Spa­ni­en er­lebt ei­nen neu­en An­sturm von Flücht­lin­gen

Die ibe­ri­sche Re­pu­blik könn­te bis zum Jah­res­en­de Grie­chen­land über­holt ha­ben. Die meis­ten Asyl­su­chen­den tref­fen aber in Ita­li­en ein

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - Fo­to: Mar­cus Mo­re­no, afp w.z@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Augs­burg Im süd­spa­ni­schen Ba­de­ort Za­ha­ra de los Atu­nes, un­weit von Gi­bral­tar, staun­ten die Ur­lau­ber am „Strand der Deut­schen“(„Pla­ya de los Ale­ma­nes“) die­ser Ta­ge nicht schlecht: Am hell­lich­ten Tag lan­de­te ein Boot, rund 50 Afri­ka­ner spran­gen her­aus und lie­fen so schnell sie konn­ten über den Strand in Rich­tung Lan­des­in­ne­res. Der Vor­fall ist zwar un­ge­wöhn­lich, zeigt aber ei­ne Ten­denz auf: In Spa­ni­en kom­men wie­der mehr Flücht­lin­ge an als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Die In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on für Mi­gra­ti­on (IOM) rech­net so­gar da­mit, dass die Zahl der il­le­ga­len An­künf­te in der ibe­ri­schen Re­pu­blik am En­de des Jah­res hö­her sein wird als in Grie­chen­land, das bis­her ne­ben Ita­li­en als Haupt­an­kunfts­land galt.

Bis­lang sind in die­sem Jahr laut der IOM-Sta­tis­tik 8400 Mi­gran­ten auf dem See­weg in Spa­ni­en ein­ge­trof­fen, drei­mal so vie­le wie im Vor­jahr. In Grie­chen­land liegt die Ver­gleichs­zahl mit 12 200 zwar noch et­was hö­her. Aber die Dy­na­mik der Ent­wick­lung lässt er­war­ten, dass Spa­ni­en Grie­chen­land über­ho­len wird. Zur Er­in­ne­rung: 2016 wa­ren in At­hen und auf den In­seln in der Ägä­is bis Au­gust noch 161200 Per­so­nen ein­ge­trof­fen.

Spit­zen­rei­ter war und ist je­doch Ita­li­en: Dort ka­men die­ses Jahr bis­lang 97 000 Asyl­su­chen­de an, nur rund drei Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jahr.

In klei­nen Boo­ten und so­gar auf Jets­kis über­win­den neu­er­dings im­mer mehr Afri­ka­ner die Meer­enge von Gi­bral­tar, um in Spa­ni­en ihr Glück zu su­chen. Da­ne­ben tref­fen, wenn auch in klei­ne­rem Maß­stab, il­le­ga­le Ein­wan­de­rer auf dem Land­weg ein. Sie ma­chen sich zu­nut­ze, dass Ma­drid auf afri­ka­ni­schem Bo­den die bei­den Ex­kla­ven Ceu­la und Me­lil­la be­sitzt. In die­sem Jahr wur­de das von ei­nem sechs Me­ter ho­hen Grenz­zaun um­ge­be­ne Ceu­la be­reits zwei­mal von Mi­gran­ten­grup­pen er­reicht. Beim letz­ten er­folg­rei­chen An­ren­nen ka­men vor we­ni­gen Ta­gen knapp 200 Per­so­nen auf EUTer­rain an.

Mit den Flücht­lings­zah­len stei­gen al­ler­dings auch die To­des­fäl­le. Nach den Be­rech­nun­gen der IOM sind in die­sem Jahr be­reits 2400 Flüch­ten­de im Mit­tel­meer ge­stor­ben, dar­un­ter 121 vor Spa­ni­ens Küs­ten. (W.Z.)

Grie­chen­land, Ita­li­en, Spa­ni­en – die Staa­ten an der Süd­gren­ze der Eu­ro­päi­schen Uni­on sind das Ziel von Flücht­lin­gen, wo­bei die Zah­len auf den ein­zel­nen Rou­ten schwan­ken. Dem An­sturm auf Grie­chen­land ist durch den De­al zwi­schen der EU und der Tür­kei ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wor­den. Die zen­tra­le Mit­tel­meer­rou­te von Li­by­en nach Ita­li­en konn­te bis­her aber nicht ge­schlos­sen wer­den – auch weil in Li­by­en un­kla­re Macht­ver­hält­nis­se herr­schen. Die­ser Weg ist für Flüch­ten­de al­ler­dings hoch­ris­kant, was die vie­len To­des­fäl­le dra­ma­tisch un­ter­strei­chen.

Mi­gran­ten im Ha­fen von Al­ge­ci­ras: Sie wur­den von ei­nem Schiff in der Stra­ße von Gi­bral­tar ge­ret­tet.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.