Kar­tell­amt un­ter­stützt EU-Stra­fe ge­gen Goog­le

Der Prä­si­dent der Be­hör­de kri­ti­siert gleich­zei­tig ei­ne Kla­ge von Thys­sen­krupp ge­gen ei­nen Ma­na­ger.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

BONN Das Bun­des­kar­tell­amt be­grüßt, dass die Eu­ro­päi­sche Uni­on am Di­ens­tag ein 2,42 Mil­li­ar­den Eu­ro ho­hes Buß­geld ge­gen Goog­le ver­hängt hat. Das er­klär­te Andre­as Mundt, Prä­si­dent des Bun­des­kar­tell­am­tes, ges­tern bei der Vor­la­ge des Be­rich­tes 2016. „Bei in­ter­nen Be­ra­tun­gen zu Goog­le ha­ben wir die Hal­tung der EU-Kom­mis­si­on un­ter­stützt“, sag­te Mundt: „Goog­le kon­trol­liert den Such­ma­schi­nen­markt, und sie ha­ben die­se Markt­macht ge­nutzt, um in ei­nen an­de­ren Markt vor­zu­drän­gen.“Ge­meint ist, dass Goog­le laut EU-Kom­mis­si­on das ei­ge­ne An­ge­bot „Goog­le-Shop­ping“ge­gen­über an­de­ren Preis­ver­gleich­spor­ta­len be­vor­zug­te.

In­ner­halb Deutsch­lands geht das Kar­tell­amt selbst ge­gen ei­ne zu ho­he Markt­macht von On­line-Kon­zer­nen vor. So hofft Mundt, bis En­de des Jah­res ei­ne Un­ter­su­chung ge­gen Face­book ab­schlie­ßen zu kön­nen. Da­bei soll ins­be­son­de­re ge­klärt wer­den, ob das so­zia­le Netz- werk sei­ne ex­trem star­ke Markt­stel­lung aus­nutzt, um zu la­sche Da­ten­schutz­re­geln ge­gen­über den Kun­den durch­zu­set­zen.

Au­ßer­dem deu­te­te Mundt an, dass die Be­hör­de wahr­schein­lich ei­ne Un­ter­su­chung zu Ver­gleich­spor­ta­len im In­ter­net star­ten wer­de. Die Be­hör­de darf neu­er­dings ge­zielt über­prü­fen, ob in be­stimm­ten Sek­to­ren Ver­brau­cher durch mög­li­cher­wei­se frag­wür­di­ge Prak­ti­ken von Un­ter­neh­men ge­schä­digt wer­den. „Als die­se neue Art der Sek­tor­un­ter­su­chun­gen vor­ge­schla­gen wur­de“, sag­te Mundt, „ging es im­mer auch dar­um, dass Ver­gleich­spor­ta­le trans­pa­ren­ter ar­bei­ten könn­ten.“Die Kun­den woll­ten ja wis­sen, nach wel­chen Kri­te- ri­en ver­gli­chen wird und ob Pro­vi­sio­nen ge­zahlt wer­den“. Nun müs­se die zu­stän­di­ge Ab­tei­lung prü­fen, wo sie nun die ers­ten Un­ter­su­chun­gen in Be­zug auf mög­li­che Be­nach­tei­li­gun­gen von Kun­den star­tet, sag­te Mundt. Über­ra­schend äu­ßer­te sich der Ju­rist auch zu ei­ner Kla­ge von Thys­sen­krupp ge­gen ei­nen frü­he­ren Be­reichs­vor­stand, die heu­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­han­delt wird. Er hal­te es für frag­wür­dig, dass der Es­se­ner Kon­zern die vom Kar­tell­amt ver­häng­te Geld­bu­ße von 191 Mil­lio­nen Eu­ro für das frü­he­re Schie­nen­kar­tell vom da­für frü­her zu­stän­di­gen Be­reichs­vor­stand zu­rück­for­de­re. Das deut­sche Recht tren­ne klar zwi­schen Geld­bu­ßen für Un­ter­neh­men und Stra­fen für Ma­na­ger. Da­bei sei für Ma­na­ger ei­ne Höchst­bu­ße von ei­nem Jah­res­ge­halt vor­ge­se­hen. Thys­sen­krupp er­klärt da­ge­gen auf An- fra­ge, es ge­he dem Un­ter­neh­men bei sei­ner Scha­den­er­satz­kla­ge nicht um die Ver­mi­schung ver­schie­de­ner Stra­fen. Ziel sei viel­mehr, von dem ver­klag­ten Ma­na­ger den in­tern an­ge­rich­te­ten Scha­den durch pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten zu­rück­zu­er­hal­ten.

Mundt zog auch ei­ne Bi­lanz der Kar­tell­ver­fah­ren. Nach­dem 2014 noch mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro an Geld­bu­ßen we­gen un­er­laub­ter Ab­spra­chen ver­hängt wur­den, wa­ren es 2015 et­was mehr als 200 Mil­lio­nen Eu­ro und 2016 nur noch rund 125 Mil­lio­nen Eu­ro.

Zu­frie­den gab sich Mundt da­mit, dass der Ge­setz­ge­ber jüngst ei­ne Lü­cke im Wett­be­werbs­recht ge­schlos­sen hat: Ge­mäß der „Wurst­lü­cke“konn­ten Kon­zer­ne ei­nem Buß­geld oft ent­ge­hen, in­dem sie die be­trof­fe­ne Un­ter­fir­ma ein­fach recht­lich ver­schwin­den lie­ßen. Jetzt haf­tet da­ge­gen ein Kon­zern als Gan­zes. 2014 gin­gen durch die Lü­cke 238 Mil­lio­nen Eu­ro an Buß­geld ver­lo­ren. Meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro sind nun noch ge­fähr­det.

FO­TO: DPA

Andre­as Mundt, Prä­si­dent des Bun­des­kar­tell­am­tes.

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