Schluss­pfiff für den fre­chen Ex­per­ten

Meh­met Scholl hat als Co-Mo­de­ra­tor vie­le Fans – auch wenn er manch­mal zu weit geht. Jetzt ist er sei­nen Job los. Es ist nicht der ein­zi­ge Rück­schlag für ihn

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Steht Meh­met Scholl im Fern­seh­stu­dio, das Mi­kro­fon ak­ku­rat vor sein Schwie­ger­sohn­lä­cheln ge­hal­ten, das Hemd bis oben hin zu­ge­knöpft, kä­me auf den ers­ten Blick kei­ner auf die Idee, dass die­ser Bur­sche ir­gend­wo an­ecken könn­te. Das oft et­was un­auf­fäl­li­ge Äu­ßer­li­che täuscht. Scholl sagt, was er denkt, macht sich kei­ne Ge­dan­ken über Be­find­lich­kei­ten, die er da­mit ver­letzt. Das hat ihm schon so man­chen Är­ger ein­ge­bracht.

Jetzt steht er wie­der in den Schlag­zei­len. Die ARD hat die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ex-Pro­fi­fuß­bal­ler be­en­det. Das Iro­ni­sche: Dies­mal geht es um et­was, was er nicht ge­sagt hat. Ei­nen Be­richt zu rus­si­schen Do­ping-Prak­ti­ken woll­te der Ex­per­te nicht kom­men­tie­ren und ver­ließ statt­des­sen das Stu­dio.

Es ist die­ses Stu­re, das Scholl manch­mal wie ein Kind er­schei­nen lässt, und das sei­ne Fans als er­fri­schen­des Ele­ment in der oft drö­gen Fern­seh­welt er­le­ben. So­sehr der 46-Jäh­ri­ge manch­mal auch po­la­ri­siert: Scholl ist in Deutsch­land gern ge­se­hen. Und das nicht erst seit sei­ner Tä­tig­keit als TV-Ex­per­te.

An­fang der 1990er – da­mals war der Sohn ei­ner Deut­schen und ei­nes Tür­ken aus sei­ner Hei­mat­stadt Karls­ru­he zum gro­ßen FC Bay­ern ge­wech­selt –, ent­wi­ckelt sich der jun­ge Ki­cker zum Te­e­nieSchwarm. Scholl gibt nicht den har­ten Fuß­bal­ler, son­dern schaut statt­des­sen knapp be­klei­det von den Wän­den der Mäd­chen­zim­mer. Ei­ne Art Beck­ham der Bun­des­li­ga.

Das Sex-Sym­bol ist auch als Fuß­bal­ler er­folg­reich. Mit den Bay­ern wird der tech­nisch ver­sier­te Mit­tel­feld-Stra­te­ge acht­mal Meis­ter und ge­winnt die Cham­pi­ons Le­ague, da­zu den EM-Ti­tel 1996. Ver­let­zun­gen ver­hin­dern ei­ne län­ge­re Lauf­bahn in der Na­tio­nal­elf. Nach nur 36 Ein­sät­zen ist Schluss. Als Trai­ner der zwei­ten Mann­schaft des FCB schafft er kei­nen Durch­bruch. 2008, ein Jahr nach sei­nem Kar­rie­re­en­de, holt ihn die ARD als Ex­per­ten. Als sol­cher fällt Scholl vor al­lem mit sei­nen fre­chen Sprü­chen auf. Den Zu­schau­ern ge­fällt das. Für sei­nen Job bei der WM 2014 be­kommt er den Deut­schen Fern­seh­preis. Wir­bel löst er mit sei­nem wohl be­kann­tes­ten Satz aus – der Sor­ge, dass sich Na­tio­nal­stür­mer Ma­rio Go­mez „wund ge­le­gen“ha­be. Ei­ni­gen geht das zu weit. Wohl auch Scholl selbst, der sich spä­ter bei Go­mez ent­schul­digt.

Jetzt ist er den Ex­per­ten-Pos­ten los. Es ist der zwei­te Rück­schlag in­ner­halb ei­nes Jah­res. En­de 2016 ha­ben sich Scholl und sei­ne Frau Jes­si­ca nach zehn Jah­ren Ehe ge­trennt. Zu­sam­men ha­ben sie zwei Töch­ter.

Aus ers­ter Ehe, nach de­ren En­de er 1996 in ein tie­fes Loch fiel, hat Meh­met Scholl sei­nen Sohn Lu­cas, ei­nen Fuß­bal­ler. Der 21-Jäh­ri­ge spiel­te einst im Nach­wuchs der Bay­ern, mitt­ler­wei­le beim thü­rin­gi­schen Re­gio­nal­li­gis­ten Nord­hau­sen.

Scholl selbst ist ein lei­den­schaft­li­cher Keg­ler, wur­de in der Ju­gend deut­scher Vi­ze­meis­ter. Ne­ben dem Sport hat er ei­ne zwei­te Lei­den­schaft: Mu­sik. 2011 grün­de­te er das Münch­ner Plat­ten­la­bel Mil­la­phon.

Andre­as Schopf

Fo­to: Wit­ters

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