Jan Wa­gner schürft in ers­tem Hör­spiel nach der Gier

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR -

DÜS­SEL­DORF (dok) Ei­ne Stim­me dringt aus der Ur­zeit in die Ge­gen­wart, er­zählt, wie es in die Welt kam, aus dem Mag­ma des Erd­in­ne­ren an die Ober­flä­che dräng­te, sich im Bo­den ab­la­ger­te, in die Bet­ten der Flüs­se ge­wa­schen wur­de, fort­an ein­fach da war: das Gold. Ir­gend­wann wur­de es der Stoff, aus dem die Men­schen ih­re Hoff­nun­gen schmie­de­ten, den Gold­grä­ber-Traum vom Le­ben in Saus und Braus.

Der Ly­ri­ker Jan Wa­gner, ge­ra­de durch den Büch­ner-Preis ge­ehrt, hat sein ers­tes Hör­spiel ver­fasst: „Gold.Re­vue“, ein schim­mern­des Stim­men­spiel, in dem Ge­schich­ten von Men­schen aus der Zeit des Gold­rauschs in Ka­li­for­ni­en auf­schei­nen wie Kie­sel in ei­nem Fluss. Schür­fer, Säu­fer, Händ­ler, Pro­sti­tu­ier­te, Pre­di­ger er­zäh­len über ih­re Gier nach dem Gold, über Rausch und Ent­beh­rung, über spe­cki­ge Le­der­säck­chen, Schwie­len an den Hän­den, Läu­se am Kör­per, groß wie Chi­li­boh­nen. So ent­steht ein at­mo­sphä­risch dich­tes, kunst­voll kom­po­nier­tes Hin­ein­hor­chen in ei­ne ver­gan­ge­ne Zeit, de­ren Trie­be und Ob­ses­sio­nen heu­tig wir­ken.

Re­gis­seur Le­on­hard Kop­pel­mann, der am Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­haus be­reits „In 80 Ta­gen um die Welt“ins Thea­ter­zelt brach­te, hat Wa­g­ners fei­nen Text mit gro­ßer Mu­si­ka­li­tät in­sze­niert. Noch vor der Pre­mie­re als Live-Hör­spiel bei den Frank­fur­ter Ly­rik­ta­gen war die Ar­beit im Düs­sel­dor­fer „Cen­tral“zu er­le­ben. Da­mit setzt das Schau­spiel­haus ei­ne lo­se Rei­he mit live dar­ge­bo­te­nen Hör­spie­len fort. Ein reiz­vol­les For­mat für die Büh­ne. Zwar spart es al­les Sze­ni­sche aus, doch führt es um­so deut­li­cher vor, wie Schau­spie­ler al­lein durch ih­re Stim­me Sze­nen ent­ste­hen las­sen. Be­glei­tet wur­den sie von den Akus­tik­künst­lern Kal­le Kali­ma an der Gi­tar­re und Dirk Ro­th­brust am Schlag­werk. Wa­gner, der ei­gens für die Auf­füh­rung an­ge­reist war, ver­riet hin­ter­her, dass ein Stu­di­en­auf­ent­halt in Ka­li­for­ni­en ihn zu dem Text in­spi­riert hat. Das spe­cki­ge Le­der­säck­chen – vor Ort hat­te er es in der Hand.

FO­TO: DPA

Jan Wa­g­ners Hör­spiel war nun in Düs­sel­dorf live zu er­le­ben.

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