Er­win-Platz wird En­de Au­gust ein­ge­weiht

Lan­ge gab es Streit über die Fra­ge, wo und wie der 2008 ver­stor­be­ne Ober­bür­ger­meis­ter Joa­chim Er­win ge­ehrt wer­den soll. Am 28. Au­gust wer­den nun die Schil­der für den Er­win-Platz am Kö-Bo­gen ent­hüllt.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - LANDESHAUPTSTADT DÜSSELDORF - VON UWE-JENS RUHNAU

Fast zehn Jah­re nach sei­nem Tod wird der ehe­ma­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter Joa­chim Er­win in der In­nen­stadt ge­ehrt: Ein Teil öf­fent­li­cher Flä­che ne­ben dem öst­li­chen der bei­den Li­bes­kind-Bau­ten wird in Joa­chim-Er­win-Platz um­be­nannt. Der Fest­akt ist für den 28. Au­gust vor­ge­se­hen. „Ich freue mich sehr, dass mein Mann nun an die­ser Stel­le ge­ehrt wird“, sagt Wit­we Hil­le Er­win. „Die Ent­wick­lung der In­nen­stadt war ihm ein sehr wich­ti­ges An­lie­gen.“Die Pro­to­koll­ab­tei­lung von Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel hat für den Tag in die­ser Wo­che Ein­la­dun­gen an gut 200 Men­schen ver­schickt.

Mit der Eh­rung geht ei­ne Ge­schich­te der Ir­run­gen und Wir­run­gen zu­en­de. Er­win war ein sehr agi­ler und auch um­strit­te­ner Ober­bür­ger­meis­ter, der ers­te, der 1999 als haupt­amt­li­cher Chef der Stadt­ver­wal­tung und obers­ter Re­prä­sen­tant die Lan­des­haupt­stadt führ­te. Die Macht­fül­le wuss­te er zu nut­zen. In die Amts­zeit des CDU-Man­nes fal­len die Ver­käu­fe von Stadt­wer­keAn­tei­len und RWE-Ak­ti­en und da­mit die Er­rei­chung der wirt­schaft­li­chen Schul­den­frei­heit Düs­sel­dorfs. Er­win woll­te Olym­pia an Rhein und Ruhr, kämpf­te für Düs­sel­dorf als Spiel­ort der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft 2006. In sei­ner Ägi­de wur­den die Are­na und der Do­me ge­baut, neue Mu­se­en er­öff­net.

Als Er­win im Mai 2008 nach lan­gem Krebs­lei­den starb, hin­ter­ließ er ein po­li­ti­sches Tes­ta­ment. Ei­ner der da­rin auf­ge­lis­te­ten zehn Punk­te lau­te­te: „Strei­tet Euch nicht um ei­ne Stra­ße oder ei­ne Haus­num­mer für mich.“Ge­nau das trat dann aber ein. Er­wins Nach­fol­ger Dirk El­bers woll­te die Eh­rung nicht rasch in An­griff neh­men. Sein Par­tei­freund Olaf Leh­ne brach­te die A 44-Brü­cke am Flug­ha­fen ins Spiel – und schei­ter­te. Als Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel sich gleich nach sei­ner Wahl für ei­nen Er­win-Platz im Her­zen der In­nen­stadt stark mach­te, stell­te sich sei­ne Rats­mehr­heit aus SPD, Grü­nen und FDP quer. Zu zen­tral, zu früh, lau­te­te die Kri­tik am Vor­schlag. Gei­sel hielt da­ge­gen, ei­ne Eh­rung ver­stor­be­ner Stadt­ober­häup­ter er­fol­ge durch­schnitt­lich nach vier Jah­ren.

Der Al­ter­na­tiv­vor­schlag der Am­pel-Ko­ope­ra­ti­on war der Platz zwi- schen den Düs­sel­dorf Ar­ca­den und Re­al am Bil­ker Bahn­hof. Da je­doch prob­te die Fa­mi­lie Er­win den Auf­stand, das Kli­ma war über Wo­chen ver­gif­tet.

Heu­te ist Hil­le Er­win froh. „Der Är­ger ist ver­ges­sen.“Sie dankt Gei­sel und sagt, dass der sich sehr ein­ge­setzt ha­be. Ei­ni­ge hät­ten ja ge­wollt, dass man bis zu ei­ner Eh­rung zehn Jah­re war­ten soll­te, sagt sie. K ö- B og en - Tu nn el Li­bes­kin­dGe­bäu­de Er­win-Platz „Da hät­te man das ei­ne Jahr so­gar noch war­ten kön­nen“, fin­det sie. Hil­le Er­win weiß noch nicht, ob sie selbst Men­schen zum Ter­min ein­la­den kann. „Da hat mich nie­mand ge­fragt.“Am Ge­burts- und am To­des­tag Joa­chim Er­wins kommt sie all­jähr­lich un­ter an­de­rem mit ih­rer Fa­mi­lie so­wie Er­wins engs­ten Mit­ar­bei­tern zu­sam­men, Chris­ti­na Be­ga­le (Bü­ro­lei­te­rin) und Kai Schu­ma­cher (Pres­se­chef). Auch Pe­ter Schwa­be, einst CDU-Rats­herr und heu­te Chef des Stadt­sport­bun­des, ist da­bei. „Er war un­ser Trau­zeu­ge.“

Düs­sel­dor­fer ver­stor­be­ne Ober­bür­ger­meis­ter sind an un­ter­schied­li­chen Stel­len im Stadt­ge­biet ge­ehrt. Klaus Bun­gert und Pe­ter Mül­ler in der Air­port-Ci­ty, den aus dem Stadt­sü­den stam­men­den Jo­sef Kür­ten woll­ten die Bür­ger mit ei­nem Platz in Ur­den­bach eh­ren. So ge­schah’s.

RP-FO­TOS: ANDRE­AS KREBS/HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Die­se Flä­che zwi­schen den Li­bes­kind-Bau­ten (rechts) und der Be­stands­be­bau­ung wird der Joa­chim-Er­win-Platz. Er be­ginnt an der neu­en Al­lee und en­det an der Ecke Scha­dow­platz. Er­win (Bild) starb 2008.

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