Pan­da­mie in Ber­lin

Ein Staats­akt für zwei Pan­da­bä­ren: Chi­nas Prä­si­dent Xi Jing­ping und Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ha­ben „Träum­chen“und „Schätz­chen“wie Di­plo­ma­ten im Ber­li­ner Zoo emp­fan­gen. Die bei­den Pan­das ver­set­zen die Haupt­stadt in Auf­ruhr.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - PANORAMA - VON HENNING RA­SCHE

BER­LIN Das Wap­pen­tier des Zoo­lo­gi­schen Gar­tens Ber­lin ist ein Go­ril­la. Und so ist es der Go­ril­la, der im Mit­tel­punkt steht, als der chi­ne­si­sche Staats­prä­si­dent Xi Jing­ping sein Ma­nu­skript am Red­ner­pult ord­net. Es ist der Go­ril­la, der auf den Ein­la­dun­gen prangt, auf den Hem­den der Mit­ar­bei­ter und auf den Mit­tei­lun­gen des Zoos. Es sind sei­ne letz­ten Mo­men­te des Ruhms, da darf sich der Ber­li­ner Go­ril­la si­cher sein. Auch wenn er in Zu­kunft noch in den Brief­köp­fen zu se­hen sein wird, so sind es nun an­de­re, die in den Vor­der­grund drän­gen: Schätz­chen und Träum­chen. Der Ber­li­ner Zoo hat wie­der Pan­da­bä­ren. Xi Jing­ping

Da­mit es da­zu kom­men konn­te, war nicht nur ein vier Jah­re wäh­ren­der di­plo­ma­ti­scher Draht­seil­akt not­wen­dig, son­dern auch ein Staats­akt. Wei­te Tei­le des Zoos wa­ren ges­tern ab­ge­sperrt – Si­cher­heits­stu­fe eins. Ein­lass durch das Ele­fan­ten­tor er­hal­ten nur Men­schen, bei de­nen das Bun­des­kri­mi­nal­amt ei­nen Blick in die Ak­ten ge­wor­fen hat. Ro­te Lam­pi­ons hän­gen über­all an den We­gen, es wer­den frit­tier­te Früh­lings­rol­len ge­reicht. Bei vie­len Be­su­chern hef­ten lus­ti­ge Pan­da­sti­cker an den Re­vers, bei noch viel mehr Be­su­chern al­ler­dings hef­tet ein Knopf im Ohr. Sie sol­len nicht die Pan­da­bä­ren be­wa­chen, son­dern die bei­den Staats­gäs­te: Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Chi­nas Prä­si­dent Xi.

Die bei­den Pan­da­bä­ren er­hal­ten ei­nen Emp­fang, der nicht ein­mal vie­len Bot­schaf­tern zu­teil wird. Und so ist es nur lo­gisch, dass die Kanz­le­rin Jiao Qing (Schätz­chen, sechs Jah­re alt, männ­lich, 110 Ki­lo­gramm) und Meng Meng (Träum­chen, drei, weib­lich, 83 Ki­lo­gramm) als „Son­der­bot­schaf­ter bei­der Län­der“be­zeich­net. Die Pan­das, sagt Mer­kel, stün­den sym­bo­lisch für die Be­zie- hung zwi­schen Deutsch­land und Chi­na, die in die­sem Jahr 45-jäh­ri­ges Be­ste­hen der di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen fei­ern. Xi Jing­ping wünscht sich, dass die bei­den Bä­ren „die Freund­schaft zwi­schen den Völ­kern ver­tie­fen“.

Ei­ne Num­mer klei­ner geht es nicht. Nicht bei Pan­da­bä­ren, den chi­ne­si­schen Na­tio­nal­hei­lig­tü­mern. Die­ser Emp­fang muss hüb­sche Bil­der ab­wer­fen, wo doch in Hamburg Was­ser­wer­fer auf De­mons­tran­ten war­ten und die Bun­des­tags­wahl naht. Tie­re hel­fen da noch mal, die ge­hen im­mer. Pan­das so­wie­so. Omid Nou­ripour ist au­ßen­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen und gießt et­was Was­ser in die Pan­da-Eu­pho­rie: „Die nied­li­chen Bil­der von Mer­kel und Xi mit den Pan­das dür­fen nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass ein Ku­schel­kurs mit Chi­na nicht an­ge­bracht ist“, sagt er. Mer­kel müs­se auf­pas­sen, nicht „un­kri­tisch“zu wir­ken.

Schätz­chen und Träum­chen ist die­ser gan­ze Zir­kus gleich­gül­tig. Als um 15.47 Uhr der ro­te Vor­hang vor dem „Pan­da Gar­den“, dem zehn Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Ge­he­ge, fällt, geht ein „Oooooh“durch das Pu­bli­kum. Das sind Pan­das, echt wahr. Was man nun sieht, ist ein Pan­da­bär (ob Schätz­chen oder Träum­chen, ist un­klar), der auf dem Bo­den sitzt und Bam­bus frisst. Von all den staats­tra­gen­den Wor­ten, den mehr als 200 Jour­na­lis­ten, den Ka­me­ras und den sehr wich­ti­gen Gäs­ten neh­men Jiao Qing und Meng Meng kei­ne er­kenn­ba­re No­tiz.

In Ber­lin ist gleich­wohl die Pan­da­mie aus­ge­bro­chen. Die Sou­ve­nir­shops, in de­nen es sonst ei­gen­ar­ti­ge Re­lik­te der Mau­er und „I lo­ve Ber­lin“-Shirts zu kau­fen gibt, ha­ben Plüsch-Pan­das in die Schau­fens­ter ge­stopft. Der Bran­chen­füh­rer Steiff lässt mit­tei­len, man ha­be sich hin­rei­chend vor­be­rei­tet: „Soll­te der Pan­da-Hy­pe aus­bre­chen, ha­ben wir ge­nü­gend Pan­da­bä­ren vor­rä­tig und kön­nen schnell nach­lie­fern.“Sehr be­ru­hi­gend.

Pan­da­bä­ren fut­tern bis zu 70 Ki­lo­gramm Bam­bus am Tag, gern in ver­schie­de­nen Sor­ten. Die Männ­chen ma­chen ei­nen Hand­stand, um zu pin­keln. Je hö­her sie den Baum­stamm tref­fen, des­to an­ge­se­he­ner sind sie un­ter ih­ren Freun­den. Ein Pan­da­bär hat mal ei­nem Fo­to­gra­fen ei­nen Fin­ger ab­ge­bis­sen. Und doch gel­ten Pan­das als nied­li­che und sü­ße Tie­re. Ganz un­ro­man­tisch be­le­gen Sta­tis­ti­ken, dass Pan­das Pu­bli­kums­ma­gne­ten sind. Im fran­zö­si­schen Be­au­val hat sich die Be­su­cher­zahl im Zoo nach der Pan­daAn­kunft mehr als ver­dop­pelt.

Die Ber­li­ner Ver­ant­wort­li­chen hof­fen auf ei­nen ähn­li­chen An­drang. Der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de des Zoos, Frank Bruck­mann, sagt: „Ich ge­he da­von aus, dass wir da nicht drauf­zah­len.“Die Kos­ten im­mer­hin sind im­mens. Chi­na ver­langt knapp ei­ne Mil­li­on Eu­ro Leih­ge­bühr pro Jahr, hin­zu kom­men Fut­ter und Un­ter­halts­kos­ten. Da müs­sen die Ber­li­ner ziem­lich oft in den Zoo ge­hen.

Mer­kel und Xi neh­men sich viel Zeit, um das Lu­xus­ap­par­te­ment der Son­der­bot­schaf­ter zu be­gut­ach­ten. Die Kanz­le­rin ist de­tail­ver­liebt und lässt sich al­les er­klä­ren. Viel­leicht ja auch den sie­ben Me­ter lan­gen Lie­bes­tun­nel. Durch die­sen sol­len Schätz­chen und Träum­chen zu­ein­an­der fin­den, um den Ber­li­nern die nächs­te Sen­sa­ti­on zu be­sche­ren. Bes­ser als Pan­das sind nur noch Ba­by-Pan­das. Al­ler­dings sind Pan­da-Weib­chen nur an zwei bis drei Ta­gen im Jahr paa­rungs­be­reit.

„Schätz­chen und Träum­chen sol­len die Freund­schaft zwi­schen den Völ­kern ver­tie­fen“ Chi­nas Staats­prä­si­dent

FO­TO: DPA

Der Pan­da wird mit Bam­bus be­spaßt, Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Chi­nas Staats­prä­si­dent Xi Jing­ping stel­len sich für die Ka­me­ras in Po­si­ti­on.

FO­TOS (2): RTR

Dem Son­der­bot­schaf­ter der Volks­re­pu­blik schmeckt’s: Wäh­rend der Re­den fut­tert sich Meng Meng satt.

Der Bau der neu­en An­la­ge „Pan­da Gar­den“kos­te­te et­wa zehn Mil­lio­nen Eu­ro.

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