Di­cke Luft um Ga­ra­gen

Geht es um die voll­ge­stopf­ten Car­ports und Stell­plät­ze der Nach­barn und Mie­ter, lie­gen die Ner­ven bei vie­len schnell blank. Wo die Frei­heit der Au­to­be­sit­zer en­det

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik | Geld & Leben - VON BERRIT GRÄ­BER

Augs­burg Vie­le Men­schen brin­gen im Früh­ling Haus, Hof und Car­port auf Vor­der­mann. Doch wenn der Nach­bar sein Ga­ra­gen­tor auf­schwingt und nach dem Win­ter den Blick ins In­ne­re frei­gibt, kommt es im­mer wie­der zu er­bit­ter­tem Streit. Denn nicht je­der Ver­mie­ter oder Mit­ei­gen­tü­mer ist da­mit ein­ver­stan­den, wenn je­mand den Be­reich als Hob­by­werk­statt nutzt oder der Gas­grill in­mit­ten ei­nes wil­den Sam­mel­su­ri­ums aus Lei­tern, Werk­zeug, al­ten Rei­fen und lee­ren Ge­trän­ke­kis­ten la­gert. Aber dür­fen Nach­barn oder Ver­mie­ter über­haupt mit­be­stim­men, was er­laubt ist und was nicht?

Was gilt grund­sätz­lich?

Die Ga­ra­ge ist recht­lich klar als Platz zum Ab­stel­len von Kraft­fahr­zeu­gen de­fi­niert, wie Ul­rich Ropertz, Spre­cher des Deut­schen Mie­ter­bunds, er­läu­tert. Wer vom Nach­barn oder Ver­mie­ter auf sei­ne „Rum­pel­kam­mer“an­ge­spro­chen wird, soll­te die Kri­tik ernst neh­men, sagt des­halb Ju­lia Wagner, Ju­ris­tin beim Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus und Grund Deutsch­land. Nie­mand darf sei­ne Ga­ra­ge, den Car­port oder Stell­platz nach Gut­dün­ken nut­zen. Ein­fach rein­stel­len, was im­mer man möch­te, geht nicht. Das gilt für den Be­sit­zer des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses mit ei­ge­ner Ga­ra­ge ge­nau­so wie für Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten mit Ga­ra­gen­hof, Tief- oder Dop­pel­ga­ra­gen. Bei Miet­sa­chen gilt der Grund­satz um­so mehr.

Was ist er­laubt?

In vie­len Lan­des­bau­ord­nun­gen ist fest­ge­schrie­ben, dass die Un­ter­stän­de nur im zu­läs­si­gen Rah­men ge­nutzt wer­den dür­fen. Das be­deu­tet kon­kret: In ers­ter Li­nie soll­te dort das Au­to sei­nen Platz fin­den – um die Stra­ßen zu ent­las­ten und Fahr­zeu­ge vor Dieb­stahl zu schüt­zen. Auch Zu­be­hör wie Rei­fen, Werk­zeug, Pfle­ge- und Putz­mit­tel dür­fen in ei­ner Ga­ra­ge ge­la­gert wer­den. Nicht nur Ei­gen­tü­mer, son­dern auch Mie­ter kön­nen zu­dem Mo­tor­rä­der, Mo­ped oder Fahr­rä­der da­rin par­ken. Ge­gen den Auf­bau not­wen­di­ger Re­ga­le oder Schrän­ke zum La­gern von Kfz-Zu­be­hör ist eben­falls nichts ein­zu­wen­den – al­ler­dings gilt das nicht für of­fe­ne Stell­plät­ze, wie das Amts­ge­richt Stutt­gart ent­schie­den hat (Az. 37 C 5953/15). Da­für darf der Mie­ter ei­nes Stell­plat­zes die vol­le Brei­te aus­nut­zen und selbst dann bis zum rech­ten Rand par­ken, wenn auf dem Nach­bar-Park­platz das Ein­stei­gen er­schwert wird (Amts­ge­richt Mün­chen, Az. 415 C 3398/13). Er darf auch vor sei­ner Ga­ra­ge ein Fahr­zeug ab­stel­len (Amts­ge­richt Ham­burg-Wands­bek, Az. 711 C 137/01).

Was geht gar nicht?

Ge­mäß der Lan­des­bau­ord­nun­gen dür­fen die Un­ter­stän­de nicht zweck­ent­frem­det wer­den. Sper­ri­ges wie Gar­ten­mö­bel, Gum­mi­boot, Mar­ki­se, Bier­bän­ke, al­te Bret­ter, ka­put­te Kühl­schrän­ke, der ver­ros­te­te Schwenk­grill oder die lee­ren Bier­kis­ten von der letz­ten Par­ty ge­hö­ren de­fi­ni­tiv nicht in die Ga­ra­ge. Sie darf nicht als „Er­satz­kel­ler“oder zu­sätz­li­cher Ab­stell­raum ge­nutzt wer­den, schon gar nicht als Büro oder Heim­ki­no. Wer nach ei­ner Re­no­vie­rung vor­über­ge­hend mal Bau­schutt in der Ga­ra­ge la­gert und da­für Schel­te von Nach­barn oder dem Ver­mie­ter kas­siert, soll­te um Ver­ständ­nis bit­ten – und das Ma­te­ri­al schnellst­mög­lich ab­trans­por­tie­ren. „Un­term Strich kann man sa­gen: Ist al­les so zu­ge­baut, dass kein Au­to mehr rein­passt, ist die Gren­ze des Er­laub­ten schon lan­ge über­schrit­ten“, sagt Wagner.

Wann ist Är­ger pro­gram­miert?

Vor al­lem das La­gern von Gas­grill, Gas­fla­schen, Ben­zin oder an­de­ren ge­fähr­li­chen, ex­plo­si­ven, brenn­ba­ren Stof­fen in Ga­ra­gen, im Car­port oder auf Stell­plät­zen sei ta­bu, mahnt Ropertz. Mie­ter, die vom Ei­gen­tü­mer des­halb ab­ge­mahnt und aus Brand­schutz­grün­den zum Räu­men ver­don­nert wer­den, soll­ten dem nach­kom­men – und die Sa­che nicht als Me­cke­rei ab­tun. Auch der Um­bau der Ga­ra­ge zur Hob­by- oder Ba­s­tel­werk­statt oder gar zur Schlaf­ge­le­gen­heit ist nicht er­laubt, we­der Mie­tern noch Ei­gen­tü­mern. Kom­mu­na­le Be­hör­den ma­chen zwar kei­ne Kon­troll­gän­ge durch Ga­ra­gen und Ga­ra­gen­hö­fe. Gibt ih­nen ein ver­är­ger­ter Nach­bar aber Hin­wei­se auf Nut­zungs­än­de­run­gen, kann es sehr wohl zu Stich­pro­ben kom­men – und schlimms­ten­falls Buß­gel­der nach sich zie­hen.

Was sagt das Miet­recht?

Mie­ter müs­sen sich an das Klein­ge­druck­te in ih­rem Miet­ver­trag hal­ten, wenn es um die Nut­zung der Ga­ra­ge oder des Stell­plat­zes geht. Der Ver­mie­ter hat das Sa­gen. Hat er ver­bo­ten, dass in der Ga­ra­ge zum Bei­spiel Fahr­zeu­ge re­pa­riert wer­den dür­fen, muss sich der Mie­ter da­ran hal­ten, egal, ob der Stell­platz zu­sam­men mit der Woh­nung oder se­pa­rat ge­mie­tet ist. Bei nicht ver­trags­ge­mä­ßer Nut­zung und er­heb­li­chen Ver­stö­ßen ris­kiert er die Kün­di­gung – und da­mit auch die Kün­di­gung ei­ner mit­ver­mie­te­ten Woh­nung, er­läu­tert Wagner.

Fo­to: GM Pho­to­gra­phy, Fo­to­lia

Vie­le nut­zen ih­re Ga­ra­ge als Ab­stell­platz für Werk­zeug, Lei­tern oder auch lee­re Ge­trän­ke­kis­ten. Streng ge­nom­men darf sie aber nicht zweck­ent­frem­det und wie ein „Er­satz kel­ler“be­han­delt wer­den.

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