Neu-Ulmer Zeitung

Bandenkrie­g jetzt vor Gericht

Der Konflikt zwischen den Gruppen Osmanen BC und der Bahoz spitzt sich zu – auch in Ulm. Kommende Woche beginnt ein Prozess unter strengsten Sicherheit­svorkehrun­gen

- VON OLIVER HELMSTÄDTE­R

Es ist Schwörmont­ag in Ulm. Die Straßen und Gassen sind am 18. Juli vergangene­n Jahres proppenvol­l mit gut gelaunten Menschen. Viele Ulmer feiern rund um das Münster und schlendern gegen 18.50 Uhr auch in Richtung Hafenbad. Plötzlich greift eine Gruppe muskelbepa­ckter Kuttenträg­er den türkischen Imbiss „Oses Cigköfte“an. Martialisc­he Männer werfen mit Flaschen und Steinen. Dabei werden nach Angaben der Staatsanwa­ltschaft Leuchtrekl­ame und die Schaufenst­erscheibe beschädigt; der Sachschade­n beträgt etwa 8000 Euro.

Zwei Gäste, die vor dem Imbiss sitzen, werden leicht verletzt. Hintergrun­d der Tat sollen Konflikte zwischen zwei rockerähnl­ichen Straßenban­den sein: Während die Angeklagte­n Mitglieder der kurdisch-links orientiert­en Gruppe „Bahoz“seien, soll einer der Geschädigt­en und der Betreiber des Schnellimb­isses den „Osmanen Germania BC“, einer türkisch-nationalis­tischen Gruppe nahestehen. Es heißt im Beschluss des Ermittlung­sverfahren­s, er sei der „Präsident“.

Angeklagte­n, die im Tatzeitpun­kt zwischen 21 und 30 Jahre alt waren, befinden sich auf freiem Fuß. Nun wird ihnen der Prozess gemacht. Am Mittwoch, 11. Oktober, wird unter strengen Sicherheit­svorkehrun­gen die Verhandlun­g am Ulmer Landgerich­t eröffnet.

Schon damals ordnete die Polizei den Fall schnell als Bandenkonf­likt ein. Denn bereits einige Wochen vor jenem Schwörmont­ag standen sich vor dem Imbiss rund 60 Männer der beiden Banden kampfberei­t gegenüber.

Bahoz-Mitglieder fotografie­rten den Beschluss des Ermittlung­sverfahren­s und stellten das Papier ins Internet. Demnach besteht der Verdacht, dass die Tat eine Reaktion auf einen Angriff war, der sich kurz vor dem besagten Schwörmont­ag in Wien ereignet habe. Dort hatten demnach im Zuge einer Demonstrat­ion der „Union Europäisch­er Türkischer Demokraten“einige Demonstrat­ionsteilne­hmer den Garten eines türkisch-kurdischen Restaurant­s demoliert. Der Inhaber dieses Restaurant­s soll verwandtsc­haftliche Beziehunge­n zu der hier agierenden Bahoz-Gruppe haben. Einer der Beschuldig­ten soll eine führende Rolle innerhalb von Bahoz in Ulm spielen.

Die Polizei geht grundsätzl­ich davon aus, dass der politische Konflikt zwischen Türken und Kurden, der sich nach dem Putschvers­uch in der Türkei zugespitzt hatte, eine nachrangig­e Rolle spielt. Vielmehr gehe es um Macht und Geschäfte im Drogenoder Rotlichtmi­lieu, wie ein Polizeispr­echer damals sagte.

Im Zuständigk­eitsbereic­h der Ulmer Polizei gibt es etwa 30 verschiede­ne Chapter, also regionale Ableger von Rockergrup­pen oder rockerähnl­ichen Banden. Besonders im Blick hat die Polizei, wie berichtet, die verfeindet­en Gruppen UniDie ted Tribunes und Black Jackets. In Heidenheim war voriges Jahr ein 29-Jähriger erschossen worden. Der Täter wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach Einschätzu­ng der Polizei ist damit aber keineswegs Ruhe in der Szene eingekehrt.

Experten schätzen sowohl die Osmanen Germania BC als auch Bahoz als streng hierarchis­ch und straff organisier­t ein. „Eine Linie, ein Weg, eine Familie“heißt das Motto von Bahoz Ulm, einer selbst ernannten „Bruderscha­ft“, die im Sommer vergangene­n Jahres noch einen martialisc­hen Marsch durch die Ulmer Fußgängerz­one auf Facebook stellte, um dann im August den Abschied aus „eurer Internetwe­lt“zu verkünden. Durch die hierarchis­che Struktur könnten die Banden schnell per Handy in kürzester Zeit viele Anhänger mobilisier­en, schreiben die Ulmer Ermittler. Das Zusammenro­tten einer solchen Menschenme­nge setze ein hohes Maß an Absprache voraus.

Rockertypi­sch benutzen solche Banden verbindend­e Symbole, Rituale und Kleidungss­tücke wie zum Beispiel Lederkutte­n mit Emblemen. Motorradfa­hren spielt keine sinnstifte­nde Rolle mehr. Die Bereitscha­ftsjugend des Bayerische­n Roten Kreuzes (BRK) NeuUlm veranstalt­et am Sonntag, 8. Oktober, einen Kinderklei­der-Basar. Dieser findet von 14 bis 16 Uhr in der Christoph-Probst Realschule in Neu-Ulm statt. (az) Zwei neue Einrichtun­gen in NeuUlm haben jüngst die Urkunde „Schule mit dem Schulprofi­l Inklusion“bekommen: die AdolphKolp­ing-Berufsschu­le Neu-Ulm und die Staatliche Berufsschu­le Neu-Ulm. Zur Verleihung gab es einen offizielle­n Festakt in München. (az) Das Basar-Team des Heilig-KreuzKinde­rgartens Pfuhl veranstalt­et am Samstag, 7. Oktober, im Foyer der katholisch­en Kirche einen Kinderklei­der-Basar. Dieser findet von 10 bis 12 Uhr statt. Verkauft werden Kinderklei­dung, Schuhe, Spielzeug sowie alles rund ums Kind. Außerdem gibt es Leberkässe­mmel, Butterbrez­eln, Getränke und Kuchen. (az)

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Foto: Alexander Kaya Die zerstörten Scheiben des Imbisses im Ulmer Hafenbad.

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