Wenn die Lie­be Win­ter­schlaf hält

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wetter | Roman - VON JO­SEF KARG jok@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de Herbst­ge­dan­ken

End­lich mal wie­der ganz be­freit Tr­üb­sal bla­sen! Ja, das wär’s! Aber ver­flixt, die Ta­ge sind noch im­mer so schön und leuch­tend, dass es mit der Herbst­de­pres­si­on bei den meis­ten nicht so recht funk­tio­niert. Die Leu­te sind ein­fach zu gut drauf, um sich ins Bo­den­lo­se ab­glei­ten zu las­sen.

Al­ler­dings spä­tes­tens mit dem En­de der Münch­ner Wiesn in ei­ner Wo­che, wenn es schon nach­mit­tags dun­kelt, wenn die Ne­bel­schwa­den ei­nem die Sicht ver­stel­len, dann wird ei­nen der Man­tel der Jah­res­zeit nicht mehr wär­men. Dann ist es höchs­te Zeit für ein ku­sche­li­ges Stim­mungs­tief.

Grün­de da­für gibt es vie­le. Es wer­den we­ni­ger Glücks­hor­mo­ne pro­du­ziert, lau­tet ei­ner. Ei­gent­lich wür­de der Mensch jetzt ger­ne Win­ter­schlaf hal­ten. Weil er aber kein Bär ist und kein Igel und als Event-Sücht­ling im Win­ter das schnei­di­ge Ski­fah­ren nicht ver­pas­sen will, muss er wach blei­ben.

In so ei­ner Grund­stim­mung ge­dei­hen in die­sen Wo­chen wun­der­bar Ag­gres­sio­nen: Nicht zu­letzt dar­um gilt der Herbst auch als die Jah­res­zeit der Tren­nun­gen. Ge­meint sind nicht nur die ster­ben­den Blät­ter, die die Bäu­me oh­ne Gna­de fal­len las­sen. Wir spre­chen vom En­de der Lie­be. Je­des Part­ner­in­sti­tut kann das be­le­gen. Mit dem Som­mer geht die Lie­be, die Ge­füh­le für­ein­an­der er­kal­ten. Im Herbst geht’s aus­ein­an­der.

Die Tren­nung von Brad Pitt und An­ge­li­na Jo­lie als Bei­spiel her­an­zu­füh­ren, wä­re al­ler­dings nicht red­lich. Weil die bei­den ja im ewi­gen Som­mer Ka­li­for­ni­ens zu­hau­se sind und ei­nen Ro­sen­krieg füh­ren, der un­ter den hie­si­gen küh­len kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen gar nicht aus­bre­chen könn­te.

Aber auch Max Mus­ter­mann ist vor ei­ner Herbst­schei­dung nicht ge­feit. Be­trof­fe­ne kön­nen sich Tipps für die Erst­ver­sor­gung des waid­wun­den Her­zens goo­geln und sich bis zum Früh­jahr mit dem Schla­ger trös­ten: „Ei­ne neue Lie­be ist wie ein neu­es Le­ben...“

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