„Ein Le­ben als Non­ne ist nichts für mich“

Ni­na Ho­ger spielt in der Se­rie „Um Him­mels Wil­len“Schwes­ter Theo­do­ra. Was sie über Re­li­gi­on denkt. Und wel­cher Ort ihr mehr be­deu­tet als ein Klos­ter

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama -

Frau Ho­ger, heu­te läuft um 20.15 Uhr in der ARD die 200. Fol­ge von „Um Him­mels Wil­len“. Sie spie­len in der Er­folgs­se­rie, die seit 2002 aus­ge­strahlt wird, Schwes­ter Theo­do­ra, die Mut­ter Obe­rin des Mag­da­le­nen-Or­dens von Klos­ter Kal­ten­thal. Wie ist das, ein Klos­ter zu lei­ten? Ni­na Ho­ger: Auf­re­gend. Vor al­lem, wenn man als Ge­gen­spie­ler ei­nen Herrn Wöl­ler hat, der ei­nem per­ma­nent das Klos­ter ab­ja­gen will. Es ist na­tür­lich kei­ne leich­te Auf­ga­be, denn der Or­den ist in chro­ni­scher Geld­not. Und so hat sich in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren in der Se­rie ein Spiel ent­wi­ckelt. Bür­ger­meis­ter Wöl­ler will das Klos­ter kau­fen, wir wol­len es be­hal­ten. Dar­aus speist sich die­ser Kon­flikt – auch in der 200. Fol­ge.

Und auch dies­mal ob­sie­gen die Schwes­tern? Ho­ger: Rich­tig. Ob­wohl Wöl­ler dies­mal sehr nah dran ist. Aber wir blei­ben uns treu.

Könn­ten Sie sich selbst vor­stel­len, in ei­nem Klos­ter zu le­ben? Ho­ger: Nein, ehr­lich ge­sagt nicht. Ich kann zwar je­den ver­ste­hen, der im Klos­ter ei­ne Aus­zeit zur Ent­schleu­ni­gung sucht. Aber für mich wä­re das nichts. Für mich ist mein Gar­ten mein Klos­ter. Das ist mein Rück­zugs­ort, wo ich run­ter­kom­men kann. Aber ein Klos­ter­le­ben, ein Le­ben als Non­ne, wä­re für mich gar nichts.

Wie sieht Ihr Gar­ten aus? Ho­ger: Es blüht al­les. Und in je­dem Fall gibt es im­mer et­was zu tun. Aber wenn man nicht auf­passt, wird man schnell Skla­ve sei­nes Gar­tens.

Der „Bild“-Zei­tung ha­ben Sie mal ge­sagt, Sie wür­den sich vor der stren­gen Schwes­ter Theo­do­ra selbst fürch­ten. War­um das denn? Ho­ger: Nein, vor der Schwes­ter Theo­do­ra muss man sich nicht fürch­ten. Die hat viel­leicht ei­ne har­te Scha­le, aber ei­nen wei­chen Kern. Die steht mit bei­den Bei­nen im Le­ben und muss gu­cken, dass der La­den läuft. Sie ist je­den­falls kein Be­sen.

Ist es rich­tig, dass Sie an an­de­ren Men­schen be­son­ders Ehr­lich­keit schät­zen? Ho­ger: Ja, ich schät­ze Ehr­lich­keit und Hu­mor, und ich mag es, wenn man sich auf ei­nen Men­schen ver­las- sen kann. Wich­tig fin­de ich auch, dass man ver­ant­wor­tungs­voll und rück­sichts­voll mit­ein­an­der um­geht. Was ich gar nicht mag, ist, wenn sich ei­ner als et­was Bes­se­res fühlt. Denn kein Mensch ist bes­ser als der an­de­re.

Sie sag­ten, bei Lü­gen sei­en Sie gna­den­los, flun­kern sei je­doch er­laubt. Wo zie­hen Sie da die Gren­ze? Ho­ger: Die Lü­ge be­inhal­tet im­mer ei­nen Vor­satz. Lü­gen fin­de ich ganz un­an­stän­dig. Das mag ich über­haupt nicht. Ich ha­be des­we­gen so­gar schon ein­mal ei­ne Freund­schaft be­en­det. Da bin ich sehr kon­se­quent.

Kön­nen Sie denn selbst gut ver­zei­hen? Ho­ger: Ja. Ich glau­be, letzt­lich kann ich das schon. Man muss ver­zei­hen, weil al­les an­de­re nichts bringt. Je­der Mensch macht mal Feh­ler. Man muss sich selbst nicht so wich­tig neh­men.

Fällt ei­nem das als be­kann­te Schau­spie­le­rin schwer, sich nicht so wich­tig zu neh­men? Ho­ger: Ich glau­be schon. Man muss das Le­ben mit Hu­mor be­trach­ten. Es ist ein kost­ba­res Gut.

Wie ist denn im wirk­li­chen Le­ben Ihr Ver­hält­nis zur Re­li­gi­on und zur Kir­che? Ho­ger: Ich bin kein gläu­bi­ger Mensch in dem Sin­ne, dass ich ei­ner Kon­fes­si­on an­ge­hö­re. Ich glau­be an das Jetzt und nicht an ein Le­ben nach dem Tod. Das hal­te ich für Quark.

Sie und Ih­re Mut­ter Han­ne­lo­re, sag­ten Sie ein­mal in ei­nem In­ter­view, sei­en Mut­ter und Toch­ter, sei­en auch Kol­le­gin­nen – Freun­din­nen al­ler­dings sei­en sie nicht. War­um? Ho­ger: Sie ist halt mei­ne Mut­ter und wird das im­mer blei­ben. Das heißt aber nicht, dass wir kein ver­trau­tes Ver­hält­nis zu­ein­an­der ha­ben. Im Ge­gen­teil, wir ge­hen sehr lie­be­voll mit­ein­an­der um. Aber ich glau­be nicht, dass man mit sei­nen El­tern freund­schaft­li­che Ver­hält­nis­se ha­ben kann. Freund­schaft ist et­was an­de­res.

„Lü­gen fin­de ich ganz un­an­stän­dig. Das mag ich über­haupt nicht.“

Gab es mal ei­ne Rol­le, die Sie lie­ber selbst über­nom­men hät­ten – an­statt dass Ih­re Mut­ter sie spiel­te? Ho­ger: Ne. So et­was ist mir voll­kom­men fremd. Ich freue mich über die gu­ten Rol­len mei­ner Mut­ter und bin mit mei­nen ei­ge­nen auch ganz zu­frie­den. In­ter­view: Jo­sef Karg

Fo­to: ARD/Bar­ba­ra Bau­riedl

Ni­na Ho­ger als Obe­rin Theo­do­ra in ei­ner Fol­ge von „Um Him­mels Wil­len“. Die ARD Pro­duk­ti­on zählt seit Jah­ren re­gel­mä­ßig zu den meist­ge­se­he­nen Se­ri­en Deutsch­lands mit teil­wei­se mehr als sie­ben Mil­lio­nen Zu­schau­ern. Auch die Fol­gen der ge­ra­de lau­fen­den 16. Staf­fel sind über­aus er­folg­reich.

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