So schlecht wie zu­letzt in At­lan­ta

Bei den Rad­fah­rern soll nach Rio mal wie­der ana­ly­siert wer­den

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Ru­dolf Schar­ping war fein raus. Den De­bat­ten über neue Struk­tu­ren und ei­ner bes­se­ren Nach­wuchs­för­de­rung muss­te sich der Prä­si­dent des Bun­des Deut­scher Rad­fah­rer nach dem schlech­tes­ten Olym­pia-Ab­schnei­den seit 1996 in At­lan­ta nicht stel­len. Der eins­ti­ge Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter weil­te nach BDR-An­ga­ben in Chi­na, nicht ein­mal ei­nen Kurz­be­such in Rio gab Schar­pings Ter­min­ka­len­der her. Des­halb war es wie so oft: Trai­ner und Sport­di­rek­to­ren zer­bra­chen sich in Ab­we­sen­heit ih­res Prä­si­den­ten den Kopf, wie der Rück­stand zur Rad­sport-Groß­macht Groß­bri­tan­ni­en auf­ge­holt wer­den kann.

Die Bi­lanz ist er­nüch­ternd: Kei­ne Me­dail­le für To­ny Mar­tin & Co. auf der Stra­ße, nicht kon­kur­renz­fä­hig im BMX, und im Moun­tain­bike konn­te die ver­letz­te Vor­kämp­fe­rin Sa­bi­ne Spitz auch nicht mehr hel­fen. Ein­zig die Bahn­rad-Aus­nah­me­fah­re­rin Kris­ti­na Vo­gel ret­te­te den Ver­band mit ih­rer Gold­me­dail­le im Sprint und dem drit­ten Platz im Team­sprint mit Mi­ri­am Wel­te vor ei­ner To­talp­lei­te.

Die Ziel­set­zung für Rio von sechs bis neun Me­dail­len wur­de mei­len­weit ver­fehlt. Trotz­dem re­de­te sich BDR-Sport­di­rek­tor Patrick Mos­ter das Ab­schnei­den schön: „Wir ste­hen nach Rio, wo wir uns auch vor den Spie­len ge­se­hen ha­ben: Im Kreis der Welt­spit­ze.“

Wirk­lich Welt­spit­ze? Dass es in den Stra­ßen­ren­nen auf­grund des Stre­cken­pro­fils kei­ne Me­dail­len­flut ge­ben wür­de, war im Vor­hin­ein klar. Dass aber gera­de auf der Bahn das gu­te Er­geb­nis von der WM im März nicht be­stä­tigt wer­den konn­te, wiegt schwer. So mal­te Vo­gel mit Blick auf den Nach­wuchs ein düs­te­res Bild: „Du merkst, wie wir da­mals bei­ßen muss­ten und wie die heu­te bei­ßen. Das ist ein­fach nicht das Glei­che.“

Für Bahn­rad-Bun­des­trai­ner Det­lef Ui­bel kommt die Ent­wick­lung nicht über­ra­schend. Das The­ma sei nach den Olym­pi­schen Spie­len im­mer das glei­che, mo­nier­te Ui­bel: „Es muss ei­ne Hier­ar­chie und ei­ne kla­re Struk­tur ge­ben, da­mit die Al­lein­ver­wal­tung auf­hört. Ich ha­be mehr­mals schon Kon­zep­te oder Grund­la­gen er­ar­bei­tet und in­ner­halb des BDR wei­ter­ge­lei­tet. Lei­der Got­tes ist es da­bei ge­blie­ben.“

Ui­bel for­dert seit Jah­ren ei­ne Zen­tra­li­sie­rung, wie sie die Bri­ten mit viel Geld prak­ti­zie­ren. Im BDR stößt er da­mit aber auf tau­be Oh­ren. So wie­der­ho­len sich die Dis­kus­sio­nen. Der BDR kün­dig­te ei­ne Ana­ly­se an – wie vor vier Jah­ren. Da­mals soll­te auch das The­ma BMX auf die Agen­da. In Rio war es wie in Lon­don: Kei­ne deut­schen Fah­rer in den Fi­nals. Und auf der Stra­ße bleibt die Hoff­nung, dass es in To­kio we­ni­ger Ber­ge als in Rio gibt. (dpa)

Fo­to: dpa

Kris­ti­na Vo­gel ret­te­te mit ih­rer Gold­me­dail­le die Bi­lanz des Bun­des Deut­scher Rad­fah­rer.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.