Schluss mit Roa­ming

Ab mor­gen kön­nen Ver­brau­cher im EU-Aus­land oh­ne Zu­satz­kos­ten te­le­fo­nie­ren. Trotz­dem soll­te man ei­ni­ge Din­ge be­ach­ten.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT - VON MAR­KUS GRABITZ

BRÜS­SEL Es war ein lan­ger, zä­her Kampf, doch nun ist es ge­schafft. Ab mor­gen fal­len in der EU die Aus­lands­auf­schlä­ge für Mo­bil­funk­an­ru­fe, SMS und das Che­cken von Mails auf dem Smart­pho­ne weg. Je­des Ge­spräch, je­de SMS und je­der Down­load wird dann auf Rei­sen im EU-Aus­land ge­nau­so ab­ge­rech­net wie im In­land. Die Roa­ming-Ge­büh­ren – al­so die Ent­gel­te, die der An­bie­ter dem aus­län­di­schen Be­trei­ber für die Be­nut­zung von des­sen Netz­werk zahlt – wer­den wei­test­ge­hend ab­ge­schafft.

Pro­fi­tie­ren wer­den da­von 500 Mil­lio­nen Ver­brau­cher, die in der Ver­gan­gen­heit für die mo­bi­le Kom­mu­ni­ka­ti­on bei Trips ins EUAus­land kräf­tig zur Kas­se ge­be­ten wur­den. Vor­aus­ge­gan­gen sind jah­re­lan­ge Ver­hand­lun­gen der EU mit den mäch­ti­gen Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zer­nen. Die Brüs­se­ler Be­hör­de hat­te vor zehn Jah­ren das Ver­brau­cher-Är­ger­nis Roa­ming-Ge­büh­ren iden­ti­fi­ziert und ist da­ge­gen an­ge­gan­gen. Sie hat nicht da­vor ge­scheut, zu ei­nem In­stru­ment zu grei­fen, das in der Markt­wirt­schaft ei­gent­lich ver­pönt ist, näm­lich mas­siv in die Preis­ge­stal­tung der An­bie­ter ein­zu­grei­fen und Preis-Ober­gren­zen fest­zu­le­gen. Zwi­schen 2007 und 2016 hat die EU so Sen­kun­gen der End­kun­den­prei­se für An­ru­fe um 92 Pro­zent durch­ge­setzt, ei­ne SMS kos­te­te 2007 bis zu 24 Cent (plus Steu­ern), 2016 durf­te sie nur noch 0,0114 Cent kos­ten. Zwi­schen 2008 und 2015 ist der Roa­ming-Da­ten­ver­kehr um mehr als das Hun­dert­fa­che ge­stie­gen. 2009 la­gen die Roa­ming-Ge­büh­ren noch bei ma­xi­mal ein Eu­ro je Me­ga­byte, 2016 durf­ten da­für im Groß­kun­den­ge­schäft nur noch 0,05 Cent be­rech­net wer­den.

Der deut­sche EU-Kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger (CDU) hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr noch in sei­ner Funk­ti­on als Di­gi­tal­kom­mis­sar zu­nächst vor­ge­schla­gen, die Roa­min­gF­rei­heit nur auf 90 Ta­ge im Jahr zu be­gren­zen. Er woll­te ver­hin­dern, dass Kun­den im Hei­mat­land dau­er­haft mit preis­wer­te­ren Ver­trä­gen ei­nes an­de­ren Mit­glieds­lan­des te­le­fo­nie­ren kön­nen. Dies wä­re ein Vor­teil für die Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zer­ne ge­we­sen. Dar­auf­hin gab es Wi­der­stand aus dem EU-Par­la­ment – und man ei­nig­te sich letzt­lich auf die Re­ge­lun­gen, die nun end­gül­tig in Kraft tre­ten.

Zwi­schen den 28 EU-Staa­ten fal­len da­mit auch im Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reich die na­tio­na­len Gren­zen – bis min­des­tens März 2019 gel­ten die Re­ge­lun­gen da­mit auch noch in Groß­bri­tan­ni­en. Das Roa­ming zu In­lands­prei­sen („Ro­am li­ke at Ho­me“) soll auch in den Län­dern des Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­raums (EWR) – Is­land, Liech­ten­stein und Nor­we­gen – ein­ge­führt wer­den.

Ach­tung: Die Prei­se für An­ru­fe aus Deutsch­land et­wa bei der Freun­din, die in Spa­ni­en lebt und dort ei­nen spa­ni­schen Mo­bil­funk­ver­trag ab­ge­schlos­sen hat, sin­ken nicht. Dar­an än­dert sich gar nichts.

Auch bei den Da­ten-Flat­rates kann es Ein­schrän­kun­gen ge­ben. Im EU-Aus­land kann der An­bie­ter das Da­ten­vo­lu­men be­gren­zen. Der An­bie­ter muss die Kun­den dar­über al­ler­dings vor­ab in­for­mie­ren und an­schlie­ßend mit­tei­len, wenn sich der Kun­de die­ser Gren­ze nä­hert. Falls die Gren­ze über­schrit­ten wird, darf dies je Gi­ga­byte der­zeit 7,70 Eu­ro plus Mehr­wert­steu­er kos­ten. Bis 2020 sinkt die­ser Be­trag schritt­wei­se auf 2,50 Eu­ro ab.

Die Roa­ming-Ge­büh­ren sol­len nur für die Ver­brau­cher weg­fal­len, wenn sie sich auf ei­ner Rei­se ins EUAus­land be­fin­den. Wer um­zieht und sich dau­er­haft im EU-Aus­land nie­der­lässt, kann die­se Va­ri­an­te nicht in An­spruch neh­men.

500 Mil­lio­nen Ver­brau­cher in der EU wer­den von den neu­en Re­geln pro­fi­tie­ren

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