Das Dra­ma des Ham­bur­ger SV

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - SPORT -

Man kann ja nun nicht sa­gen, dass der Ham­bur­ger SV un­tä­tig ge­we­sen ist. Lan­ge vor Weih­nach­ten hat er den Trai­ner aus­ge­tauscht. Kurz vor Weih­nach­ten ver­pflich­te­te er ei­nen neu­en Vor­stands­chef. Kurz nach Weih­nach­ten hol­te er ei­nen neu­en Sport­di­rek­tor. Und wie­der­um kurz nach Weih­nach­ten nahm er zwei neue Ab­wehr­spie­ler un­ter Ver­trag. Nach zwei Spiel­ta­gen im neu­en Jahr ist die Zwi­schen­bi­lanz die­ses über­aus auf­ge­reg­ten Per­so­nal­wech­sels vor al­lem ei­nes: er­schre­ckend. Der vor­neh­me Klub aus der eins­ti­gen Fuß­ball-Welt­stadt ist Vor­letz­ter. Und nicht nur den Sport­chef Jens Todt be­schleicht die Er­kennt­nis: „Das ist ei­ne dra­ma­ti­sche Si­tua­ti­on.“

Das spricht für ei­nen ge­sun­den Rea­li­täts­sinn. Zwei Be­geg­nun­gen mit di­rek­ten Kon­kur­ren­ten im Ab­stiegs­kampf (Wolfsburg und In­gol­stadt) hat der HSV ver­lo­ren. Und der Hin­weis, es ha­be sich um Aus­wärts­spie­le ge­han­delt, ver­fängt nur be­dingt. Schließ­lich ste­hen die Ham­bur­ger längst der­art mit dem Rü­cken zur Wand, dass in je­dem Spiel Pünkt­chen her müs­sen. Es muss kei­ne gro­ße Re­chen­kunst be­müht wer­den, zwölf Punk­te aus 18 Spie­len für ei­ne nicht sehr ver­hei­ßungs­vol­le Ba­sis im Kampf um den Ver­bleib in der Bun­des­li­ga zu hal­ten.

Auch der Blick auf die Kon­kur­ren­ten gibt den Ham­bur­gern kei­nen An­lass zu über­schwäng­li­cher Zu­ver­sicht. Darm­stadt hat sich zwar mit pas­sen­den Leis­tun­gen end­gül­tig für den 18. Ta­bel­len­platz emp­foh­len, aber die an­de­ren Mit­be­wer­ber des HSV stram­peln kräf­tig. Von der Klar­heit des In­gol­städ­ter Kampf­kon­zepts konn­ten sich die Ham­bur­ger ein ei­ge­nes Bild ma­chen. Bre­men brach­te die Top­klubs Bay­ern und Dort­mund in gro­ße Schwie­rig­kei­ten, Augs­burg ver­steht es seit Jah­ren, die rich­ti­gen Mit­tel zu fin­den, und Mön­chen­glad­bach hat sich viel­leicht gera­de recht­zei­tig an die ei­ge­nen fuß­bal­le­ri­schen Mit­tel er­in­nert.

Op­ti­mis­ti­sche Ham­bur­ger wer­den sich da­mit trös­ten, dass das be­rühm­te ret­ten­de Ufer nur vier Punk­te ent­fernt ist. Men­schen mit Wirk­lich­keits­sinn sa­gen: Das ist ein Drit­tel der bis­he­ri­gen HSVSai­son­aus­beu­te. Zu de­nen ge­hört Todt wahr­schein­lich. Ob das hilft?

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