Wann muss ein Flug­zeug in die Werk­statt?

Pas­sa­gie­re ent­deck­ten ein Loch in ei­ner Air-Ber­lin-Ma­schi­ne. Die Kri­tik an der Cr­ew reißt nicht ab

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON CHRIS­TI­AN GALL

Augs­burg Flug­zeu­ge gel­ten als si­che­res Ver­kehrs­mit­tel. Doch wenn die Ma­schi­ne of­fen­sicht­li­che Män­gel zeigt, wird den Flug­gäs­ten doch mul­mig. Jetzt er­eig­ne­te sich in Düsseldorf so ein Fall.

Als sie in ei­nen Air-Ber­lin-Flie­ger ein­stie­gen, ha­ben Pas­sa­gie­re ein Loch in der Au­ßen­hül­le ent­deckt. Nach An­ga­ben ei­nes Flug­gas­tes wies er das Per­so­nal auf den Scha­den hin – trotz­dem woll­te die Cr­ew den Flie­ger star­ten. Die Flug­ge­sell­schaft be­strei­tet die Aus­sa­gen des Pas­sa­giers: Nach­dem die Gäs­te an Bord ge­gan­gen wa­ren, in­spi­zier­te der Pi­lot dem­nach rou­ti­ne­mä­ßig das Flug­zeug, be­merk­te den Scha­den und sag­te den Start ab. Doch wie ge­nau muss ein Flug­zeug ei­gent­lich un­ter die Lu­pe ge­nom­men wer­den?

Ei­ne all­ge­mei­ne Ant­wort gibt es dar­auf nicht, sagt ei­ne Spre­che­rin des Luftfahrt-Bun­des­amts (LBA). Denn die Kon­trol­len sind auf das je­wei­li­ge Flug­zeug zu­ge­schnit­ten – für je­des Mo­dell exis­tiert ein ei­ge­ner Plan, den der Pi­lot vor dem Start ab­ar­bei­ten muss. „Ganz all­ge­mein lässt sich sa­gen, dass vor dem Start ei­nes Luft­fahr­zeu­ges ei­ne Viel­zahl von Checks durch­ge­führt wer­den.“Ei­ner die­ser Checks sei der so­ge­nann­te „walk around“des Pi­lo­ten. Die­ser läuft vor dem Start ein­mal kom­plett um die Ma­schi­ne, um mög­li­che Schä­den zu su­chen. Da­durch soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass Del­len oder Lö­cher in der Flug­zeug­hül­le oder an wich­ti­gen Bau­tei­len vor dem Ab­he­ben be­merkt wer­den.

Wenn dem Pi­lo­ten ein Scha­den auf­fällt, muss er han­deln – er darf aber nicht al­lei­ne ent­schei­den, ob die Ma­schi­ne flug­taug­lich ist. Dem LBA zu­fol­ge muss auch ein Tech­ni­ker den Scha­den be­gut­ach­ten. Um ein­zu­schät­zen, ob der Flie­ger in die Luft darf, hilft auch der Blick in ein be­stimm­tes Do­ku­ment, die so­ge­nann­te Min­dest­aus­rüs­tungs­lis­te. In die­ser ist je nach Flug­zeug­typ ge­nau auf­ge­führt, wel­che De­fek­te den Flug­be­trieb ver­hin­dern und wel­che un­ge­fähr­lich sind. So kann ein Flug­zeug et­wa mit ka­put­ten Lan­dungs­lich­tern flie­gen, wenn die Ma­schi­ne aus­schließ­lich tags­über un­ter­wegs ist. Die Min­dest­aus­rüs­tungs­lis­ten schrei­ben die Her­stel­ler der Flug­zeu­ge. Die Lis­ten müs­sen aber von ei­ner Auf­sichts­be­hör­de ge­neh­migt wer­den.

Über den Zwi­schen­fall mit der Air-Ber­lin-Ma­schi­ne in Düsseldorf wur­de das LBA in­for­miert. „In­wie­fern der Scha­den bei der Ma­schi­ne ei­ne Ge­fahr dar­stell­te, kann nur nach Be­gut­ach­tung durch ei­nen Sach­ver­stän­di­gen ge­klärt wer­den“, heißt es aus dem LBA. Und die­ses Gut­ach­ten steht der­zeit noch aus.

Fo­to: FrM, dpa

Ein Loch in ei­nem Flug­zeug ver­hin­der­te den Start.

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