Den Trä­nen folgt der Tri­umph

Ti­mo Boll beißt im Spiel um Platz drei auf die Zäh­ne und holt trotz ei­ner Ver­let­zung die ent­schei­den­den Punk­te zu Bron­ze. Es soll nicht die letz­te Me­dail­le für den 35-Jäh­ri­gen sein

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro In nur gut ei­ner hal­ben St­un­de wan­del­te Ti­mo Boll zwi­schen Mut­lo­sig­keit und un­bän­di­ger Freu­de. Be­vor der deut­sche Tisch­ten­nis-Star bei Olym­pia in Rio de Janei­ro sei­ne Bron­ze­me­dail­le in den Hän­den hielt, durch­leb­te der 35-Jäh­ri­ge ein emo­tio­na­les Auf und Ab. Nach sei­ner frü­hen Na­cken­ver­let­zung war er kom­plett am Bo­den, kämpf­te sich aber durch, ließ sich fit sprit­zen und fei­er­te dann er­leich­tert den 3:1-Sieg ge­gen Süd­ko­rea im Bron­ze-Match.

„Mir sind in der Ver­let­zungs­pau­se schon Trä­nen ge­lau­fen vor Ver­zweif­lung, ge­nau­so dann auch vor Freu­de nach dem Spiel“, be­rich­te­te Boll spä­ter. Der 35-Jäh­ri­ge hol­te trotz der Ver­let­zung die ent­schei­den­den Punk­te und war der Held im Tisch­ten­nis-Team. „Er hat sich durch­ge­bis­sen, er hat rich­tig gut ge­spielt“, lob­te Bun­des­trai­ner Jörg Roß­kopf. „Durch sei­nen Kampf­wil­len hat er das Spiel ge­won­nen. Das zeich­net ei­nen Mann­schafts­spie­ler aus, das zeich­net ei­nen gro­ßen Sport­ler aus.“

Beim 1:3 im Halb­fi­na­le ge­gen Ja­pan war Boll ei­ner der Schwach­punk­te im deut­schen Team ge­we­sen, hat­te so­wohl sein Ein­zel als auch das Dop­pel ver­lo­ren. Ge­gen Süd­ko­rea über­nahm er dann Ver­ant­wor­tung und führ­te sein Team zu Bron­ze. „Ti­mo ist jetzt ja auch schon ein paar Ta­ge äl­ter als frü­her. Dass er im­mer noch so ein Ni­veau spie­len kann, das ist Wahn­sinn. Hoch­ach­tung“, lob­te Team­kol­le­ge Di­mi­trij Ovt­cha­rov.

Da­bei war Boll schon im ers­ten Satz ein Wir­bel her­aus­ge­sprun­gen. „Ich ha­be erst­mal ge­dacht, es ist vor­bei“, be­rich­te­te er spä­ter von sei­ner Ver­zweif­lung. Doch ir­gend­wie spiel­te Boll wei­ter, er­kämpf­te mit Bas­ti­an Ste­ger ein 2:2 nach vier Sät­zen. Dann ge­währ­ten die Schieds­rich­ter ihm ei­ne kur­ze Be­hand­lungs­pau­se. Ge­mein­sam mit Tea­m­arzt An­to­ni­us Kass ver­schwand er hin­ter den Ku­lis­sen – und be­kam meh­re­re Sprit­zen in den lä­dier­ten Na­cken.

„Da sieht man, dass er hart im Neh­men ist. Das traut man ihm gar nicht im­mer zu“, sag­te Ovt­cha­rov grin­send. „Ich ha­be die Sprit­zen ge­se­hen, das sah schon bö­se aus. Stark, wie er da auf die Zäh­ne ge­bis­sen hat.“Im letz­ten Satz im Dop­pel si­cher­ten Boll und Ste­ger den zwei­ten Punkt für Deutsch­land, im fol­gen­den Ein­zel mach­te Boll so­gar im Al­lein­gang die Me­dail­le für Deutsch­land per­fekt. Das drit­te Edel­me­tall mit dem Team nach Sil­ber 2008 und Bron­ze 2012 war für die deut­schen Tisch­ten­nis-Män­ner ein be­son­de­rer Er­folg. Boll woll­te nicht aus­schlie­ßen, dass es 2020 mit ihm ei­nen wei­te­ren An­lauf auf die Olym­pia­Me­dail­len ge­ben könn­te. „Ich hof­fe auf je­den Fall, dass ich da­bei bin“, sag­te er. (dpa)

Ti­mo Boll

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