Was sich beim Kin­der­arzt än­dert

Ab 1. Sep­tem­ber gel­ten neue Re­ge­lun­gen bei den Früh­er­ken­nungs-Un­ter­su­chun­gen. Un­ter an­de­rem wer­den die bis­he­ri­gen „Gel­ben Hef­te“ab­ge­löst. Das müs­sen El­tern wis­sen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON STE­FAN DRESCHER

Augs­burg El­tern müs­sen sich auf neue Re­ge­lun­gen beim Kin­der­arzt ein­stel­len. Ab 1. Sep­tem­ber gilt bun­des­weit ei­ne neue so­ge­nann­te Kin­der-Richt­li­nie, in der die Früh­er­ken­nung von Krank­hei­ten bei Säug­lin­gen und Kin­dern fest­ge­legt ist. Ein Über­blick:

Was ge­nau ist die „Kin­der-Richt­li­nie“?

Kin­der bis zur Voll­en­dung des sechs­ten Le­bens­jah­res ha­ben ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf Un­ter­su­chun­gen zur Früh­er­ken­nung von Krank­hei­ten, die ih­re Ent­wick­lung ge­fähr­den kön­nen. Die Maß­nah­men wer­den vom Ge­mein­sa­men Bun­des­aus­schuss der Ärz­te und Kran­ken­kas­sen (G-BA) in der „Kin­derRicht­li­nie“de­fi­niert. Es gibt neun U-Un­ter­su­chun­gen, die in fes­ten Ab­stän­den durch­ge­führt wer­den. Die Be­fun­de wer­den von den Ärz­ten im so­ge­nann­ten „Gel­ben Heft“do­ku­men­tiert.

War­um wur­de die „Kin­der-Richt­li­nie“über­ar­bei­tet?

Be­reits 2005 hat­te der IKK-Bun­des­ver­band be­an­tragt zu prü­fen, ob das be­ste­hen­de Früh­er­ken­nungs­pro­gramm noch dem Stand der wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis ent­spricht, ob es Män­gel auf­weist und in­wie­weit Ef­fek­ti­vi­tät und Ef­fi­zi­enz ver­bes­sert wer­den kön­nen. Es folg­te ein mehr­stu­fi­ger Über­ar­bei­tungs­pro­zess, des­sen Er­geb­nis­se nun um­ge­setzt sind.

Was ge­nau än­dert sich ab 1. Sep­tem­ber?

Nach An­ga­ben des baye­ri­schen Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums wur­den die In­hal­te der U-Un­ter­su­chun­gen grund­le­gend über­ar­bei­tet, qua­li­täts­si­chern­de Maß­nah­men ein­ge­führt und ein neu­es Scree­ning-An­ge­bot auf­ge­nom­men. Die wich­tigs­ten Än­de­run­gen sind:

Je­des Neu­ge­bo­re­ne kann auf Mu­ko­vis­zi­do­se (Zys­ti­sche Fi­bro­se) un­ter­sucht wer­den. Die Un­ter­su­chung er­folgt in der Re­gel in den ers­ten Le­bens­ta­gen zu­sam­men mit dem Scree­ning auf an­ge­bo­re­ne Stoff­wech­se­lund Hor­mons­tö­run­gen.

Es gibt ei­ne neue Fas­sung des „Gel­ben Hef­tes“. Da­rin kön­nen sich El­tern be­reits vor der Un­ter­su­chung in­for­mie­ren und ei­ge­ne Fra­gen no­tie­ren. Ei­ne her­aus­nehm­ba­re „Teil­nah­me­kar­te“er­mög­licht es, et­wa ge­gen­über Kin­der­gär­ten nach­zu­wei­sen, dass die Früh­er­ken­nungs­un­ter­su­chun­gen wahr­ge­nom­men wur­den, oh­ne dass da­bei ver­trau­li­che In­for­ma­tio­nen wei­ter­ge­ge­ben wer­den müs­sen. Dar­über hin­aus müs­sen Ärz­te im neu­en Heft do­ku­men­tie­ren, wenn bei der Beur­tei­lung der Ent­wick­lung des Kin­des die vor­ge­ge­be­nen Kri­te­ri­en hin­sicht­lich Grob- und Fein­mo­to­rik oder der emo­tio­na­len Kom­pe­tenz nicht er­füllt wer­den. „Wird ein er­wei­ter­ter Be­ra­tungs­be­darf et­wa zu The­men wie Stil­len und Er­näh­rung, auf­fäl­li­gem Schrei­en oder Hil­fen in Be­las­tungs­si­tua­tio­nen fest­ge­stellt, kann das eben­falls ver­merkt wer­den“, heißt es beim Mi­nis­te­ri­um. Auch die Be­ra­tung zum The­ma Impf­schutz soll in­ten­si­viert wer­den.

Wie kom­men El­tern an das neue „Gel­be Heft“– und was pas­siert mit dem al­ten?

Ab Sep­tem­ber wer­den laut baye­ri­schem Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um nur noch die neu­en Un­ter­su­chungs­hef­te aus­ge­ge­ben. El­tern er­hal­ten sie wie bis­her in Ge­burts­kli­ni­ken, Kin­der­arzt­pra­xen oder bei der Heb­am­me. Kin­der, die be­reits ein (al­tes) Un­ter­su­chungs­heft ha­ben, er­hal­ten bis zur U6 (10.-12. Le­bens­mo­nat) zu­sätz­lich ein neu­es Heft. Für al­le Kin­der, die zur U7 (21.-24. Le­bens­mo­nat) oder spä­te­ren Un­ter­su­chun­gen kom­men, wird der Arzt die Er­geb­nis­se auf Ein­le­ge­blät­tern do­ku­men­tie­ren, die in das bis­he­ri­ge Heft ein­ge­klebt wer­den. Die­se Ein­le­ge­blät­ter sol­len eben­so wie die Teil­nah­me­kar­ten für die neu­en U7 bis U9 laut G-BA zeit­gleich mit den neu­en Hef­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

Was sa­gen die Kin­der­ärz­te zu den neu­en Re­ge­lun­gen?

Der Be­rufs­ver­band der Kin­der- und Ju­gend­ärz­te (BVKJ) be­grüß­te die Neu­reg­lung als „wich­ti­gen Schritt“zur bes­se­ren Beur­tei­lung der Ge­sund­heit der Kin­der. Ver­bes­se­run­gen ge­be es vor al­lem bei den Un­ter­su­chun­gen zur Ent­wick­lung der Spra­che, der Fein- und Grob­mo­to­rik so­wie der Seh­leis­tung. Den Kin­der­ärz­ten geht die Re­form je­doch nicht weit ge­nug. „Wir sind ent­täuscht, dass die Kas­sen nicht be­reit wa­ren, auch die psy­cho-so­zia­le Ent­wick­lung und die Früh­er­ken­nung von Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten in das Heft zu über­neh­men“, sag­te BVKJPrä­si­dent Tho­mas Fisch­bach.

Sym­bol­fo­to: Bernd Wüst­neck, dpa

Ist mein Kind ge­sund? Re­gel­mä­ßi­ge Un­ter­su­chun­gen sol­len klä­ren, ob Krank­hei­ten be­ste­hen oder auf­tre­ten, die die Ent­wick­lung ei­nes Kin­des ge­fähr­den könn­ten. Do­ku­men­tiert wer­den die Be­fun­de im so­ge­nann­ten „Gel­ben Heft“. Nun wur­de das Sys­tem re­for­miert.

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