Ster­be­hil­fe für Ju­gend­li­chen

Ers­ter Fall in Bel­gi­en sorgt für Ent­set­zen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama -

Brüs­sel/Bonn Die ers­te An­wen­dung ak­ti­ver Ster­be­hil­fe bei ei­nem Min­der­jäh­ri­gen in Bel­gi­en stößt bei Kir­chen­ver­tre­tern und Pa­ti­en­ten­schüt­zern auf Pro­test und Em­pö­rung. Die Ita­lie­ni­sche Bi­schofs­kon­fe­renz sprach et­wa von ei­nem „Si­gnal des To­des“. Das Le­ben sei „hei­lig und muss im­mer an­ge­nom­men wer­den“, sag­te der Vor­sit­zen­de, Kar­di­nal An­ge­lo Ba­g­nas­co. Die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz warf Po­li­ti­kern Un­tä­tig­keit vor. „Nie­mand nimmt ei­ne sol­che Li­zenz zum Tö­ten zum An­lass, Bel­gi­ens Men­schen­rechts­stan­dards zu hin­ter­fra­gen“, kri­ti­sier­te Eu­gen Brysch. „Tö­tung auf Ver­lan­gen ist of­fen­bar kein Auf­re­ger mit­ten in Eu­ro­pa.“

Zu­vor war be­kannt ge­wor­den, dass in Bel­gi­en ei­nem oder ei­ner 17-Jäh­ri­gen Ster­be­hil­fe ge­leis­tet wor­den war. Zwei Jah­re nach der ent­spre­chen­den Ge­set­zes­än­de­rung sei die Re­ge­lung nun zum ers­ten Mal an­ge­wandt wor­den, er­klär­te ei­ne Ver­tre­te­rin der staat­li­chen Ster­be­hil­fe-Kom­mis­si­on am Sams­tag. Der Arzt, der die Ster­be­hil­fe ge­leis­tet ha­be, ha­be den Fall in der ver­gan­ge­nen Wo­che ge­mel­det. Der oder die Ju­gend­li­che wä­re bald 18 Jah­re alt und da­mit voll­jäh­rig ge­wor­den. Ein ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ner Be­richt zu dem Fall wer­de „in Kür­ze“vor­ge­legt, sag­te sie, oh­ne wei­te­re De­tails zu nen­nen.

Wie der Prä­si­dent der Ster­be­hil­fe-Kom­mis­si­on, Wim Di­stel­mans, der Zei­tung Het Nieuws­blad er­klär­te, litt der oder die Ju­gend­li­che an ei­ner un­heil­ba­ren Krank­heit. „Zum Glück gibt es nur sehr we­ni­ge Kin­der, für die Ster­be­hil­fe in Fra­ge kommt“, sag­te er. „Aber das be­deu­tet nicht, dass wir die­sen Kin­dern das Recht auf ei­nen wür­de­vol­len Tod ver­wei­gern soll­ten.“(kna, afp)

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