Dür­fen Ju­gend­li­che Whats­App nut­zen?

K!ar.Text hat sich schlau­ge­macht, was er­laubt ist, was ihr nicht tun dürft und wo ihr vor­sich­tig sein soll­tet

Mittelschwaebische Nachrichten - - K!ar.text - VON MAXIMILIAN VON LIN­DEN

Land­kreis Laut Goog­le-Play-Sto­re hat Whats­App ei­ne Mil­li­ar­de Nut­zer, ich bin ei­ner da­von. Be­son­ders bei Ju­gend­li­chen er­freut sich der Mes­sen­ger gro­ßer Be­liebt­heit. Es ist ja auch ein­fach und prak­tisch, Text­nach­rich­ten, Bil­der und Vi­de­os di­rekt vom Smart­pho­ne aus zu ver­schi­cken. Grund ge­nug, sich ein­mal nä­her mit zwei wich­ti­gen Fra­gen zu be­schäf­ti­gen: Gibt es recht­li­che Pro­ble­me bei Whats­App? Und: Wer liest ei­gent­lich mei­ne Nach­rich­ten?

Die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) von Whats­App sind auf der In­ter­net­sei­te des Kurz­nach­rich­ten­diensts zwar et­was ver­steckt, aber sie sind da. Al­ler­dings nur auf Eng­lisch. Auf der AGB-Sei­te be­fin­det sich ei­ne Schalt­flä­che, mit der man die Spra­che ver­stel­len kön­nen soll. Doch egal, wel­che Spra­che ich aus­wäh­le, die AGB blei­ben in Eng­lisch. Ei­ne deut­sche Ver­si­on muss her. Auf der Sei­te www.da­ten­schutz­be­auf­trag­ter-in­fo.de, ei­nem In­ter­net­por­tal von Da­ten­schutz-Be­ra­tern, sind die wich­tigs­ten Punk­te zu­sam­men­ge­fasst. Un­ter Punkt sechs steht ei­ne Über­ra­schung: „Nur Per­so­nen über 16 Jah­re dür­fen Whats­App nut­zen“. Ich ken­ne vie­le Leu­te, die schon we­sent­lich frü­her be­gon­nen ha­ben, Whats­App zu nut­zen. Man­che wa­ren so­gar erst zwölf oder neun Jah­re alt. Und das wa­ren nicht ein­mal die Ers­ten, die den Mes­sen­ger auf ih­rem Smart­pho­ne in­stal­liert hat­ten und Tex­te ver­schick­ten.

Nach­dem die AGB nicht wirk­lich wei­ter­hel­fen, wen­de ich mich an ei­nen Fach­mann. Ro­bert Hu­ber ist Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tor und In­for­ma­tik­leh­rer in Augs­burg und kennt sich mit dem The­ma aus. Er sagt: „Es ist ver­bo­ten, ju­gend­ge­fähr­den­de In­hal­te zu ver­schi­cken, wenn man als Ju­gend­li­cher an­de­ren Ju­gend­li­chen Nach­rich­ten schreibt.“

Klingt lo­gisch. Dann wird es aber kom­pli­zier­ter. Mu­sik-, Vi­deo- und Bild­da­tei­en darf ich zwar le­gal aus dem Netz down­loa­den, aber nicht über Whats­App ver­schi­cken. „Wenn ich ei­nen ge­hack­ten Vi­deoAus­schnitt über Whats­App an mei­nen Kum­pel ver­schi­cke, dann bin ich Sen­der und ver­brei­te Nach­rich­ten wei­ter, die ich nicht wei­ter­ver­brei­ten darf“, er­klärt Hu­ber. Man macht sich al­so straf­bar. Das­sel­be gilt für Pro­fil­bil­der. Da gilt be­son­de­re Vor­sicht, weil man­che du­bio­sen An­wäl­te das Ur­he­ber­recht als Geld­quel­le nut­zen. Wer bei­spiels­wei­se als Pro­fil­bild ein Fo­to ver­wen­det, das ur­he­ber­recht­lich ge­schützt ist, könn­te ei­ne ge­büh­ren­pflich­ti­ge Ab­mah­nung be­kom­men.

Am bes­ten ver­wen­det man al­so nur Bil­der, die man selbst ge­macht hat. Wo wir ge­ra­de beim The­ma Bil­der und Rech­te sind: Wer Bil­der über Whats­App ver­sen­det, tritt die Ur­he­ber­rech­te un­wi­der­ruf­lich an den Kurz­nach­rich­ten­dienst ab. „Bil­der sind ei­ne Art Schatz“, sagt Hu­ber. Je­des Bild wird ge­spei­chert. Er nennt ein Bei­spiel: „Ei­ne Fir­ma wie Co­ca Co­la könn­te das Bild der glück­li­chen Par­ty in Augs­burg für ei­nen Wer­be­ef­fekt in Bra­si­li­en ver­wen­den.“Ich wer­de in Zu­kunft al­so kei­ne Fo­tos mehr ver­schi­cken, auf de­nen ich Co­la trin­ke.

Bleibt die Fra­ge, wer mei­ne Nach­rich­ten mit­le­sen kann. Da hat Hu­ber gu­te Nach­rich­ten: „Durch die neue Ver­schlüs­se­lung gibt es se­ri­en­mä­ßig ei­nen sehr ho­hen Stan­dard der Si­cher­heit der Nach­richt an sich.“Der In­halt sei nur noch mit ho­hem Auf­wand zu ent­schlüs­seln. Al­ler­dings hän­gen an dem Da­ten­aus­tausch auch die so­ge­nann­ten Me­t­a­da­ten. Zum Bei­spiel, wann und an wen ei­ne Nach­richt ge­schrie­ben wur­de. Die­se In­for­ma­tio­nen darf Whats­App le­gal spei­chern, sie kön­nen auch von Drit­ten aus­ge­le­sen wer­den. Vie­le Smart­pho­nes über­mit­teln auch den Stand­ort, von dem aus ei­ne Nach­richt ver­schickt wur­de. Die­se Da­ten las­sen sich für Wer­bung ein­set­zen. Ins­ge­samt sei die Kom­mu­ni­ka­ti­on aber si­che­rer ge­wor­den. „Man kann sich wirk­lich un­ge­stört aus­tau­schen. Das ist ein schö­nes Ge­fühl“, sagt Hu­ber.

Fo­to: Maximilian von Lin­den

Wer auf Whats­App ein Sel­fie mit Co­la ver­schickt, könn­te zum Teil ei­ner Wer­be­kam­pa­gne wer­den. K!ar.Tex­ter Maximilian von Lin­den hat sich so fo­to­gra­fiert. Ver­schi­cken wird er die­ses Bild aber nicht, seit­dem er weiß, wor­auf er bei dem Kurz­nach­rich­ten­dienst ach­ten muss.

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