Su­che nach Le­bens­wür­ze

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON ERICH PAWLU re­dak­ti­on@mit­tel­schwa­ebi­sche-nach­rich­ten.de

Zu Ur­laubs­mit­bring­seln

Stets sol­len Lie­be nur und Wein / Des Le­bens Wür­ze sein!“Die­se Emp­feh­lung aus dem „Zi­geu­ner­ba­ron“von Jo­hann Strauss wird auch heu­te noch gern be­folgt. Aber im­mer mehr Men­schen ho­len sich die Le­bens­wür­ze nicht mehr aus hei­ßer Lie­be und küh­lem Wein, son­dern aus blau­er Fer­ne. Laut Um­fra­ge des Rei­se­ver­an­stal­ters Tra­vel­zoo ge­hö­ren exo­ti­sche Ge­wür­ze zu den be­lieb­tes­ten Ur­laubs­mit­bring­seln.

So er­füllt ein Ur­laub für meh­re­re Jah­re die ak­tu­el­le For­de­rung nach Nach­hal­tig­keit. Mit Bocks­horn­klee, Cay­enne­pfef­fer, Gra­nat­ap­fel­sa­men, Kur­ku­ma, Ma­cis­blü­ten und Zi­tro­nen­gras lässt sich exo­ti­scher Reiz nicht nur in ein­tö­ni­ge Spei­sen, son­dern auch ins ein­tö­ni­ge Le­ben zau­bern. Die Kü­che wird zum Sa­na­to­ri­um, der ge­würz­te Mensch zum Über­le­bens­künst­ler – im­mer vor­aus­ge­setzt, dass er Spei­sen und Le­ben nicht über­würzt. Da­vor hat schon der Ba­rock­dich­ter Jo­hann Chris­ti­an Gün­ther ge­warnt: „Vie­ler­ley Kräu­ter ver­der­ben die Säf­te, / Vie­ler­ley Wür­ze ver­bit­tert die Kost.“Al­le Ehe­män­ner aber soll­ten sich dar­auf be­sin­nen, dass sie der Phi­lo­soph und Schrift­stel­ler Jo­hann Cas­par La­va­ter in sei­ner Schrift „Frag­men­te zur Be­för­de­rung der Men­schen­lie­be“schon 1777 auf­ge­for­dert hat, al­lein im An­blick ih­rer Ehe­frau die wah­re Wür­ze des Le­bens zu se­hen: „Aech­ter, rei­ner phy­sio­gno­mi­scher Sinn in An­se­hung des weib­li­chen Ge­schlech­tes ist die bes­te Wür­ze und Stär­kung des mensch­li­chen Le­bens.“

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