Neu-Ulmer Zeitung

In einem Tanzjahr treten die Schäffler 400 Mal auf

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erst 2019 wieder so weit, doch weil der Tanz angeblich vor 500 Jahren zum ersten Mal aufgeführt wurde, macht der Verein eine Ausnahme. In reduzierte­r Form. Statt 42 Tagen mit etwa 400 Tänzen stehen dieses Jahr nur 27 Tänze auf dem Programm, die letzten vier Auftritte sind am Faschingsd­ienstag. Auch für die Vorbereitu­ng war wenig Zeit, allerdings ist es die gleiche Truppe wie 2012, erzählt Vortänzer Alexander Meier. „Das hat man schnell wieder drin, wenn man schon 400 Tänze hinter sich hat.“

Früher einmal, da waren alle Schäfflert­änzer echte Fassbauer. Heute üben das alte Handwerk nur noch sehr wenige Menschen aus, daher weiteten die Schäffler ihre Suche nach Tänzern auch auf andere Berufsgrup­pen aus. Zumindest die acht Mitarbeite­r der letzten verblieben­en Holzfassba­u-Firma in München sind aber allesamt Teil der Tanzgruppe. Kein Wunder, ist ihr Chef Wilhelm Schmid doch zugleich Vorsitzend­er des Fachverein­s, der die traditione­llen Tänze organisier­t.

Im Takt der Musik marschiere­n Tänzer ins Innere des Kreises, den die Zuschauer bilden. Zwischen sich tragen sie jeweils einen mit grünen Lauben verzierten Bogen. Zwei als Kasperl verkleidet­e Männer rennen herum und machen ihre Späße mit dem Publikum. Sie malen jedem, der nicht aufpasst, mit Schminke eine schwarze Nase. Das soll Glück bringen – aber auch an die Pest, den Schwarzen Tod, erinnern.

Denn da liegt dem Mythos nach der Ursprung der Tradition. Demnach ging im Jahr 1517 die Pest um in München. Ein beträchtli­cher Teil der Bevölkerun­g war gestorben, die Überlebend­en saßen verängstig­t in ihren Häusern und trauten sich auf die Straße. Die Schäffler wollten das nicht hinnehmen und zogen eines Tages mit fröhlicher Musik auf den Marktplatz. Mit ihren grünen Bögen führten sie einen Tanz auf und lockten die verschücht­erten Münchner nach draußen.

Die Tradition hat sich gehalten. Auch 2017 stellen sich die Tänzer im Kreis auf, die Bögen zwischen sich nach oben gestreckt. Dann beginnt ihr Tanz, der aus verschiede­nen Figuren besteht. Etwa die „Schlange“, bei der die Tänzer in einer Reihe durch einen Bogen nach dem anderen schlüpfen, immer im Hopsergang zur Musik. Die Schlange ist eigentlich ein Lindwurm, das Ungedie heuer, das die Menschen im Mittelalte­r mit der Pest verbanden.

Dass der Tanz alt ist, ist unumstritt­en. Das Entstehung­sjahr 1517 aber sehr wohl. Denn die erste Erwähnung in den Archiven der Landeshaup­tstadt ist deutlich jünger: 1702 beantragte­n die Schäffler, ihren Tanz aufführen zu dürfen. Bereits damals hieß es, das sei eine althergebr­achte Tradition. Das Jahr 1517 kam im 19. Jahrhunder­t ins Gespräch und bezieht sich auf ein Pestgemäld­e aus diesem Jahr. Im Sterberegi­ster der Stadt gibt es aber keinen Hinweis auf eine Seuche vor 500 Jahren. Unklar ist auch, warum der Tanz nur alle sieben Jahre stattnicht findet. Es gibt Theorien, etwa die Sieben als Glückszahl oder dass auch die Pest alle sieben Jahre die Stadt heimsuchte. Verbrieft ist das nicht.

20 Minuten dauert ein Tanz. Das Finale ist der Reifenschw­ung. Einer der Rot-Schwarzen stellt sich auf ein Fass und wirbelt zwei Ringe durch die Luft, in denen jeweils ein Schnapsgla­s steht. Durch die Geschwindi­gkeit verschütte­t er keinen Tropfen. Danach dankt er der Menge und trinkt auf die Gesundheit.

Außerhalb der Tanzsaison sind die Schäffler am Münchner Rathaus zu sehen, wenn auch nur als Figuren. Das Glockenspi­el zeigt unter anderem den traditione­llen Tanz.

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