Bun­des­staat will Trump ver­kla­gen

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - POLITIK - VON FRANK HERR­MANN

In dem Vor­stoß der Staats­an­wäl­te aus Ma­ry­land so­wie dem District of Co­lum­bia geht es um Zah­lun­gen aus dem Aus­land an Trumps Fir­men­im­pe­ri­um. Die Be­hör­den ver­mu­ten Kor­rup­ti­on.

WA­SHING­TON Nicht nur die an­dau­ern­den Un­ter­su­chun­gen der Russ­land­af­fä­re ma­chen Do­nald Trump zu schaf­fen, nun muss er sich auch noch auf ei­nen lang­wie­ri­gen Rechts­streit ein­stel­len. Es geht um die Ver­mi­schung von Amt und Ge­schäft.

So­wohl der Bun­des­staat Ma­ry­land als auch der Haupt­stadt­be­zirk District of Co­lum­bia (DC) ha­ben ges­tern ei­ne Kla­ge ge­gen den USPrä­si­den­ten ein­ge­reicht. Da er sich auch nach sei­nem Ein­zug ins Wei­ße Haus nicht von sei­nem Un­ter­neh­men ge­trennt ha­be, ver­sto­ße er ge­gen An­ti-Kor­rup­ti­ons­klau­seln der Ver­fas­sung, lau­tet die Be­grün­dung. Im Mit­tel­punkt der Kon­tro­ver­se steht das Trump In­ter­na­tio­nal Ho­tel, ein al­tes Post­amt in Wa­shing­ton, zen­tral ge­le­gen an der Penn­syl­va­nia Ave­nue, das Trump zu ei­nem Lu­xus­pa­last um­bau­en ließ.

Er­öff­net im ver­gan­ge­nen Herbst, gilt das his­to­ri­sche Ge­bäu­de mit sei­nen Türm­chen und den wuch­ti­gen Mau­ern als Sym­bol des schwe­len­den In­ter­es­sen­kon­flikts. Über­nach­ten aus­län­di­sche Di­plo­ma­ten in ei­ner Sui­te beim Ho­te­lier Trump, liegt der Ver­dacht na­he, dass sie nur des­halb so tief in die Ta­sche grei­fen, weil sich ih­re Re­gie­run­gen beim Prä­si­den­ten Trump ein­schmei­cheln wol­len. Das Kö­nig­reich Sau­di-Ara­bi­en bucht re­gel­mä­ßig in der No­bel­her­ber­ge, wo­bei es sich der Dis­kre­ti­on we­gen ei­nes Mit­tel­manns be­dient. Im Mai ging in dem Ho­tel ei­ne von An­ka­ra ge­spon­ser­te Kon­fe­renz über die tür­kisch-ame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen über die Büh­ne. Und als der Bot­schaf­ter Ge­or­gi­ens dort lo­gier­te, twit­ter­te er hin­ter­her ar­ti­ge Kom­pli­men­te. „Bis­her der bes­te Ser­vice, den ich in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten er­leb­te“, schrieb Ka­ha Im­nad­ze.

Für den Steu­er­zah­ler, ar­gu­men­tie­ren Bri­an Fro­sh und Karl Ra­ci­ne, die Ge­ne­ral­staats­an­wäl­te von Ma­ry­land und DC, bringt der Hy­pe, den es so kaum ge­ge­ben hät­te, sä­ße Trump nicht im Oval Of­fice, nichts als Nach­tei­le. Et­wa, weil Kon­gress­hal­len in der Nä­he, Kon­fe­renz­zen­tren in Staats­be­sitz, Kun­den ver­lie­ren. Und in­dem Trump wei­ter von sei­nen Im­mo­bi­li­en pro­fi­tie­re, stel­le sich die Fra­ge, ob er Ent­schei­dun­gen im bes­ten In­ter­es­se des Lan­des tref­fe oder eher in sei­nem ei­ge­nen. In je­dem Fall, so das Ju­ris­ten­duo, ver­sto­ße er ge­gen die so­ge­nann­te „emo­lu­ments clau­se“der Ver­fas­sung. Nach de­ren Be­stim­mun­gen darf kein Ame­ri­ka­ner in ei­nem Wahl­amt Ge­schen­ke, Ver­gü­tun­gen, Äm­ter oder Ti­tel von ei­nem „Kö­nig, ei­nem Prin­zen oder ei­ner aus­län­di­schen Macht“an­neh­men, so­fern das Par­la­ment nicht aus­drück­lich zu­stimmt.

Trump hat­te zwar vor sei­ner Ve­rei­di­gung an­ge­kün­digt, die Lei­tung sei­nes Fir­men­kon­glo­me­rats in die Hän­de sei­ner bei­den Söh­ne zu le­gen, um In­ter­es­sen­kon­flik­te zu ver­mei­den. Doch was Eric, der Jün­ge­re, neu­lich in ei­nem In­ter­view hin­aus­po­saun­te, klang nicht un­be­dingt nach dem kom­plet­ten Rück­zug sei­nes Va­ters aus dem ak­ti­ven Ge­schäfts­le­ben. Nach den Wor­ten des Ju­ni­ors er­hält der Se­ni­or nach wie vor re­gel­mä­ßi­ge Be­rich­te über die Fi­nanz­la­ge sei­ner Un­ter­neh­men.

Fro­sh und Ra­ci­ne se­hen schon dar­in ein ge­bro­che­nes Ver­spre­chen. In­dem Trump wei­ter­hin ein glo­ba­les Ge­schäfts­im­pe­ri­um be­sit­ze, fü- gen sie an, sei er eng ver­netzt mit „Le­gio­nen in- und aus­län­di­scher Ak­teu­re“, wo­mit er die In­te­gri­tät des po­li­ti­schen Sys­tems der USA un­ter­gra­be. Vor­aus­set­zung da­für, dass ein Prä­si­dent sein Amt ge­mäß sei­nem Eid aus­üben kön­ne, sei je­doch die Ent­flech­tung sei­ner Pri­vat­fi­nan­zen von de­nen in- und aus­län­di­scher Mäch­te. „Nie zu­vor hat ein Prä­si­dent mit sol­cher Ge­ring­schät­zung für die­ses Ge­bot ge­han­delt.“

Die Kla­ge be­deu­tet ju­ris­ti­sches Neu­land, ist es doch das ers­te Mal, dass ein Bun­des­staat den Staats­chef be­schul­digt, ge­gen zu­vor zi­tier­te Ver­fas­sungs­klau­sel ver­sto­ßen zu ha­ben. Soll­te ein Bun­des­rich­ter sie zu­las­sen, wol­len die zwei Staats­an­wäl­te zu­nächst die Her­aus­ga­be der Steu­er­er­klä­run­gen Trumps er­zwin­gen. Bis­lang hat sich der Mil­li­ar­där be­harr­lich ge­wei­gert, sie zu ver­öf­fent­li­chen, wo­mit er ei­ne fes­te, wenn auch un­ge­schrie­be­ne Re­gel der ame­ri­ka­ni­schen Po­li­tik igno­rier­te.

Letz­ten En­des, ora­keln die Klä­ger, mit hef­ti­ger Ge­gen­wehr von Trumps An­wäl­ten rech­nend, wer­de der Fall wohl bis vor den Obers­ten Ge­richts­hof in Wa­shing­ton ge­hen.

FO­TO: DPA

Zen­tra­ler Punkt im neu­en Jus­ti­zFall ist ein Ho­tel, das Trump im ver­gan­ge­nen Jahr mit sei­ner Fa­mi­lie er­öff­ne­te. Das Trump In­ter­na­tio­nal Ho­tel be­fin­det sich in ei­nem ge­leas­ten, staat­li­chen Ge­bäu­de in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zum Wei­ßen Haus.

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