#Nich­tEgal

Wie die mäch­ti­ge Vi­deo­platt­form Youtu­be ge­gen Hass im In­ter­net vor­ge­hen will

Mittelschwaebische Nachrichten - - Internet & Multimedia -

Die On­line-Platt­form Youtu­be hat ge­mein­sam mit der Bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung (bpb) ei­ne Initia­ti­ve ge­gen Hass im Netz ge­star­tet. „Es ist nicht egal, wenn die Leu­te on­line und off­line nicht re­spekt­voll mit­ein­an­der um­ge­hen“, er­klär­te Pro­jekt­lei­te­rin Sa­bi­ne Frank von Goog­le.

Es sei nicht ge­nug, In­hal­te zu lö­schen. Das Dis­kus­si­ons­ver­hal­ten hier­zu­lan­de müs­se sich än­dern. Youtu­be wird – eben­so wie die gro­ßen so­zia­len Netz­wer­ke Face­book oder Twit­ter – im­mer wie­der vor­ge­wor­fen, nicht ef­fi­zi­ent ge­nug ge­gen pro­ble­ma­ti­sche In­hal­te vor­zu­ge­hen.

„Ich be­ob­ach­te mit Sor­ge ei­ne ge­wis­se Ver­ro­hung der po­li­ti­schen Dis­kus­sio­nen, so­wohl on­line, aber auch off­line“, sag­te bpb-Prä­si­dent Tho­mas Krü­ger. Die Initia­ti­ve #Nich­tEgal soll im Netz aber auch über ana­lo­ge Mul­ti­pli­ka­to­ren funk­tio­nie­ren. 22 Youtuber – dar­un­ter sind prominente Na­men wie Die Lochis, MrWis­sen2Go oder die Dat­tel­tä­ter – set­zen sich in ei­nem ge­mein­sa­men Vi­deo für mehr To­le­ranz und De­mo­kra­tie ein und ru­fen zum Mit­ma­chen auf.

Dar­über hin­aus wol­len ei­ni­ge der Vi­deo-Künst­ler di­rekt an Schu­len ak­tiv sein. „An 40 Schu­len wer­den wir vor­bei­schau­en und er­klä­ren, wie ihr zu Ex­per­ten ge­gen Hass wer­det“, er­klär­te Youtu­be-Star MrWis­sen2Go in ei­nem Clip. Bei 200 Work­shops sol­len rund 6000 Ju­gend­li­che zu Men­to­ren aus­ge­bil­det wer­den. Für Leh­rer stellt die bpb Un­ter­richts­ma­te­ri­al be­reit. Wel­che Schu­len ins Boot ge­nom­men wer­den, wur­de zu­nächst nicht be­kannt. Ziel sei es, ei­ne Be­we­gung zu star­ten, „die von ei­ner gro­ßen Mehr­heit der Men­schen in die­sem Land ge­tra­gen wird und al­le er­mu­tigt, Hass­kom­men­ta­ren im Netz häu­fi­ger ent­ge­gen­zu­tre­ten“, sag­te Frank. Noch im­mer mel­de nur ein klei­ner Teil der Nut­zer pro­ble­ma­ti­sche In­hal­te auf Youtu­be. Für sol­che Meldungen gibt es in Youtu­be ei­nen ei­ge­nen But­ton.

Nach An­ga­ben der Goog­le-Toch­ter Youtu­be lösch­te der Kon­zern 2014 welt­weit 14 Mil­lio­nen In­hal­te, 2015 wa­ren es be­reits 92 Mil­lio­nen. Al­ler­dings wächst gleich­zei­tig die Zahl der hoch­ge­la­de­nen In­hal­te ra­sant und hat sich von 2014 bis heu­te ver­vier­facht. So wer­den ak­tu­ell 400 St­un­den Ma­te­ri­al mi­nüt­lich welt­weit auf Youtu­be hoch­ge­la­den. Und: Von den 92 Mil­lio­nen ge­lösch­ten In­hal­ten stand nach An­ga­ben der Be­trei­ber nur ein Bruch­teil (ein Pro­zent) im Zu­sam­men­hang mit Hass­kom­men­ta­ren oder ter­ro­ris­ti­schen In­hal­ten. Größ­ten­teils han­del­te es sich bei dem ent­fern­ten Ma­te­ri­al um Spam, Por­no­gra­fie oder sons­ti­ge In­hal­te, die ge­gen die Youtu­be-Richt­li­ni­en ver­stie­ßen.

Un­ter­stützt wird #Nich­tEgal von der Frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­le Mul­ti­me­dia-Di­ens­te­an­bie­ter (FSM) so­wie dem Men­to­ren­pro­gramm Di­gi­ta­le Hel­den. Die Schirm­herr­schaft hat Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) über­nom­men. Wie viel sich Youtu­be die Kam­pa­gne kos­ten lässt, woll­te der Kon­zern nicht ver­ra­ten. Ei­ne ähn­li­che Initia­ti­ve soll bald auch in an­de­ren Län­dern star­ten, et­wa in Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich. (dpa)

Fo­to: Hen­ning Kai­ser, dpa

Das sind die „Lochis“, zwei äu­ßerst er­folg­rei­che Youtu­be-Stars. Auch sie un­ter­stüt­zen die Initia­ti­ve der Vi­deo­platt­form ge­gen Hass im Netz.

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