Me­thu­sa­lem der Mee­re

Der Grön­land­hai kann über 400 Jah­re alt wer­den. Kein an­de­res Wir­bel­tier hat ei­ne hö­he­re Le­bens­er­war­tung

Mittelschwaebische Nachrichten - - Mensch & Tier - VON WIL­LI­AM HAR­RI­SON-ZEHELEIN

Augs­burg Bis­lang galt die Rie­sen­schild­krö­te mit ei­ner Le­bens­er­war­tung von rund 250 Jah­ren als das äl­tes­te Wir­bel­tier der Welt. Wie die Fach­zeit­schrift Sci­ence be­rich­tet, ha­ben Wis­sen­schaft­ler der Uni Ko­pen­ha­gen nun her­aus­ge­fun­den, dass es im Nord­at­lan­tik ei­nen Hai gibt, der über 400 Jah­re alt wird: den Grön­land­hai.

Der Fleisch­fres­ser kann bis zu acht Me­ter lang und drei Ton­nen schwer wer­den. Die Wis­sen­schaft­ler ha­ben auch her­aus­ge­fun­den, dass es gan­ze 150 Jah­re dau­ert, bis er ge­schlechts­reif wird. Da der Grön­land­hai im Jahr nur et­wa ei­nen Zen­ti­me­ter wächst, gin­gen Mee­res­for­scher schon län­ger da­von aus, dass er ziem­lich alt wer­den kann. Nun gibt es end­lich Zah­len.

Da ei­ne kon­ven­tio­nel­le Al­ters­be­stim­mung der Knor­pel­fi­sche nicht mög­lich war, hat das in­ter­na­tio­na­le For­scher­team an­hand der Ra­dio­kar­bon­me­tho­de stich­pro­ben­mä­ßig das Al­ter von 28 Grön­land­hai­en be­stimmt. Es maß den Pro­t­e­in­ge­halt in den Au­gen­lin­sen der Haie und fand her­aus, dass das äl­tes­te Tier un­ge­fähr 392 Jah­re auf dem Bu­ckel ha­ben muss. „Das kal­te Was­ser ver­lang­samt das Wachs­tum und die bio­che­mi­sche Ak­ti­vi­tät der Tie­re. Das ver­län­gert letzt­end­lich ihr Le­ben“, sagt der Mee­res­for­scher Micha­el Oel­ler­mann in Sci­ence. Die Käl­te kön­ne bei den Hai­en be­stimm­te An­ti-Aging-Ge­ne ak­ti­vie­ren, die die Pro­te­in­bil­dung för­dern, schäd­li­che Mo­le­kü­le und In­fek­tio­nen ab­weh­ren und so­mit zur ho­hen Le­bens­er­war­tung der Haie maß­geb­lich bei­tra­gen. Der ge­naue Grund für ihr ho­hes Al­ter bleibt den­noch ein Rät­sel. Schließ­lich sind Grön­land­haie nicht die ein­zi­gen We­sen die­ser Grö­ßen­ord­nung, die in so kal­ten Ge­wäs­sern le­ben.

Trotz ih­rer sehr ho­hen Le­bens­er­war­tung sind die Grön­land­haie in der Rang­lis­te der äl­tes­ten Le­be­we­sen nicht auf Platz eins. Die in der Ost­see vor­kom­men­de Is­land­mu­schel kann näm­lich über 500 Jah­re alt wer­den. Und dann gibt es am Mee­res­bo­den der Ant­ark­tis noch ei­nen Rie­sen­schwamm, der so­gar über 10 000 Jah­re alt sein soll...

Foto: Ju­li­us Niel­sen, dpa

Der Grön­land­hai, auch als Eis­hai be­kannt, lebt im Nord­at­lan­tik und in den ark­ti­schen Mee­ren. Es dau­ert rund 150 Jah­re, bis er ge­schlechts­reif wird. Laut Welt­na­tur­schut­zu­ni­on gilt der Fisch als „po­ten­zi­ell ge­fähr­det“.

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