War der Über­fall frei er­fun­den?

Schwimm-Star Loch­te soll ge­lo­gen ha­ben, um Ran­da­le zu ver­tu­schen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Der ver­meint­li­che Raub­über­fall auf US-Schwimm­star Ryan Loch­te hat sich of­fen­bar als gro­ße Lü­gen­ge­schich­te ent­puppt und bei den Be­hör­den für mäch­tig Är­ger ge­sorgt. Nach An­ga­ben der Po­li­zei sol­len der sechs­ma­li­ge Olym­pia­sie­ger und sei­ne drei Team­kol­le­gen Jack Con­ger, Gun­nar Bentz und Jim­my Fei­gen den Vor­fall er­fun­den ha­ben. „Sie wur­den nicht die Op­fer des von ih­nen be­haup­te­ten Ver­bre­chens“, sag­te Ri­os Po­li­zei­chef Fernando Ve­lo­so.

Wäh­rend Loch­te be­reits zu­rück in den USA ist, ver­wei­gert die bra­si­lia­ni­sche Po­li­zei den rest­li­chen drei Ath­le­ten die Aus­rei­se. Das Trio will sich nun mit den Straf­ver­fol­gern tref­fen.

Hin­ter­grund des Wir­bels ist ein ver­meint­li­cher Raub­über­fall auf die US-Schwim­mer an ei­ner Tank­stel­le. Die­se Ver­si­on hat­te für er­heb­li­chen Wir­bel ge­sorgt und die Si­cher­heits­de­bat­te um die Rio-Spie­le an­ge­heizt. Nach Darstel­lung der Be­hör­den, sol­len ei­ni­ge der vier Ath­le­ten am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­mor­gen an ei­ner Tank­stel­le na­he des olym­pi­schen Dor­fes zu­nächst die Tür ei­ner Toi­let­te ein­ge­tre­ten ha­ben. An­schlie­ßend sei ein Sicherheitsmann ge­kom­men. Die­ser ha­be nach Aus­sa­gen ei­nes Po­li­zei­be­am­ten ge­gen­über der ap am Don­ners­tag­abend dann auch ei­ne Waf­fe ge­zo­gen, ein zwei­ter Sicherheitsmann sei eben­falls mit ge­zo­ge­ner Waf­fe da­zu­ge­kom­men. Die Schwim­mer hät­ten sich „in ge­walt­tä­ti­ger Wei­se ver­hal­ten“, sag­te Po­li­zei­chef Ve­lo­so.

Der Ge­schäfts­füh­rer der Tank­stel­le ha­be we­nig spä­ter von den Schwim­mern ei­ne Ent­schä­di­gung für die ein­ge­tre­te­ne Tür ver­langt. Nach ei­ner Dis­kus­si­on hät­ten die Ath­le­ten be­zahlt und sei­en wei­ter­ge­fah­ren. Zu dem Vor­fall soll es ein Vi­deo ge­ben. „Lei­der ha­ben die Schwim­mer ei­ne Lü­ge nach der an­de­ren er­zählt“, zi­tier­te die New York Ti­mes am Don­ners­tag ei­nen Po­li­zis­ten, der das Vi­deo kennt.

Die Un­ge­reimt­hei­ten um den Über­fall wa­ren im­mer grö­ßer ge­wor­den. Der 32 Jah­re al­te Loch­te hat­te be­reits Tei­le sei­ner Aus­sa­gen und De­tails re­la­ti­viert. Dem US­Sen­der NBC News sag­te der sechs­ma­li­ge Olym­pia­sie­ger, dass er und drei Team­kol­le­gen über­fal­len wor­den sei­en, als ihr Ta­xi an ei­ner Tank­stel­le ge­hal­ten ha­be. Zu­vor hat­te er er­klärt, dass als Po­li­zis­ten ver­klei­de­te Räu­ber das Au­to an­ge­hal­ten hät­ten. Zu­dem ha­be ein Tä­ter ihm ei­ne Waf­fe nicht di­rekt an den Kopf ge­hal­ten, son­dern sie nur auf ihn ge­rich­tet.

Das Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee hat­te sich zu­nächst für den Vor­fall ent­schul­digt, gab sich nach der neu­es­ten Ent­wick­lung aber nach­sich­tig. „Wir müs­sen ver­ste­hen, dass die­se Bur­schen Spaß ha­ben wol­len. Sie ste­hen bei den Wett­kämp­fen un­ter gi­gan­ti­schem Druck“, sag­te Spre­cher Ma­rio And­ra­da oh­ne Groll. „Gebt den Jungs ei­ne Pau­se. Manch­mal machst du Sa­chen, die du spä­ter be­reust. Sie sind groß­ar­ti­ge Sport­ler. Sie hat­ten Spaß, sie ha­ben ei­nen Feh­ler ge­macht, das ge­hört zum Le­ben. Und das Le­ben geht wei­ter.“Die Be­hör­den ha­ben den Vor­fall erns­ter ge­nom­men. Con­ger und Bentz wur­den an der Aus­rei­se aus Bra­si­li­en ge­hin­dert und ih­nen die Päs­se ent­zo­gen. Loch­te war zu dem Zeit­punkt be­reits wie­der in den USA. Die bra­si­lia­ni­sche Po­li­zei will nun das FBI um Mit­hil­fe bit­ten.

Con­ger und Bentz hat­ten mit Loch­te Gold in der Staf­fel über 4 x 200 Me­ter Frei­stil ge­won­nen, Fei­gen ist Olym­pia­sie­ger über 4 x 100 Me­ter Frei­stil. (dpa)

Ryan Loch­te

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.