In­ves­tor gibt im Glas­ma­cher­vier­tel auf

Die Pa­tri­zia AG will sich von dem Grund­stück tren­nen, auf dem 1500 neue Woh­nun­gen ent­ste­hen sol­len. Grün­de wer­den of­fi­zi­ell nicht ge­nannt, aber die vie­len Ver­zö­ge­run­gen dürf­ten aus­schlag­ge­bend sein.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - LANDESHAUPTSTADT DÜSSELDORF - VON MARC INGEL UND THORS­TEN BREITKOPF

Das Ge­rücht hält sich seit lan­gem. Ges­tern konn­te die Pa­tri­zia AG als Ei­gen­tü­mer und Pro­jekt­ent­wick­ler des 200.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Glas­hüt­ten­ge­län­des, auf dem 1500 Woh­nun­gen ent­ste­hen sol­len, die Nach­richt nicht mehr un­ter der De­cke hal­ten: Das Un­ter­neh­men mit Sitz in Augs­burg will sich von dem Vor­ha­ben tren­nen. „Es ist rich­tig, dass Pa­tri­zia das Pro­jekt zum Ver­kauf an­bie­ten will und ak­tu­ell die Ver­mark­tungs­chan­cen hier­für klärt. Ziel ist es, ei­nen In­ves­tor zu fin­den, der das Pro­jekt naht­los fort­führt“, er­klärt Bernd Holz­rich­ter als Spre­cher des Pro­jekts in Düs­sel­dorf.

Über die Grün­de hüllt Pa­tri­zia sich of­fi­zi­ell in Schwei­gen. Aber es liegt auf der Hand, dass die vie­len Ver­zö­ge­run­gen – al­lein die Neu­pla­nung der Ver­kehrs­er­schlie­ßung hat 2015 zu ei­nem Jahr Ver­lust ge­führt – für ei­nen In­vest­ment­ma­na­ger, der et­wa Pen­si­ons- und Staats­fonds ver­wal­tet, Gift sind, er­war­ten die An­teils­eig­ner doch ei­ne Ren­di­te. Die Glas­hüt­te war 2005 vom ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­men Owen Il­li­nois ge­schlos­sen wor­den. Der da­ma­li­ge städ­ti­sche Pla­nungs­de­zer­nent Gregor Bo­nin hat­te bei dem drei Jah­re spä­ter in die We­ge ge­lei­te­ten Werk­statt­ver­fah­ren noch ge­sagt, die ers­ten Wohn­häu­ser könn­ten 2010 er­rich­tet wer­den. Zu­letzt war von Mit­te 2019 die Re­de, bis die ers­ten Mie­ter oder Ei­gen­tü­mer in ihr neu­es Heim ein­zie­hen kön­nen.

Meh­re­re Per­so­nen aus dem Un­ter­neh­mens­um­feld be­stä­tig­ten auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, dass die Pa­tri­zia seit Mo­na­ten sehr in­ten­siv auf der Su­che nach ei­nem Käu­fer sei. Als Kauf­preis wur­de wie­der­holt ei­ne Sum­me in Hö­he von un­ge­fähr 60 Mil­lio­nen Eu­ro ge­nannt. Ex­per­ten hal­ten die Hö­he des Kauf­prei­ses für zu­min­dest rea­lis­tisch. Der Ver­kauf sei kei­nes­wegs ein Not­ver­kauf, die Pa­tri­zia sei ei­nes der größ­ten Un­ter­neh­men sei­ner Art in Deutsch­land und ste­he grund­so­li­de da, so Bran­chen­ken­ner. Al­ler­dings lie­ße die lan­ge Ent­wick­lungs­zeit das Pro­jekt für das Un­ter­neh­men nicht län­ger at­trak­tiv er­schei­nen.

Dass der vor an­dert­halb Jah­ren müh­sam ge­schmie­de­te Fahr­plan für den wei­te­ren Fort­schritt des Glas­ma­cher­vier­tels kei­ne wei­te­ren Ver­zö­ge­run­gen er­fährt, dar­auf hofft auch Bo­nin-Nach­fol­ge­rin Cor­ne­lia Zusch­ke. „Wir be­grü­ßen na­tür­lich, dass die Su­che nach ei­nem neu­en In­ves­tor mit der naht­lo­sen Fort­füh­rung des Neu­bau­pro­jekts ver­knüpft ist“, sagt die Pla­nungs­de­zer­nen­tin. Sie baut dar­auf, in wei­te­ren Ge­sprä­chen mit Pa­tri­zia, die in Kür­ze an­ste­hen wür­den, mehr über die Hin­ter­grün­de der Ver­kaufs­ab­sicht zu er­fah­ren. „Noch be­fin­den wir uns ja oh­ne­hin im Sta­di­um der Bau­reif­ma­chung des Ge­län­des. Da steht al­len noch ein gan­zes Stück Ar­beit be­vor, das gilt nicht zu­letzt für den Teil des Ge­samt­grund­stücks, das der Stadt ge­hört.“

Ob die Stadt wo­mög­lich nun beim Kauf des bis­he­ri­gen Pa­tri­zia-Stücks eben­falls ih­ren Hut in den Ring wirft (et­wa in Form der städ­ti­schen Toch­ter IDR), „dar­über lässt sich zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch kei­ne Aus­sa­ge tref­fen, das ist viel zu früh. Da gilt es ge­nau aus­zu­lo­ten, ob die fi­nan­zi­el­len und recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen stim­men“, so Zusch­ke.

Ein Baustopp bei den im­mer noch lau­fen­den Bo­den­sa­nie­rungs­ar­bei­ten wer­de es je­den­falls nicht ge­ben, be­stä­tigt Pa­tri­zia-Spre­cher Holz­rich­ter: „Die Sa­nie­rungs­ar­bei­ten wer­den fort­ge­führt wie ge­plant, sie wer­den vor­aus­sicht­lich im Ok­to­ber ab­ge­schlos­sen.“Da es bis heu­te noch kei­nen städ­te­bau­li­chen Ver­trag gibt – an­vi­siert war da­für die­ser Som­mer – konn­ten auch noch kei­ne Bau­ge­neh­mi­gun­gen er­teilt wer­den, ent­spre­chend gibt es auch kei­ne pri­va­ten Ge­schä­dig­ten.

Für ei­nen In­ter­es­sen­ten gilt je­den­falls: Je wei­ter der Ent­wick­lungs­stand fort­ge­schrit­ten ist, des­to wert­vol­ler wird die Flä­che für ihn. Und dass er dann mit der Pla­nung nicht bei Null an­fan­gen will, ist eben­so of­fen­sicht­lich. In­so­fern gibt es al­so doch noch Hoff­nung, dass das Glas­ma­cher­vier­tel ei­nes Ta­ges rea­li­siert wird.

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