„Mops­fi­del“in den Krieg ge­zo­gen

An­ne Ja­cobs liest aus ih­rer Tri­lo­gie über ei­ne Augs­bur­ger In­dus­tri­el­len­fa­mi­lie

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON ELI­SA­BETH SCHMID

Krum­bach „Augs­burg ist ei­ne tol­le Stadt, nehm’ ich doch Augs­burg für mei­ne Fa­mi­li­en­sa­ga“, mein­te die Au­to­rin schmun­zelnd auf die Fra­ge, war­um sie die Ge­schich­te in Augs­burg spie­len lässt.

Vor Kur­zem fand im Rah­men des Li­te­ra­tur­herbs­tes ei­ne Le­sung der Au­to­rin An­ne Ja­cobs in der Bü­che­rei Krum­bach statt. An­ne Ja­cobs stell­te ih­re Ro­ma­ne die „Tuch­villa“und „Töch­ter der Tuch­villa“vor. Die Ge­schich­te er­zählt die Fa­mi­li­en­sa­ga ei­ner Augs­bur­ger In­dus­tri­el­len­fa­mi­lie zu Be­ginn des Jah­res 1913.

Ma­rie, ein Wai­sen­mäd­chen be­wirbt sich bei der Fa­mi­lie Mel­zer als Un­ter den kri­ti­schen Au­gen der Haus­da­me der Vil­la muss sie be­ste­hen. Die gro­ßen, sanf­ten Au­gen und das stil­le und doch selbst­si­che­re Auf­tre­ten von Ma­rie über­zeu­gen die Haus­da­me. Sie wird in Di­enst ge­nom­men.

Die Au­to­rin schil­dert an­schau­lich wie es da­mals in den Her­ren­häu­sern aus­sah. Die Vil­la, ein ro­tes Back­stein­haus, be­schäf­tig­te neun Hau­s­an­ge­stell­te. Das Per­so­nal isst in der Kü­che und schläft in en­gen Räu­men un­ter dem Dach. Sie be­nut­zen ei­ne ei­ge­nen Trep­pe im Ge­gen­satz zu der herr­schaft­lich ge­schwun­ge­nen Trep­pe der Vil­la. Über­haupt darf das Per­so­nal die Räu­me nur zum Be­die­nen der Herr­schaft be­tre­ten. Das Buch han­delt von dem Wer­de- gang des Wai­sen­mäd­chens Ma­rie. Im zwei­ten Buch, Die „Töch­ter der Tuch­villa“be­ginnt der Ers­te Wel­tHaus­mäd­chen. An­ne Ja­cobs wur­de am 28. No­vem­ber 1950 in Han­no­ver ge­bo­ren. Sie stu­dier­te Mu­sik und Spra­chen. Sie woll­te Opern­sän­ge­rin wer­den. Nach­dem sie zwei Kin­der be­kam, be­gann sie mit dem Schrei­ben. An­ne Ja­cobs ist ihr Pseud­onym. Die Au­to­rin schreibt aus­schließ­lich his­to­ri­sche Ro­ma­ne. Die Ro­ma­ne spie­len nicht nur in Deutsch­land, son­dern in ganz Eu­ro­pa. Heu­te lebt sie im Tau­nus. (liss) krieg. Wie die­ser Krieg die Fa­mi­lie be­ein­träch­tigt schil­dert die Au­to­rin an­schau­lich. Ihr Va­ter, ge­ra­de mal 20 Jah­re alt wur­de in den Krieg ein­ge­zo­gen. Sie schil­dert mit wie viel Freu­de und Stolz die jun­gen Män­ner in das Aben­teu­er Krieg zo­gen. Die Brie­fe ih­res Va­ters an sei­ne Mut­ter, ih­rer Groß­mut­ter, in­spi­rier­ten An­ne Ja­cobs zu den Er­leb­nis­sen des jun­gen Paul Mel­zer, des Soh­nes der Fa­mi­lie, mit dem Ma­rie jetzt ver­hei­ra­tet ist, zu be­rich­ten.

Paul ver­ab­schie­det sich am Vor­abend sei­ner Reise von Ma­rie. Viel Zeit für lie­ben­de Umar­mun­gen bleibt ih­nen nicht, da Ma­rie vor zwei Ta­gen Zwil­lin­ge ge­bo­ren hat. Aus dem Feld schreibt er fast täg­lich Brie­fe. Zu An­fang noch eu­pho­risch, wie: „Mei­ne ge­lieb­te Ma­rie, wir sind al­le mops­fi­del und ich spie­le mit mei­nen Ka­me­ra­den abends Kar­ten. Mach dir kei­ne Sor­gen, ich lie­be dich“. Spä­ter wer­den die Brie­fe nicht mehr so eu­pho­risch sein, die Rea­li­tät des Krie­ges hat sie ein­ge­holt. Aber das ver­spricht die Au­to­rin, Paul kehrt zu­rück aus dem Krieg. An­ne Ja­cobs kün­digt auch gleich den drit­ten Teil der Fa­mi­li­en­sa­ga an, der im De­zem­ber 2016 er­schei­nen soll.

Dort geht es dann um das Er­be und die Kin­der der In­dus­tri­el­len­fa­mi­lie Mel­zer. An­ne Ja­cobs zog mit ih­rer Ge­schich­te über die Fa­mi­lie Mel­zer die zahl­reich er­schie­ne­nen Be­su­cher schnell in ih­ren Bann und mach­te Lust, mehr über das Schick­sal der Augs­bur­ger In­dus­tri­el­len­fa­mi­lie zu er­fah­ren.

An­ne Ja­cobs

Fo­to: Eli­sa­beth Schmid

An­ne Ja­cobs stell­te zwei Bü­cher aus ih­rer Tri­lo­gie vor.

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