Wie beugt man Le­gio­nel­len im Lei­tungs­was­ser vor?

Wenn Haus­ver­wal­tung, Ei­gen­tü­mer und Be­woh­ner ih­re Pflich­ten ein­hal­ten, pro­fi­tie­ren am En­de al­le

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON STE­PHA­NIE LO­RENZ

Günz­burg Hängt im Wohn­haus ei­ne Le­gio­nel­len-War­nung aus, re­agie­ren die Be­woh­ner ent­we­der mit Pa­nik oder Gleich­gül­tig­keit, hat Edith Ma­scha fest­ge­stellt. Sie ist Ge­schäfts­füh­re­rin der Haus + Grund­be­sitz Im­mo­bi­li­en GmbH, die die Wohn­an­la­ge in Günz­burg ver­wal­tet, in der kürz­lich ei­ne er­höh­te Le­gio­nel­len­kon­zen­tra­ti­on ge­mes­sen wur­de.

Da­zu stellt sie klar, dass ei­ne Ge­fähr­dungs­ana­ly­se längst in Auf­trag ge­ge­ben wur­de. Die Be­woh­ner ha­be man per Aus­hang in­for­miert. Na­tür­lich auf Deutsch, sagt sie, denn in dem Ob­jekt in der Augs­bur­ger Stra­ße in Günz­burg leb­ten 15 Na­tio­na­li­tä­ten und ei­nen Aus­hang in al­len Spra­chen zu ver­fas­sen, sei kaum mach­bar. Ge­ne­rell stellt sie fest, „dass ganz vie­le Leu­te über­haupt kei­ne Ah­nung ha­ben von Le­gio­nel­len“. Da­her sei es wich­tig, Be­woh­ner und Ei­gen­tü­mer zu sen­si­bi­li­sie­ren. Denn vie­le Pflich­ten laut Trink­was­ser­ver­ord­nung sei­en oft ein­fach nicht be­kannt. So sei­en die Be­woh­ner bei­spiels­wei­se ver­pflich­tet, al­le 72 St­un­den die Lei­tun­gen zu spü­len, er­klärt Ma­scha. Der für das Haus zu­stän­di­ge Ener­gie­dienst­leis­ter Te­chem hat ei­nen Spül­plan ent­wor­fen, in dem es un­ter an­de­rem heißt: „Die Ent­nah­me­stel­le ist drei Mi­nu­ten mit hei­ßem und an­schlie­ßend drei Mi­nu­ten mit kal­tem Was­ser zu spü­len“.

Denn steht das Was­ser lan­ge in der Lei­tung, kön­nen sich die Kei­me ver­meh­ren und Brut­stät­ten ent­ste­hen. Das größ­te Pro­blem in Wohn­an­la­gen er­gibt sich Ma­scha zu­fol­ge da­her auch, wenn ein Be­woh­ner im Ur­laub ist, ei­ne Woh­nung län­ger leer steht oder nur am Wo­che­n­en­de be­wohnt wird und so­mit nicht re­gel­mä­ßig ge­spült wird. Laut Trink­was­ser­ver­ord­nung müss­ten die Be­woh­ner oder Ei­gen­tü­mer für die­sen Zei­t­raum theo­re­tisch je­man­den be­auf­tra­gen, der re­gel­mä­ßig die Lei­tun­gen spült, sagt sie. In­zwi­schen ge­be es so­gar Ar­ma­tu­ren, die das au­to­ma­tisch ma­chen.

Ein an­de­rer Punkt sei, Ar­ma­tu­ren, Dusch­schläu­che und Per­la­to­ren re­gel­mä­ßig zu rei­ni­gen und zu er­neu­ern, da­mit sich dort kei­ne Kei­me fest­setz­ten. Der Per­la­tor, auch Strahl­reg­ler ge­nannt, ist ei­ne Dü­se, die oft am Aus­lauf des Was­ser­hahns an­ge­bracht ist. Die Initia­ti­ve Raum­luft und Trink­was­ser emp­fiehlt auf ih­rer Web­sei­te, die­sen min­des­tens ein­mal pro Jahr aus­zu­tau­schen.

Edith Ma­scha fragt sich au­ßer­dem, ob der Grenz­wert von 100 ko­lo­ni­en­bil­den­den Ein­hei­ten (KBE) pro 100 Mil­li­li­ter – so viel be­trägt die ein­zu­hal­ten­de Le­gio­nel­len­kon­zen­tra­ti­on nach der Ver­ord­nung – nicht zu nied­rig an­ge­setzt ist. „Das ist mei­ne sub­jek­ti­ve Mei­nung. Es ha­ben aber auch schon Fach­leu­te zu mir ge­sagt“, er­klärt sie. Schließ­lich müs­se man Du­schen laut Ge­setz­ge­ber erst ab 10000 KBE sper­ren. In der Günz­bur­ger Wohn­an­la­ge wa­ren 3100 KBE ge­mes­sen wor­den.

„Ich weiß noch nicht, was hier die Ur­sa­che ist“, sagt sie. Die Heiz­an­la­ge sei re­la­tiv neu, ther­mi­sche Re­gu­lier­ven­ti­le ver­baut und die vor­ge­ge­be­nen Tem­pe­ra­tu­ren na­he­zu über­all er­reicht. „Wir müs­sen schau­en, dass die tech­ni­schen An­la­gen in Ord­nung sind.“Ma­scha wünscht sich aber auch ent­spre­chen­des Nut­zer­ver­hal­ten. „Je­der schimpft, dass die Wohn­kos­ten so hoch sind, aber die Auf­la­gen, die man als Ei­gen­tü­mer be­kommt und die gan­zen Pro­ben, Ana­ly­sen und Maß­nah­men sind auch ein Kos­ten­trei­ber.“

Fo­to: Weiz­enegger

Le­gio­nel­len ver­meh­ren sich am bes­ten bei 25 bis 50 Grad.

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