Was Ei­gen­tü­mer in ih­rer Woh­nung dür­fen

Auch in den ei­ge­nen vier Wän­den ist nicht al­les er­laubt. Aber wo lie­gen die Gren­zen?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Geld & Leben -

Ber­lin/Bonn Mehr Frei­hei­ten in den ei­ge­nen vier Wän­den: Für vie­le kann das ei­ne Mo­ti­va­ti­on sein, sich ei­ne ei­ge­ne Woh­nung zu kau­fen. Al­ler­dings sind auch dort die Frei­hei­ten ein­ge­schränkt. Zwar dür­fen Ei­gen­tü­mer ih­re Woh­nung nach ih­ren Vor­stel­lun­gen ge­stal­ten. Doch längst nicht über al­les dür­fen sie al­lein ent­schei­den.

Wem in ei­ner Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft was ge­hört, ist in der Tei­lungs­er­klä­rung ge­re­gelt. Un­ter­schie­den wird hier zwi­schen dem Ei­gen­tum al­ler – dem Ge­mein­schafts­ei­gen­tum – und dem Ei­gen­tum der ein­zel­nen Mit­glie­der, dem Son­der­ei­gen­tum. Sa­bi­ne Feu­er­sän­ger vom Ver­ein Woh­nen im Ei­gen­tum nennt ein Bei­spiel: „Will ein Ei­gen­tü­mer die Woh­nungs­tür oder die Fens­ter von au­ßen strei­chen oder sie aus­tau­schen, müs­sen die an­de­ren Mit­ei­gen­tü­mer zu­stim­men.“Oh­ne Ge­neh­mi­gung der Ge­mein­schaft ist das Mo­der­ni­sie­ren oder Tau­schen die­ser Be­stand­tei­le nicht er­laubt.

Auch wenn man den Grund­riss der ei­ge­nen Woh­nung ver­än­dern will, müs­sen die an­de­ren Ei­gen­tü­mer dies meist ge­neh­mi­gen. „Das gilt ins­be­son­de­re bei der Ve­rän­de­rung von tra­gen­den In­nen­wän­den“, er­klärt Ge­rold Happ vom Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus & Grund. Denn hier geht es um die Sta­tik – al­so die Si­cher­heit des Hau­ses.

Frei sind Ei­gen­tü­mer beim Ein­rich­ten der Woh­nung. Auch bei dem Strei­chen oder Ta­pe­zie­ren zählt al­lein der per­sön­li­che Ge­schmack. „Die Aus­stat­tung im Bad und in der Kü­che kön­nen Ei­gen­tü­mer eben­so nach ih­ren ei­ge­nen Vor­lie­ben aus­wäh­len“, er­klärt Feu­er­sän­ger. Bei der Gestal­tung des Bal­kons oder der Far­be der Mar­ki­se hö­ren die Frei­hei­ten hin­ge­gen schon wie­der auf: Hier kann die Ge­mein­schaft ein Wört­chen mit­re­den. „Denn da geht es um das ein­heit­li­che Ge­samt­bild der Wohn­an­la­ge“, er­läu­tert Eva Rein­hold-Pos­ti­na vom Ver­band pri­va­ter Bau­herrn. Des­halb dür­fen Ein­bau­ten auf dem Bal­kon in der Re­gel nicht sicht­bar sein. Hal­ten sich Ein­zel­ne nicht an die Ge­mein­schafts­ord­nung, kann die Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft sie ab­mah­nen oder vor Ge­richt zie­hen.

Auch bei den The­men Hei­zungs­oder Was­ser­an­la­ge ist der Ein­zel­ne von der Ge­mein­schaft ab­hän­gig. „Was ei­ne Ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung mit der je nach Be­schluss­ge­gen­stand not­wen­di­gen Mehr­heit be­schließt, muss je­der ein­zel­ne Ei­gen­tü­mer mit­tra­gen und auch be­zah­len“, sagt Feu­er­sän­ger.

So­gar das Hal­ten ei­nes Tie­res kann die Ge­mein­schaft un­ter­sa­gen. Ei­ne Aus­nah­me: Der Ei­gen­tü­mer braucht das Tier aus The­ra­pie­grün­den. Dies soll­te er et­wa mit ei­ner Be­stä­ti­gung des Arz­tes be­le­gen kön­nen. Ob man in sei­ner Woh­nung et­wa ei­nen Hund oder ei­ne Kat­ze hal­ten darf, steht in der Tei­lungs­er­klä­rung, der Haus­ord­nung oder der Be­schluss­samm­lung, er­läu­tert sie. Die­se Un­ter­la­gen soll­ten Kauf­in­ter­es­sen­ten im­mer ge­nau prü­fen. Liegt kei­ne Ver­ein­ba­rung vor, muss der Ei­gen­tü­mer – an­ders als der Mie­ter – nie­man­den um Er­laub­nis fra­gen. Isa­bel­le Mod­ler, dpa

Fo­to: dpa

Die Wän­de dür­fen Ei­gen­tü­mer strei­chen, wie sie wol­len. Möch­ten sie aber auch die Woh­nungs­tür an­ders ge­stal­ten, müs­sen sie die an­de­ren Ei­gen­tü­mer fra­gen.

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