Flug­ha­fen: Se­cu­ri­ty fehlt zum Fe­ri­en­start

Am Air­port Düs­sel­dorf kann es zum Fe­ri­en­start zu War­te­schlan­gen an den Pas­sa­gier­kon­trol­len kom­men. Laut Ver­di feh­len täg­lich bis zu 75 Si­cher­heits­kräf­te. Die Bun­des­po­li­zei soll ein Pau­sen­ver­bot zu den Stoß­zei­ten ver­ord­net ha­ben.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

DÜS­SEL­DORF Am kom­men­den Frei­tag ist der letz­te Schul­tag in Nord­rhein-West­fa­len. Vie­le Fa­mi­li­en flie­gen dann und in den dar­auf­fol­gen­den Ta­gen an den Ur­laub. Für vie­le könn­ten die schöns­ten Wo­chen des Jah­res al­ler­dings mit lan­gen War­te­zei­ten an den Ge­päck- und Per­so­nen­kon­trol­len be­gin­nen – zu­min­dest für die, die vom Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fen in die Fe­ri­en star­ten wol­len. Denn nach In­for­ma­tio­nen un-

„Wir wer­den die Auf­ga­be mit der Bun­des­po­li­zei und dem Flug­ha­fen en­er­gisch an­ge­hen“

Pe­ter Lan­ge

Ge­schäfts­füh­rer Köt­ter Avia­ti­on

se­rer Re­dak­ti­on feh­len an den Pas­sa­gier­kon­trol­len zu Ur­laubs­be­ginn wohl Si­cher­heits­leu­te. Nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft Ver­di sind es an man­chen Ta­gen so­gar bis zu 75 Kräf­te un­ter Plan. „Das wird da­zu füh­ren, dass die Ab­fer­ti­gung der Flug­gäs­te län­ger dau­ern wird und es War­te­schlan­gen ge­ben kann“, sagt Ge­werk­schafts­se­kre­tär Özay Ta­rim. Pas­sa­gie­re wer­den be­reits ge­be­ten, ei­ni­ge St­un­den vor Ab­flug bei der Si­cher­heits­kon­trol­le zu er­schei­nen. Ein be­trof­fe­ner Se­cu­ri­ty-Mit­ar­bei­ter be­fürch­tet: „Die Un­ter­be­set­zung im Ju­li kann sehr bö­se en­den.“

Durch den Per­so­nal­man­gel ver­schärft sich das oh­ne­hin schon zu er­war­ten­de Cha­os zu Fe­ri­en­be­ginn, das zwangs­läu­fig durch das er­höh­te Pas­sa­gier­auf­kom­men ent­steht. Die Flug­ge­sell­schaft Eu­ro­wings hat den spä­tes­ten Zeit­punkt für die Ge­päck­ab­ga­be des­halb be­reits von 30 auf 40 Mi­nu­ten vor Ab­flug ver­legt. Die Bun­des­po­li­zei soll we­gen des Per­so­nal­man­gels für das pri­va­te Si­cher­heits­per­so­nal die An­wei­sung her­aus­ge­ge­ben ha­ben, zu den Stoß­zei­ten kei­ne Pau­sen­zei­ten mehr zu ver­ge­ben. Nur in be­grün­de­ten Ein­zel- fäl­len sei das noch mög­lich. Als Stoß­zei­ten gel­ten die Zei­t­räu­me vier bis sechs Uhr mor­gens, vor­mit­tags von neun bis zwölf Uhr und 16 bis 18 Uhr.

NRWs größ­ter Air­port wächst der­zeit stär­ker als je­der an­de­re grö­ße­re deut­sche Ver­kehrs­flug­ha­fen. Das Pas­sa­gier­auf­kom­men ist in die­sem Jahr um min­des­tens zwölf Pro­zent ge­stie­gen, die Zahl der Flü­ge um acht Pro­zent. Durch­schnitt­lich zählt der Flug­ha­fen rund 60.000 Pas­sa­gie­re pro Tag; in den Som­mer­fe­ri­en kön­nen es re­gel­mä­ßig 80.000 Flug­gäs­te pro Tag wer­den, an den Spit­zen­ta­gen so­gar bis zu 100.000, heißt es beim Flug­ha­fen.

Die Si­cher­heits­fir­ma Köt­ter, die im Auf­trag der Bun­des­po­li­zei die Kon­trol­len am Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fen durch­führt, woll­te die von Ver­di ge­nann­ten Zah­len zum Per­so­nal­man­gel nicht be­stä­ti­gen. „Wir wer- den die Auf­ga­be ge­mein­sam mit un­se­rem Auf­trag­ge­ber Bun­des­po­li­zei und dem Flug­ha­fen en­er­gisch an­ge­hen“, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Pe­ter Lan­ge und ver­wies auf per­so­nel­le Ver­stär­kun­gen in den zu­rück­lie­gen­den Mo­na­ten. „Ent­schei­dend für die Kon­trol­len sind we­ni­ger nack­te Kopf­zah­len als viel­mehr ziel­ge­naue Ein­satz­pla­nun­gen“, sag­te Lan­ge.

Die Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft sieht das an­ders: Durch den Per­so­nal­man­gel spit­ze sich die Be­las­tung für die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Si­cher­heits­kräf­te dras­tisch zu, sagt Ta­rim. „Das be­deu­tet ei­nen enor­men psy­chi­schen Stress. Die Mit­ar­bei­ter müs­sen dann ver­mut­lich meh­re­re St­un­den oh­ne Pau­se ste­hen und kon­trol­lie­ren. Dar­un­ter lei­den die Kon­zen­tra­ti­on und die Ge­sund­heit“, be­tont er.

Nach An­ga­ben des Flug­ha­fens kann ei­ne per­so­nel­le Un­ter­be­set- zung im Ein­zel­fall in ei­nem be­stimm­ten Maß kom­pen­siert wer­den. „Die Bun­des­po­li­zei so­wie der Di­enst­leis­ter ha­ben uns in in­ten­si­ven Ge­sprä­chen ver­si­chert, dass al­les un­ter­nom­men wird, um das ge­stie­ge­ne Pas­sa­gier­auf­kom­men auch in den Fe­ri­en be­wäl­ti­gen zu kön­nen“, sag­te Flug­ha­fen­spre­cher Chris­ti­an Hin­kel.

Die Bun­des­po­li­zei for­dert vom Se­cu­ri­ty-Un­ter­neh­men in ei­ner so­ge­nann­ten Wis­sens­mit­tei­lung die Per­so­nal­stär­ke an, die ih­rer Mei­nung nach für die Per­so­nen­kon­trol­le be­nö­tigt wird. So hat die Bun­des­po­li­zei zum Bei­spiel für den 14. und 15. Ju­li rund 500 Kräf­te an­ge­for­dert. Köt­ter kann laut Ver­di an die­sen Ta­gen al­ler­dings je­weils nur rund 430 stel­len. Aus Krei­sen der Si­cher­heits­bran­che heißt es, dass die Per­so­nal­an­for­de­rung zu spät ge­kom­men sei für Köt­ter, um noch ef­fek­tiv re­agie- ren zu kön­nen. „Im Ok­to­ber 2016 hat die Bun­des­po­li­zei Köt­ter gesagt, wie viel Per­so­nal für das Jahr 2017 be­nö­tigt wird. Mit die­sen An­ga­ben hat Köt­ter ge­plant. Im April er­folg­te dann aber kurz­fris­tig ei­ne Nach­for­de­rung“, so ein In­si­der. „So vie­le, wie da für die Fe­ri­en­zeit nach­ge­for­dert wor­den sind, kann man in der Kür­ze der Zeit nicht aus­bil­den“, so der In­si­der wei­ter. Das be­stä­tigt auch Ver­di. „Köt­ter hat jetzt das Pro­blem. Ver­ur­sa­cher der Mi­se­re ist al­ler­dings die Bun­des­po­li­zei“, so Ta­rim.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on ver­sucht Köt­ter der­zeit, den Per­so­nal­man­gel zum Teil mit haus­ei­ge­nen Kräf­ten vom Air­port Köln/ Bonn halb­wegs auf­zu­fan­gen. „Die Kol­le­gen dort sol­len an ei­nem ih­rer frei­en Ta­ge in Düs­sel­dorf aus­hel­fen – auf frei­wil­li­ger Ba­sis“, heißt es aus Flug­ha­fen­krei­sen.

FO­TO: WGA

An den Pas­sa­gier­kon­trol­len am Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fen kann es ab Frei­tag zu län­ge­ren War­te­zei­ten kom­men.

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