Stadt kann Bor­dell­wer­bung nicht ver­bie­ten

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - LANDESHAUPTSTADT DÜSSELDORF -

(arl) Die in Düs­sel­dorf zu se­hen­den Wer­be­pla­ka­te für Bor­del­le kön­nen nicht un­ter­sagt wer­den – weil sie nicht ex­pli­zit er­wäh­nen, wo­mit die Eta­blis­se­ments ihr Geld ver­die­nen. Das teil­te die Stadt­ver­wal­tung nach der Be­schwer­de ei­ner Bür­ge­rin mit. Al­ler­dings hat sie we­gen der Ein­ga­be dar­auf hin­ge­wirkt, dass Pla­kat­wän­de auf städ­ti­schem Grund nicht mehr für die Bran­che zur Ver­fü­gung ste­hen: Sie hat ei­nen An­bie­ter auf­ge­for­dert, dort Wer­bung für ein Bor­dell ent­fer­nen zu las­sen.

Die Bür­ge­rin hat­te sich beim Stadt­rat über die an vie­len Stel­len sicht­ba­re Re­kla­me be­schwert. Der An­re­gungs- und Be­schwer­de­aus­schuss, der sol­che Ein­ga­ben dis­ku­tiert, be­fasst sich am Mitt­woch mit dem The­ma. Er wird er­ör­tern, ob die Po­li­tik sich ge­gen die Pla­ka­te en­ga­gie­ren soll und ob es über­haupt Mög­lich­kei­ten gibt, die vor al­lem an Ein­fahr­stra­ßen und oft zu Mes­se­zei­ten zu se­hen­de Wer­bung für di­ver­se Bor­del­le in der Re­gi­on kom­plett zu un­ter­sa­gen.

Aus Sicht der Bür­ge­rin soll­te Düs­sel­dorf sie nicht hin­neh­men. Die Frau – de­ren Na­me, wie bei Ein­ga­ben üb­lich, ver­trau­lich be­han­delt wird – zeigt sich „fas­sungs­los“, dass „Frau­en völ­lig er­nied­ri­gend dar­ge­stellt wer­den, an­ge­bo­ten wie Frisch­fleisch“. Sol­che Pla­ka­te hin­gen an „qua­si je­der Ecke“, be­klagt sie. „In ei­ner Stadt, in der ein sol­ches Frau­en­bild öf­fent­lich ver­tre­ten und ver­brei­tet wird, stel­le ich mir die Fra­ge, ob ich hier wirk­lich wei­ter woh­nen blei­ben möch­te.“

Ord­nungs- und Ver­kehrs­amt ma­chen in ih­ren vor­ab ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­men al­ler­dings we­nig Hoff­nung, dass sich die Pla­ka­te über­haupt ver­bie­ten las­sen. Die bis­lang be­kann­ten Mo­ti­ve ver­stie­ßen nicht ge­gen gel­ten­des Recht, heißt es. Sie zeig­ten Por­träts be­klei­de­ter jun­ger Frau­en ver­bun­den mit dem Namen des Be­trie­bes. We­der Text noch Bild er­wähn­ten da­bei „die Mög­lich­keit ent­gelt­li­cher se­xu­el­ler Hand­lun­gen aus­drück­lich“, so das Ord­nungs­amt. Es blei­be viel­mehr dem Be­trach­ter über­las­sen, aus der Darstel­lung von Frau­en in Zu­sam­men­hang mit den Un­ter­neh­mens­na­men „ent­spre­chen­de Schluss­fol­ge­run­gen“zu zie­hen. Das Fa­zit: „In die­ser ver­bräm­ten Form be­ein­träch­ti­gen die Pla­ka­te kei­ne Rechts­gü­ter der All­ge­mein­heit und ins­be­son­de­re nicht den Ju­gend­schutz.“Für ein Ver­bot ge­be es da­her kei­ne Hand­ha­be. Das Ver­kehrs­amt emp­fiehlt ei­ne Be­schwer­de beim Deut­schen Wer­be­rat, der ei­ne Rü­ge aus­spre­chen könn­te.

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