ners am heu­ti­gen Di­ens­tag im olym­pi­schen Dorf ge­den­ken. Das IOC wird die deut­sche Fah­ne an al­len Wett­kampf­stät­ten auf halb­mast set­zen.

Hen­ze woll­te mit den an­de­ren Be­treu­ern der deut­schen Ka­nu­sla­lom-Mann­schaft am Frei­tag von der Olym­pia­stadt Rio nach Hau­se flie­gen. Am Abend zu­vor war der 35-jäh­ri­ge Frau­en-Bun­des­trai­ner, der bei den Spie­len Me­la­nie Pfei­fer (Schwa­ben Augs­burg) be­treu­te, noch in der Stadt un­ter­wegs.

Zu­sam­men mit Chris­ti­an Kä­ding vom Leip­zi­ger In­sti­tut für an­ge­wand­te Trai­nings­wis­sen­schaf­ten woll­te er am frü­hen Mor­gen mit ei­nem Ta­xi ins olym­pi­sche Dorf zu­rück­fah­ren. Dort kam der Wa­gen aber nicht an. Nach ei­nem schwe­ren Au­to­un­fall kämpf­te Hen­ze um sein Le­ben.

Er er­litt ein schwe­res Schä­del­Hirn-Trau­ma und muss­te noch in der Nacht not­ope­riert wer­den. Olym­pia-Arzt Bernd Wol­fahrt lob­te aus­drück­lich die Ret­tungs­kräf­te und die Erst­ver­sor­gung. „Die gan­ze Ret­tungs­ket­te hat ex­trem schnell ge­klappt.“Er und sein Kol­le­ge Cas­par Grimm, ein Un­fall­chir­urg, hät­ten nach der Alar­mie­rung gar nicht in das erst­ver­sor­gen­de Kran­ken­haus fah­ren müs­sen, son­dern gleich die Spe­zi­al­kli­nik an­ge­steu­ert. Die Ver­sor­gung ent­spre­che deut­schem Stan­dard.

Nach Aus­kunft des deut­schen Chef de Mis­si­on in Rio, Michael Ve­sper, konn­ten die El­tern und der Bru­der von Hen­ze in Rio Ab­schied neh­men. „Al­le sind er­schüt­tert.“Auch Tho­mas Ko­nietz­ko, der Prä­si­dent des Deut­schen Ka­nu­ver­ban­des (DKV), steht un­ter Schock. Nach sei­nen An­ga­ben konn­te Chris­ti­an Kä­ding das Kran­ken­haus mitt­ler­wei­le ver­las­sen, ein Teil der Sla­lom­be­treu­er – dar­un­ter der Team-Psy- cho­lo­ge – war in der Olym­pia­stadt ge­blie­ben.

Ste­fan Hen­ze war frü­her ei­ner der welt­bes­ten Ca­na­di­er­fah­rer. Zu­sam­men mit Mar­cus Becker star­te­te er im Zwei­er für den BSV Hal­le/Saa­le, trai­nier­te aber bei Bun­des­trai­ner Jürgen Köh­ler am Augs­bur­ger Leis­tungs­zen­trum. Die Zu­sam­men­ar­beit war äu­ßerst er­folg­reich. Becker/Hen­ze ge­wan­nen 2003 die WM und Sil­ber bei Olym­pia 2004. „Ste­fan und Mar­cus sind wie Söh­ne für mich. Es ist ei­ne nie­der­schmet­tern­de Nach­richt“, so Köh­ler.

Nach dem En­de sei­ner Kar­rie­re hat­te Hen­ze ei­ne Lauf­bahn als Trai­ner be­gon­nen. Me­la­nie Pfei­fer lob­te wäh­rend des Olym­pia-Wett­kampfs sein psy­cho­lo­gi­sches Ge­schick. Als es in der Qua­li­fi­ka­ti­on nicht so lief, fand Hen­ze die rich­ti­gen Wor­te. „Mein Trai­ner hat zwi­schen den Läu­fen ei­ne ge­wal­ti­ge Leis­tung ge­zeigt.“Im Fi­na­le fuhr Pfei­fer auf Rang sie­ben. Da­nach war Hen­ze an­zu­se­hen, wie emo­tio­nal er die Ar­beit sei­ner Fah­re­rin be­glei­tet hat­te.

In den ver­gan­ge­nen Ta­gen fühl­ten al­le mit Ste­fan Hen­ze, der im Kran­ken­haus um sein Le­ben kämpf­te. Aber die Ver­let­zun­gen wa­ren zu schwer.

Foto: Fri­so Gentsch, dpa

Der Augs­bur­ger Ka­nu­sla­lom-Bun­des­trai­ner Ste­fan Hen­ze ist ges­tern in Rio de Janei­ro ge­stor­ben. Bei ei­nem Ver­kehrs­un­fall hat­te er sich ein schwe­res Schä­del-Hirn-Trau­ma zu­ge­zo­gen.

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