Ma­ria mit dem Kind

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KIRCHLICHE NACHRICHTEN -

Ein fei­nes Mo­no­gramm am rech­ten Rand der schö­nen Darstel­lung Ma­ri­as mit dem Kind gibt Auf­schluss über den Ur­he­ber des Aqua­rells: Ju­li­us Ben­no Hüb­ner (1806-1882), eng ver­bun­den mit dem Künst­ler­kreis, der sich dem ro­man­ti­schen Na­za­ren­er­tum ver­schrie­ben hat, schuf das klei­ne Bild 1852.

Meh­re­re Jah­re hielt sich Hüb­ner in Rom auf. Dort lern­te er nicht nur die ita­lie­ni­sche Kunst in den groß­ar­ti­gen Samm­lun­gen ken­nen, son­dern stu­dier­te auch die Land­schaft der Um­ge­bung, was in sei­nem Werk deut­lich sicht­bar wird. Im Hin­ter­grund zeigt der Künst­ler ei­nen Aus­blick, der sich an dem Ide­al ei­ner süd­li­chen Land­schaft ori­en­tiert. Aber auch an an­de­rer Stel­le sind die Ein­flüs­se er­kenn­bar. Das run­de For­mat des Bil­des – ita­lie­nisch „Ton­do“ge­nannt – lehnt sich an ei­ne spe­zi­fi­sche Form des Ma­ri­en­bil­des an, das in der zwei­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts in Florenz ent­stan­den ist.

Dar­über hin­aus ori­en­tiert sich die Darstel­lung stark an der Ma­le­rei Raf­fa­els. Ma­ria – nicht als ge­krön­te Got­tes­mut­ter, son­dern wie­der­um als ide­al­schö­ne Frau in seit­li­cher Auf­nah­me dem Be­trach­ter prä­sen­tiert – schaut auf den vor ihr sit­zen­den Kn­a­ben mit lie­be­vol­lem, aber glei­cher­ma­ßen das Schick­sal ih­res Soh­nes vor­raus­ah­nen­dem Blick. Das wohl­be­hü­te­te Je­sus­kind sitzt auf ei­nem Kis­sen, die Ar­me zärt­lich auf die Bei­ne der knien­den Mut­ter ge­stützt.

In der fried­li­chen Sze­ne vor ru­hi­ger Ku­lis­se wird ver­steckt auf die Pas­si­on Chris­ti ver­wie­sen. In sei­ner Hand hält der Jun­ge ei­ne Blut­nel­ke, die er zu­vor von ei­ner Pflan­ze am zen­tra­len un­te­ren Bild­rand ab­ge­pflückt hat. Es ist eben die­se Blu­me, die eben­so wie die kreuz­för­mig mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Stö­cke des Zauns für den leid­vol­len Tod des Hei­lands ste­hen.

Und da­mit nicht ge­nug der Sym­bo­le: Bei dem hoch­ran­ken­den Ro­sen­strauch han­delt es sich um ein ein­deu­ti­ges Zei­chen für die un­be­fleck­te Emp­fäng­nis Ma­ri­ens.

Auf­be­wahrt wird das licht­emp­find­li­che Blatt im Gra­phi­schen Ka­bi­nett des Cle­mens Sels Mu­se­ums Neuss. In Aus­stel­lun­gen wird es der Öf­fent­lich­keit nur im­mer zeit­wei­se prä­sen­tiert.

Das Bild­nis „Ma­ria mit Kind vor süd­li­cher Land­schaft“, 1852 von Ju­li­us Ben­no Hüb­ner (1806-1882) ge­schaf­fen, ge­hört zum Be­stand des Cle­mens-Sels-Mu­se­ums.

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