Eins greift ins an­de­re

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON AN­TON SCHWANKHART as@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Nur mal an­ge­nom­men, Franck Ri­bé­ry hät­te für sei­nen be­herz­ten Zwei-Fin­ger-Kniff an die Wan­ge von Ni­co­lai Müller, das für die ei­nen Bart­pfle­ge, für an­de­re ver­such­te Kör­per­ver­let­zung war, die in sol­chen Fäl­len mög­li­che Ro­te Kar­te ge­se­hen – es wä­re vie­les an die­sem und den nächs­ten Ta­gen, ja viel­leicht auch den fol­gen­den Wo­chen, Mo­na­ten und Jah­ren an­ders ge­lau­fen. Ganz si­cher ist: Der fran­zö­si­sche Rü­pel, des­sen fuß­bal­le­ri­sche Klas­se in di­rekt um­ge­kehr­tem Ver­hält­nis zu sei­nen Ma­nie­ren steht, hät­te Mi­nu­ten spä­ter nicht ei­nen Qu­er­pass auf den Kol­le­gen Jos­hua Kim­mich spie­len kön­nen. Na­tür­lich hät­te Kim­mich da­mit auch nicht je­nen Ball ins Ham­bur­ger Tor be­för­dern kön­nen, der Bru­no Lab­ba­dia das En­de als HSVTrai­ner be­rei­tet hat.

Der Sport­vor­stand hät­te sich schwer da­mit ge­tan, dem Trai­ner, der Hamburg ge­ra­de ge­gen die über­mäch­ti­gen Bay­ern zum Punkt­ge­winn ge­führt hat, den Stuhl vor die Tür zu stel­len. Lab­ba­dia wä­re noch heu­te im Amt, hät­te in den nächs­ten Wo­chen mög­li­cher­wei­se das Bay­ern-Re­mis zur Er­folgs­se­rie aus­ge­baut, wä­re in die Eu­ro­pa Le­ague ein­ge­zo­gen und hät­te in ein paar Jah­ren das wie­der­holt, was der Klub 1983 schon ge­schafft hat – die Kö­nigs­klas­se ge­won­nen. So greift manch­mal eins ins an­de­re. Oder auch nicht – weil das Ur­teil über Lab­ba­dia schon vor dem Bay­ern-Spiel ge­spro­chen war. Es ab­zu­wen­den, da­zu hat­te der 48-Jäh­ri­ge in den vor­aus­ge­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­ren Ge­le­gen­heit. Den HSV wei­ter­zu­ent­wi­ckeln ist ihm nicht ge­lun­gen. Zu­letzt spen­dier­te HSV-In­ves­tor Küh­ne 30 Mil­lio­nen Eu­ro für Trans­fers. Wie es der­zeit aus­sieht, hät­te er das Geld auch in der Als­ter ver­sen­ken kön­nen.

Ein Punkt von zwölf mög­li­chen hat in Hamburg die Sor­ge ge­schürt, es kön­ne auf ei­ne zu­letzt mit­tel­mä­ßi­ge Sai­son wie­der ei­ne quä­len­de fol­gen. Zur sport­li­chen Mi­se­re ka­men Dif­fe­ren­zen mit der Klub­spit­ze und die Hal­tung Lab­ba­di­as, dem Raus­wurf er­ho­be­nen Haup­tes zu be­geg­nen. Ei­ne ex­plo­si­ve Mi­schung, die je­den Trai­ner von der Bank fegt.

Nicht al­le aber flie­gen so auf­recht wie Lab­ba­dia, der nach dem Spiel ge­las­sen den Blick auf die Mann­schaft und de­ren star­ken Auf­tritt ge­gen den FC Bay­ern ge­lenkt hat. Ge­ra­de­zu pein­lich war da­ge­gen der Eier­tanz von Sport­vor­stand Diet­mar Bei­ers­dor­fer. Im Grun­de aber war al­les wie im­mer. Vor­her­seh­bar, ge­le­gent­lich, wie im vor­lie­gen­den Fall, ein we­nig be­rüh­rend, und doch im­mer er­staun­lich. Nur, dass die­ses Mal Franck Ri­bé­ry sei­ne Hand im Spiel hat­te.

Screen­shot: Sky

Wan­genknei­fer oder Bart­prü­fer? Franck Ri­bé­ry (li.) in der Be­geg­nung mit Ham­burgs Ni­co­lai Müller.

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