Ei­ne Ver­tei­di­gung der Lie­be

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Zu „Lek­ti­on in Sa­chen Lie­be” (100 gro­ße Ge­dich­te, Feuille­ton) vom 20. Sep­tem­ber: Der In­ter­pre­ta­ti­on des Ber­tol­tB­recht-Ge­dichts „Ter­zi­nen über die Lie­be“sei ein wei­te­rer Aspekt hin­zu­ge­fügt: Das Ge­dicht in der Druck­fas­sung von 1931 mit klas­si­schem Ter­zi­nen-Teil und er­gänz­tem Dia­log-Teil ba­siert auf der vor­aus­ge­hen­den Opern­fas­sung. In der Brecht-Weill-Oper „Auf­stieg und Fall der Stadt Ma­ha­gon­ny“von 1929 bil­det der ge­sam­te Ge­dicht­text in der so­ge­nann­ten Bor­dell­sze­ne den be­rüh­ren­den Lie­bes­dia­log zwi­schen Jen­ny und Paul. Bei­de Lie­ben­den sind sich der Il­lu­si­on und da­mit der Ver­gäng­lich­keit ih­rer Lie­be be­wusst. Gleich­zei­tig wis­sen sie aber auch um den Schutz bzw. „Halt“der Lie­be un­ter der Vor­aus­set­zung, dass ih­re Lie­be bleibt. („Wenn sie nur nicht ver­ge­hen und sich blei­ben“) Der Zweif­ler Brecht schreibt un­ter Be­to­nung sei­ner re­la­ti­vis­ti­schen Welt­sicht gleich­sam ei­ne Ver­tei­di­gung der Lie­be, wenn er im letz­ten Vers sagt: „So scheint die Lie­be Lie­ben­den ein Halt.“Karl Grei­sin­ger, Augs­burg

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.