Fit­ness­kur für Aus­tra­li­ens Wahr­zei­chen

Das spek­ta­ku­lä­re Opern­haus von Syd­ney wird ge­ne­ral­über­holt – mit baye­ri­scher Hil­fe

Mittelschwaebische Nachrichten - - Feuilleton -

Syd­ney 44 Jah­re nach der Er­öff­nung be­ginnt am Syd­ney Ope­ra Hou­se, ei­nem der be­rühm­tes­ten Opern­häu­ser der Welt, die ers­te Ge­ne­ral­über­ho­lung. Vor al­lem die Akus­tik soll ver­bes­sert wer­den. Denn so welt­weit be­kannt das Ge­bäu­de mit der mar­kan­ten Sil­hou­et­te auch ist, so be­rüch­tigt ist es in der Fach­welt we­gen des Klangs. Be­su­cher wie Mu­si­ker kla­gen seit vie­len Jah­ren über ei­ne Akus­tik zum Weg­hö­ren.

Das hängt mit der Ent­ste­hungs­ge­schich­te zu­sam­men. Den 1956 aus­ge­schrie­be­nen Wett­be­werb für ei­ne neue Na­tio­nal­oper mit­ten im Ha­fen ge­wann ein bis da­hin völ­lig un­be­kann­ter Ar­chi­tekt oh­ne gro­ße Er­fah­rung: der Dä­ne Jørn Ut­zon. Sein Mo­dell, ein hy­per­mo­der­ner Schach­tel­bau aus ver­schie­de­nen Mu­scheln, schien nicht von die­ser Welt. Ent­spre­chend kom­pli­ziert ge­stal­te­te sich die Um­set­zung. Der Bau mit sei­nen ins­ge­samt fünf Thea­tern soll­te vier Jah­re dau­ern, zog sich dann aber über 14 Jah­re hin. Aus ge­plan­ten Kos­ten von sie­ben Mil­lio­nen Dol­lar wur­den bis zur Er­öff­nung 1973 schließ­lich 121. Ut­zon selbst war da schon längst nicht mehr da­bei, son­dern zu­rück in Eu­ro­pa, aus Aus­tra­li­en ge­schie­den in bö­sem Streit. Er starb 2008. Mit ei­ge­nen Au­gen sah er sein Meis­ter­werk nie.

So spek­ta­ku­lär bis heu­te die Fas­sa­de ist, so ver­al­tet ist die tech­ni­sche Aus­stat­tung im In­ne­ren. Und dann eben das Pro­blem mit der Akus­tik. Der Per­kus­sio­nist Mark Ro­bin­son klag­te jüngst: „Es ist, als ob man in dich­tem Ne­bel auf dem Fuß­ball­platz steht. Du weißt: Ir­gend­wo müs­sen auch dei­ne Mit­spie­ler sein.“Nun soll die Akus­tik an mo­der­ne Stan­dards an­ge­passt wer­den. Den Zu­schlag da­für er­hielt nach ei­ner welt­wei­ten Aus­schrei­bung das In­ge­nieur­bü­ro Mül­ler-BBM aus Pla­negg bei Mün­chen. Die Bay­ern gel­ten in sol­chen An­ge­le­gen­hei­ten als ab­so­lu­te Ex­per­ten. Sie wa­ren auch schon an der Re­no­vie­rung des Bol­schoi-Thea­ters in Mos­kau und am Wie­der­auf­bau des Fe­nice-Thea­ters in Ve­ne­dig be­tei­ligt.

Die Ge­ne­ral­über­ho­lung des Syd­ney Ope­ra Hou­se ist nun das neu­es­te Pres­ti­ge­pro­jekt. Der An­fang wird im zweit­größ­ten Saal, dem Jo­anSu­ther­land-Thea­ter, ge­macht. Zum Jah­res­wech­sel, nach nicht ein­mal sie­ben­ein­halb Mo­na­ten, soll es schon wie­der öff­nen. Der Pro­jekt­lei­ter von Mül­ler-BBM, Jür­gen Rein­hold, hält das für „wahn­sin­nig sport­lich“. Für die Syd­ney-Oper, seit 2007 auch Unesco-Welt­kul­tur­er­be, gel­ten stren­ge Auf­la­gen. Bei al­len Um­bau­ten sind Denk­mal­schüt­zer da­bei. Mit­te 2019 kommt dann der gro­ße Kon­zert­saal der Syd­ney-Oper mit sei­nen fast 2700 Plät­zen an die Rei­he, eben­falls un­ter Lei­tung von Mül­ler-BBM. Für das „akus­ti­sche Up­gra­ding“(Rein­hold), zu dem auch ei­ne neue Be­stuh­lung ge­hört, bleibt er ver­mut­lich an­dert­halb Jah­re ge­schlos­sen.

Ak­tu­ell hat die Oper pro Jahr 8,2 Mil­lio­nen Be­su­cher. Da­mit ist sie Aus­tra­li­ens Se­hens­wür­dig­keit Num­mer eins. Mehr als 1,5 Mil­lio­nen sa­hen sich ver­gan­ge­nes Jahr aber auch die Vor­stel­lun­gen an. Sechs Jah­re soll die Ge­ne­ral­sa­nie­rung dau­ern. Die Kos­ten, so zu­min­dest die ak­tu­el­le Schät­zung: an­nä­hernd 275 Mil­lio­nen aus­tra­li­sche Dol­lar, al­so et­wa 190 Mil­lio­nen Eu­ro. Chris­toph Sator, dpa

Fo­to: dpa

Ar­chi­tek­to­nisch spek­ta­ku­lär: Syd­neys Opern­haus.

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