Spoi­ler

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern - VON WOLF­GANG SCHÜTZ kul­tur@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Wer hät­te ab­se­hen kön­nen, dass die­ses Wort jetzt wie­der ei­ne sol­che Kon­junk­tur ha­ben wür­de? Aber nein, das liegt nicht dar­an, dass sich die Men­schen ja heu­te ger­ne in die Acht­zi­ger zu­rück­seh­nen, weil da die Welt noch in Ord­nung war, in Blö­cke, al­so in Gut und Bö­se ge­teilt. Die Prä­senz des Spoi­lers von heu­te hat näm­lich mit den ae­ro­dy­na­mi­schen Ver­klei­dungs­tei­len, die da­mals Man­tas und C-Ka­detts auf­protz­ten, gar nichts zu tun. Mit ak­tu­el­len Opels und an­ge­sichts der heu­te herr­schen­den Au­to­mo­bil­kul­tur wä­re das auch bloß noch iro­nisch mög­lich – und po­li­tisch in­kor­rekt so­wie­so. Da wä­re ei­ne Spoi­ler­war­nung an­ge­bracht.

Die aber gibt es heu­te zu­hauf und eben in ganz an­de­rem Sinn. Der Spoi­ler näm­lich be­deu­tet nach dem eng­li­schen Wort „to spoil“, (al­so „ver­der­ben“), dass et­was ver­ra­ten wird, was ei­gent­lich noch kei­ner wis­sen will. Zum Bei­spiel: Wenn ein Vor­ab­be­richt über ei­nen Film oder ei­ne Se­rie schon aus­plau­dert, dass ei­ne Haupt­fi­gur stirbt oder sich am En­de her­aus­stellt, al­les sei nur ein Traum ge­we­sen. Ein an sich al­tes Pro­blem, weil Me­di­en in Re­zen­sio­nen ja im­mer vor der Schwie­rig­keit ste­hen, et­was nach­voll­zieh­bar be­ur­tei­len zu sol­len, oh­ne al­les ver­ra­ten zu wol­len. Wenn aber der ge- oder miss­lin­gen­de Coup am En­de für die Bewertung ei­nes Ro­mans oder ei­nes „Tat­orts“ent­schei­dend ist – was tun? Nur an­deu­ten, abs­trakt blei­ben, ir­gend so was …

Heu­te aber gibt es im In­ter­net Leu­te, die aus dem Ge­heim­nis­ver­rat vor­sätz­lich ei­ne Art Sport ma­chen. Frei nach Ju­li­an Ass­an­ge: Whist­le Blo­wer der Un­ter­hal­tungs­In­dus­trie. Frü­her soll­te der Spoi­ler für mög­lichst ge­rin­gen Luft­wi­der­stand sor­gen – heu­te soll er mög­lichst viel Wind ma­chen, so wie der Spoi­ler-Fah­rer von da­mals. Das heu­ti­ge Ge­gen­mit­tel: Als et­wa kürz­lich die neue Staf­fel von „Ga­me of Thro­nes“star­te­te, gab es über­all Spoi­ler­war­nun­gen. Nicht le­sen, hier wird die Span­nung ver­dor­ben! Ei­ne neue Spoi­ler-Ära. Wer hät­te frü­her ge­wagt, so of­fen war­nend mit dem Fin­ger auf Spoi­ler zu deu­ten? In je­nen ana­lo­gen Zei­ten hät­te man da un­ae­ro­dy­na­misch schnell was auf die Schnau­ze krie­gen kön­nen.

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