Nicht rich­tig schlecht, nicht rich­tig gut

Was den All­gäu­er Phil­ipp Buhl nach sei­nem frü­hen Aus be­son­ders schmerzt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 - VON PETER DEININGER

Rio de Janei­ro Phil­ipp Buhl hat­te sich dar­auf ein­ge­stellt. „Wenn das Me­dal Race be­ginnt, wird es noch ein­mal ein schwe­rer Mo­ment“, war sich der La­ser­seg­ler aus Sont­ho­fen be­wusst. Er hat­te ei­nen har­ten Di­ens­tag. Der Welt­rang­lis­ten­ers­te muss­te zu­se­hen, wie die an­de­ren in der Guna­ba­ra-Bucht um Gold se­gel­ten, wäh­rend er nur noch Zu­schau­er war (Sie­ger stand bei Re­dak­ti­ons­schluss noch nicht fest).

Für Buhl war be­reits nach den zehn Wett­fahr­ten Schluss. „Ich bin der Über­zeu­gung, dass mei­ne Vor­be­rei­tung ziem­lich op­ti­mal war. Aber ich ha­be nie den rich­ti­gen Rhyth­mus ge­fun­den“, rät­selt der 26-jäh­ri­ge All­gäu­er mit Ar­beits­platz in Kiel, war­um er nicht ein­mal sein Mi­ni­mal­ziel – das Ab­schluss­ren­nen – er­reicht hat. Rang 14 ist we­nig für ei­nen, der es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­wohnt war, hoch­de­ko­riert von in­ter­na­tio­na­len Meis­ter­schaf­ten zu­rück­zu­keh­ren.

Das Re­vier vor Rio de Janei­ro hat­te der Sport­sol­dat al­ler­dings be­reits im Vor­feld als „äu­ßerst schwie­rig“emp­fun­den. Vor al­lem die star­ke Strö­mung macht das Se­geln in der Olym­pia­stadt kom­pli­ziert. Mit ei­ner ei­gens ent­wi­ckel­ten Soft­ware und der Er­fah­rung sei­nes Be­ra­ter­teams in­klu­si­ve sei­nes Va­ters Friedl woll­te Buhl ganz vor­ne mit­mi­schen.

Nach ver­hal­te­nem Start in den ers­ten Durch­gän­gen deu­te­te der All­gäu­er mit dem Sieg in der sieb­ten Wett­fahrt sein Po­ten­zi­al an. Der Rück­schlag folg­te prompt. Mit den Plät­zen 25, 34 und 17 ma­nö­vrier­te er sich end­gül­tig aus dem Spit­zen­feld. Um die Me­dail­len­plät­ze se­gel­ten zehn an­de­re.

„Wahr­schein­lich hat­te ich zu viel Si­cher­heits­den­ken in mei­ner Stra­te­gie“, glaubt Buhl. „Das war nicht so rich­tig schlecht, aber auch nicht rich­tig gut.“Mit­tel­maß ist für ei­nen wie Buhl schwer zu ak­zep­tie­ren. „Die Welt­rang­lis­te lügt nicht“, sagt er all de­nen, die mei­nen, er sei mit über­trie­be­nen Er­war­tun­gen an die Sa­che her­an­ge­gan­gen.

Am meis­ten tut es ihm leid, dass er die vie­len Men­schen, die ihn auf sei­nem Weg nach Olym­pia un­ter­stütz­ten, ent­täuscht ha­ben könn­te. „Das tut be­son­ders weh.“Schwes­ter An­ge­la ist in vie­len Etap­pen über tau­sen­de Ki­lo­me­ter so­gar mit dem Fahr­rad an­ge­reist. „Ich ha­be aber be­reits zahl­rei­che auf­mun­tern­de Nach­rich­ten be­kom­men.“Das baut auf und hilft den ers­ten Schmerz zu lin­dern. „Vi­el­leicht kann ich den Event Olym­pia in den nächs­ten Ta­gen doch noch ein we­nig ge­nie­ßen“, hat er sich vor­ge­nom­men.

In ein Se­gel­boot wird er nicht so schnell wie­der stei­gen. „Das war von vor­ne­her­ein so ge­plant.“Als Sol­dat muss er zu ei­nem Lehr­gang, die Fa­mi­lie soll auch zu ih­rem Recht kom­men. Er hat ge­nü­gend Zeit, um über sei­ne sport­li­che Zu­kunft nach­zu­den­ken.

Fo­to: Mat­thi­as Mandl, Wit­ters

Das Ziel ver­fehlt: Der All­gäu­er Seg­ler Phil­ipp Buhl.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.