Ha­ni­el trau­ert um Auf­sichts­rats-Chef

Jan von Ha­ef­ten war der Sohn ei­nes Wi­der­stands­kämp­fers. Er starb mit 85.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT -

DUIS­BURG (anh) An der Spit­ze von Un­ter­neh­men ste­hen meist zwei Ar­ten von Men­schen: aus­tausch­ba­re Be­triebs­wir­te oder Cha­rak­ter­köp­fe. Jan von Ha­ef­ten zähl­te zur letz­ten Ka­te­go­rie. Sei­ne Mut­ter war Ur-UrEn­ke­lin von Franz Ha­ni­el, sein Va­ter Wi­der­stands­kämp­fer ge­gen Hit­ler. Jan von Ha­ef­ten selbst führ­te den Auf­sichts­rat des Duis­bur­ger Kon­zerns von 1988 bis 2003. Von 2000 bis 2003 war er zu­gleich Chef­kon­trol­leur der Han­dels­toch­ter Me­tro. Nun ist der ge­bür­ti­ge Ber­li­ner im Al­ter von 85 Jah­ren ge­stor­ben.

Sei­ne Ju­gend war mit dem Wi­der­stand ge­gen Hit­ler ver­bun­den. Ei­nen Tag nach von Ha­ef­tens 13. Ge­burts­tag, am 20. Ju­li 1944, ver­üb­te Claus von St­auf­fen­berg das At­ten­tat auf den Dik­ta­tor. Von Ha­ef­tens Va­ter Hans ge­hör­te zum en­ge­ren Kreis und war für die Nach-Hit­ler-Re­gie­rung als Au­ßen­mi­nis­ter vor­ge­se­hen. Nach dem Schei­tern des At­ten­tats rich­te­ten die Na­zis vie­le Wi­der­stands­kämp­fer hin (Hans von Ha­ef­ten wur­de in Plöt­zen­see ge­hängt) und nah­men Fa­mi­li­en­mit­glie­der in Sip­pen­haft. Spä­ter hei­ra­te­te Jan von Ha­ef­ten Eleo­no­ra von Lehn­dorff, Toch­ter ei­nes Wi­der­stands­kämp­fers. Er wur­de Chef der Lehn­dorff Ver­mö­gens­ver­wal­tung in Ham­burg.

Nach dem Krieg be­such­te Jan von Ha­ef­ten das Eli­te-In­ter­nat Sa­lem und mach­te ei­ne Leh­re in Hom­berg. Er hat­te Äm­ter bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen, im Au­tobe­reich – und bei Ha­ni­el. 2000 soll er son­diert ha­ben, die Me­tro mit dem US-Kon­kur­ren­ten Wal-Mart zu­sam­men­zu­brin­gen. Dar­aus wur­de aber nichts. Von Ha­ef­ten zog die Fä­den und hielt den Duis­bur­ger Kon­zern zu­sam­men.

Sein Cre­do war zu­gleich: Geld ver­pflich­tet. Er grün­de­te die Ha­ni­elStif­tung, die die Bil­dung von Be­nach­tei­lig­ten und Be­gab­ten för­dert. Ha­ni­el und Me­tro trau­ern um ih­ren Be­glei­ter. „Jan von Ha­ef­ten hat mit der Ha­ni­el-Stif­tung das we­sent­li­che In­stru­ment ge­schaf­fen, die Über­nah­me ge­sell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung durch Fa­mi­lie und Un­ter­neh­men neu und mo­dern zu ge­stal­ten“, sag­te Auf­sichts­rats-Chef Franz Mar­kus Ha­ni­el.

FO­TO: HA­NI­EL

Jan von Ha­ef­ten kon­trol­lier­te bis 2003 Ha­ni­el und Me­tro.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.