Wann sich ein ge­brauch­tes Smart­pho­ne lohnt – und wann nicht

Nicht je­der kann oder will hun­der­te Eu­ro für ein neu­es Mo­bil­te­le­fon aus­ge­ben. Al­so zu Se­cond-Hand-Wa­re grei­fen? Ex­per­ten se­hen das kri­tisch. Es gibt aber ei­ne po­pu­lä­re Aus­nah­me

Mittelschwaebische Nachrichten - - Digitales - Isa­bel­le Mod­ler, dpa

Spit­zen­tech­no­lo­gie kommt teu­er, be­son­ders wenn sie neu ist. Wer für das neue Smart­pho­ne nicht 800 Eu­ro auf den Tisch le­gen möch­te, sucht im Netz nach Schnäpp­chen. Da stößt man frü­her oder spä­ter auf Ver­kaufs­platt­for­men mit Ge­braucht­ge­rä­ten. Sie hei­ßen zum Bei­spiel as­goo­das­new.com, cle­ver­tro­nic.de oder re­buy.de.

In ih­rer Grund­struk­tur un­ter­schei­den sich die ge­werb­li­chen Por­ta­le kaum: „Sie bie­ten ge­prüf­te und ge­rei­nig­te Ge­braucht­wa­re an“, sagt Ri­ta Deutsch­bein vom Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­por­tal „tel­ta­rif.de“. Die Mo­del­le auf La­ger kön­nen sich aber in Far­be und Zu­stand un­ter­schei­den. Krat­zer und Ge­brauchs­spu­ren drü­cken den Preis – je schlech­ter der Zu­stand, um­so güns­ti­ger das Mo­bil­te­le­fon.

Fragt man Deutsch­bein, lohnt sich der Ge­braucht­kauf aber nur in we­ni­gen Fäl­len. Näm­lich dann, wenn Nut­zer et­wa ein Ge­rät mit Ge­brauchs­spu­ren oder ein äl­te­res Mo­dell er­wer­ben. Bei ak­tu­el­len Mo­del­len kann man nur sel­ten spa­ren. Ähn­lich lau­tet auch das Ur­teil ei­ner Un­ter­su­chung von Stif­tung Wa­ren­test. „Bei un­se­rem Test wa­ren mehr als die Hälf­te der ge­brauch­ten und be­reits bis zu drei Jah­re al­ten Mo­del­le teu­rer als der ak­tu­el­le Neu­preis“, sagt die zu­stän­di­ge Re­dak­teu­rin San­dra Schwarz. „Bei al­len an­de­ren la­gen die Er­spar­nis­se für Käu­fer im Schnitt bei 20 Eu­ro.“

Au­ßer­dem be­steht bei ge­brauch­ten Ge­rä­ten ein ge­wis­ses Res­t­ri­si­ko. Ih­re Vor­ge­schich­te ist un­be­kannt. „So ist es auch et­was Glücks­sa­che, ob man wirk­lich spa­ren kann und das Ge­rät ein­wand­frei funk­tio­niert“, er­klärt Schwarz. Denn bei den an­ge­kauf­ten Ge­rä­ten im Test gab es un­er­freu­li­che Über­ra­schun­gen: „Ein Ge­rät mit auf­ge­bläh­tem Ak­ku, bei ei­nem an­de­ren war die au­to­ma­ti­sche Dis­play­hel­lig­keit nicht ein­stell­bar, ein an­de­res Ge­rät wur­de im­mer wie­der warm und stürz­te ab“, er­in­nert sie sich. Ihr Rat: Lie­ber nach Neu­wa­re su­chen.

Es gibt aber durch­aus Ge­le­gen­hei­ten, bei de­nen der Ge­braucht­kauf lohnt: „Bei­spiels­wei­se wenn es als Zweit­ge­rät oder als Ein­stiegs­S­mart­pho­ne für ein Schul­kind ge­dacht ist“, sagt Ri­ta Deutsch­bein. „Hier ist es oft nicht schlimm, wenn das Mo­dell den ein oder an­de­ren Krat­zer hat.“Und es gibt noch ei­ne Aus­nah­me: App­les iPho­ne. Äl­te­re Mo­del­le gibt es be­son­ders nach der Vor­stel­lung neu­er Ge­rä­te­ge­ne­ra­tio­nen oft güns­ti­ger als im Han­del, sagt Deutsch­bein. Zwi­schen 50 und 100 Eu­ro Er­spar­nis sei­en je nach Zu­stand mög­lich.

Wa­ren­tes­te­rin Schwarz warnt al­ler­dings vor ver­meint­li­chen Su­per­schnäpp­chen: „Das kön­nen Fäl­schun­gen oder aus al­ten Ein­zel­tei­len Te­le­fo­ne sein.“Auch Deutsch­bein emp­fiehlt in je­dem Fall, die An­ge­bo­te vor­her zu prü­fen und ge­nau zu ver­glei­chen.

Un­ter­schie­de gibt es auch bei der Ge­währ­leis­tung. Händ­ler dür­fen sie bei Ge­braucht­ge­rä­ten von den ge­setz­li­chen 24 Mo­na­ten auf zwölf Mo­na­te ein­schrän­ken. Ein Blick in den Kauf­ver­trag oder die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen gibt Auf­schluss.

Wa­ren­tes­te­rin Schwarz hat noch ei­nen Tipp: „Ach­ten Sie im­mer dar­auf, wer hin­ter dem An­ge­bot steckt, da­mit Sie Ih­re Ge­währ­leis­tung auch wirk­lich gel­tend ma­chen kön­nen.“Nicht im­mer sei es mög­lich, die ei­ge­nen Rech­te durch­zu­set­zen, „wenn es sich et­wa um Di­rekt­im­por­te aus Asi­en han­delt“. Bei Fir­men mit Sitz au­ßer­halb der EU soll­ten Käu­fer au­ßer­dem prü­fen, ob der Zoll be­reits ein­ge­preist ist, rät sie. Sonst dro­hen Fol­ge­kos­ten oder Är­ger mit dem Zoll.

Ne­ben den Ver­kaufs­platt­for­men gibt es auch über Ebay oder an­de­re Klein­an­zei­gen­por­ta­le ei­nen blü­hen­den Han­del mit Ge­brauch­tS­mart­pho­nes. Käu­fer ha­ben hier al­ler­dings un­ter Um­stän­den we­ni­ger Rech­te, warnt Deutsch­bein. Han­delt es sich um pro­fes­sio­nel­le Händ­zu­sam­men­ge­bau­te ler, gel­ten die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen. Pri­vat­ver­käu­fer kön­nen aber Ge­währ­leis­tung und Wi­der­rufs­recht aus­schlie­ßen. Auch ein An­spruch auf Rück­nah­me der Wa­re be­steht nicht.

Des­we­gen soll­ten Käu­fer auf aus­sa­ge­kräf­ti­ge Bil­der ach­ten, die den Zu­stand des ge­brauch­ten Smart­pho­nes be­le­gen. „Wenn mög­lich, ist ein vor­he­ri­ges An­se­hen des Mo­dells emp­feh­lens­wert“, rät Ri­ta Deutsch­bein – et­wa, wenn je­mand aus der Nach­bar­schaft ein Ge­rät per Klein­an­zei­ge ver­kauft. Zu­dem soll­te man prü­fen, ob un­ter Um­stän­den noch ei­ne Rest­ga­ran­tie be­steht. „Dann un­be­dingt den Ga­ran­tie­be­leg vom Ver­käu­fer aus­hän­di­gen las­sen.“Wem es bei der Te­le­fon­su­che nicht nur um die Kos­ten, son­dern auch um öko­lo­gi­sche Ge­sichts­punk­te geht, dem rät Schwarz: „Statt ein ge­brauch­tes Te­le­fon zu kau­fen, kann man das al­te Ge­rät re­pa­rie­ren.“Un­ter­stüt­zung be­kommt man da­bei bei­spiels­wei­se in ei­nem Re­pair-Ca­fé.

Üb­ri­gens: Ein gut er­hal­te­nes, funk­tio­nie­ren­des Smart­pho­ne kann man auch selbst im Netz ver­hö­kern – über ein­schlä­gi­ge Platt­for­men wie et­wa wir­kau­fens.de. Hier lohnt es sich auf je­den Fall, die Preis­ge­bo­te un­ter­schied­li­cher An­bie­ter zu ver­glei­chen.

Fo­to: Andrea War­ne­cke, dpa

Ein Schnäpp­chen aus zwei­ter Hand? Nicht un­be­dingt. Der Kauf von ge­brauch­ten Smart­pho­nes birgt Ri­si­ken. Oft sind noch nicht ein­mal die Prei­se be­son­ders at­trak­tiv.

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